Petra Philippsen

Schau' mir in 
die Augen, Kleiner! 

Willkommen beim Happy Slam! Die erste Woche ist rum und die Massen strömen weiter unaufhörlich in den Melbourne Park. Im letzten Jahr waren es insgesamt schon über 650.000 Fans, der Rekord wird sicher wieder gebrochen. Denn hier ist jeder Tag immer irgendwie ein "recordbreaking day", den man natürlich feiern muss. Getreu dem Motto: Nie waren an einem Dienstag mit rechtsdrehender Stundenzahl mehr Zuschauer auf der Anlage, hurra. Schon morgens um 10 Uhr bevölkern die Tennis-Junkies gut gelaunt und bunt bemalt den Melbourne Park. Kaum eine Nation, die keinen persönlichen, leicht durchgeknallten Fanklub hinter sich herzieht. Wikinger-Helme liegen wieder im Trend, Flaggen als Wickelkleider auch und Tennisball-Mützen sowieso.

 

Kriegsbemalung gibt es hier frei Haus. Viele tummeln sich erst einmal am Garden Square vor der Videowand, um zu schauen, was drinnen in der Rod-Laver-Arena so los ist. Dann biegt man vielleicht zu den kleinen Außenplätzen ab, vorbei am Bespanner-Stand, wo im Akkord bis Turnierende 40 Kilometer Saite in die Schläger verknotet werden. Um dann schlimmstenfalls in Rekordzeit wie von Marcos Baghdatis wieder zertrümmert zu werden. Schönen Dank. Dann nimmt man unterwegs noch schnell zwei Kugeln Eis für $6,40 mit, von denen gut 100.000 verkauft werden, und der Tennisspaß kann beginnen. Natürlich immer schön mit Lichtschutzfaktor 50 plus eingecremt und reichlichem Wasservorrat bewaffnet. Hitze ist schließlich relativ, und in Melbourne ist man selbst bei schattigen 20 Grad akut Sonnenbrand gefährdet. Ozonloch sei dank.

 

In den letzten Tagen war es aber doch deutlich molliger, und da ist dann schnell richtige Abkühlung fällig. Wie gut, dass es inzwischen das "Grand Slam Oval" gibt, die Erwachsenen-Spielwiese fürs Partyvolk. Seit zwei Jahren wird die riesige Fläche zwischen den beiden Hauptstadien endlich sinnvoll genutzt. Wer sich hier vergnügen will, muss zwar erst einmal geduldig Schlange stehen, aber das kann zwischen anderen Verrückten ja auch ganz lustig sein.

 

Zur Belohnung gibt es dann Konzerte von Live-Bands, die auf unserem Teil des Planeten zwar kein Mensch kennt, die aber trotzdem Laune machen und natürlich Export-Bier bis zum Abwinken. Das heißt, es wurden im letzten Jahr zwar 80.000 Flaschen Heineken verkauft, doch nun ist man im Oval streng geworden: Jeder, der sich am Bierstand anstellen will, muss erst mal den "Augencheck" bestehen. Also, Sonnenbrille ab und dem Sicherheitsmann tief in die Augen schauen. Sehen diese bereits nach destilliertem Delirium aus, fliegt man raus. Ansonsten darf der nächste Becher Gerstensaft geordert werden. Und wer ganz clever ist, der schickt eben jemand anderen zum Bierholen vor. Einen, der noch stocknüchtern ist. Auch wenn der schwer zu finden ist. Aber es ist ja der Happy Slam, also Party on bis der Arzt kommt!

 

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