Die Nachbetrachtung zum Spiel von Julia Görges hat bei vielen Lesern von tennisnet.com offenbar zu beträchtlichen Irritationen, zu einer teils aufgeladenen Debatte und auch zu massiven Irritationen geführt.
Deshalb einige Nachsätze zur Nachschau: Die Anmerkung zur „regelmäßig undiplomatischen“ Teamchefin Barbara Rittner scheint Leser zu der Annahme geführt zu haben, das sei eine massive Kritik an ihrer Amtsführung gewesen. Dem ist ganz und gar nicht so – ganz im Gegenteil. Wahrscheinlich hätte ich mich noch viel klarer ausdrücken sollen, so klar wie Rittner - allein schon deshalb, weil so viele diesen Teil des Artikels missverstanden haben. E r f r i s c h e n d undiplomatisch ist die 38-jährige Leverkusenerin ja, das ist der eigentliche Gehalt der Botschaft. Sie ist eine Freundin der klaren Ansprache und jemand, der Zweideutigkeiten, Herumgedruckse und Verschleierungen nicht mag. Das sollten auch ihre Spielerinnen schätzen, denn harte, schonungslose Kritik bringt sie weiter als ewiges In-Watte-Packen und übermäßiges Bemuttern. Wer sich so über ein verkorkstes Match einer ihrer Spielerinnen ärgert wie Rittner, zeigt, dass er emotional mitlebt, dass ihm die Sache am Herzen liegt. Und dass er da alles andere als eine Pflichtübung als Tribünen-Gast absolviert.
Rittner hat ihren Spielerinnen in den letzten Jahren unbeirrt zur Seite gestanden und eine Erfolgsgruppe aufgebaut, die ohne Beispiel ist in den letzten zwei Jahrzehnten im deutschen Tennis. Doch in dieser Sport-Familie muss es auch einmal möglich sein, sich offen die Meinung zu sagen – und zwar auch hin und wieder öffentlich, um aufzurütteln und einen ernsten Prozess des Nachdenkens anzuregen, was richtig und eben falsch läuft in einer Karriere. Solche Kritik ist keinesfalls unbotmäßig, sondern zulässig. Beleidigt muss hier niemand sein, vor allem nicht Julia Görges selbst, zumal ähnlich scharfe Worte auch andere Spielerinnen des Teams schon einmal erreicht haben.
Besser wäre, sich zu überlegen, wie man künftig mit solchen Niederlagen umgeht, wie man in Pressekonferenzen eine ehrlichere Sicht auf die Geschehnisse vermittelt. Vor allem, wenn man die veränderte Ausgangslage dieser Saison betrachtet: Denn die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und der veröffentlichten Meinung ist nun einmal massiv gestiegen nach der Traumsaison 2011, nur ist damit auch klar, dass eben auch die Fallhöhe enorm gewachsen ist. Es scheint so, als würde diese offensichtliche Tatsache noch manchen im Tross des deutschen Damentennis überraschen. Wird die gerade ausgebrochene Überempfindlichkeit aber zur Regel, müsste man eher schwarzsehen für die Hauptdarstellerinnen und das Modell Deutschland.
Und auch dies noch: Niemand braucht eine Teamchefin, die mit 08-15-Phrasen über die Tatsachen hinwegredet. Barbara Rittner wird genau so gebraucht, wie sie ist. Im Zweifelsfall undiplomatisch. Das sollte auch beim DTB niemand vergessen.