Samstag, 29. Mai 2010
In der Hitparade der abergläubischen Tennisprofis belegt Rafael Nadal schon seit Jahren den ersten Platz. Den kann und will ihm keiner nehmen, schon gar nicht Roger Federer.
Nadal lebt auf dem Court mit Ticks. Mit Mätzchen, Marotten und Macken, gegen die er nicht ankommt. Genau so ritualisiert wie viele seiner Bewegungsabläufe sind auch die Diskussionen, die es mit ihm darüber gibt. Frage an Nadal vor den French Open: "Sind Sie abergläubisch?" Nadal, beinahe empört: "Nein, nein."
Dabei spotten sie auch in der Players Lounge in Paris hinter seinem Rücken über die Zwanghaftigkeiten und Rituale. Zum Beispiel über die penibel aufgestellten Trinkflaschen, die feierlich in einer Reihe wie Gardesoldaten dastehen. Außerdem weist das Logo der Flaschen noch jeweils genau zu jener Seite des Platzes, auf der Nadal Schläge empfängt und austeilt. Es gab schon seltene Momente der Vergesslichkeit, in denen Nadal noch einmal von der Grundlinie zu seinen Utensilien zurückeilte, um schnell alles akkurat zu drapieren.
Alles an Nadal ist Plan und Ordnung. Fachleute äußerten zuletzt sogar ihre Erkenntnis, dass Nadal keinen Meter zuviel laufe, dass alles berechnet und austariert sei. Keine Chance dem Zufall, keine Chance der Improvisation. Selbst die Socken, so hieß es, seien immer 15 Zentimeter lang über die Waden gezogen, um sich mit gutem Gefühl in die Ballwechsel zu stürzen.
Nadal steht da und kann nicht anders. Auch beim Aufschlag. Bis der endlich vollzogen ist, wird an allen Ecken und Enden gezupft und gezogen. Auch notorisch in der verlängerten Rückenpartie.
Das nervt die lieben Kollegen so sehr, dass sie gramvoll schon mal die (abgestrittenen) Rituale imitieren - so wie Robin Söderling in Wimbledon. Nadal war not amused. Aber wer den Tick hat, muss sich um den Spott nicht sorgen.