Jahresumfrage - Greiner/BTV: 
"Gefährliches Spiel der ATP" 



tennisnet.com hat die Präsidenten der deutschen Landesverbände zu einer kleinen Umfrage über die Situation im deutschen Tennis eingeladen. Einige Präsidenten standen uns Rede und Antwort. Heute: Bernd Greiner, ehemaliger Präsident des Badischen Tennisverband (BTV) und seit November Mitglied im DTB-Präsidium (Ausbildung und Entwicklung).
 
1. Was war Ihr persönliches Tennishighlight 2011?
 
Greiner: Privat: Dass ich nach Schultereckgelenkssprengung mit entsprechend langer Pause im Frühjahr und noch mal fast vier Monaten Pause im Sommer beim ersten Hallentermin überhaupt noch den Ball getroffen habe. Allgemein: Das Kombi-Event Fed Cup und Porsche Grand Prix in Stuttgart. Beides perfekt organisiert und für das deutsche Tennis optimale Ergebnisse.

 
2. Wie sehen Sie die Entwicklung des deutschen Tennis allgemein?
 
Greiner: Sportlich: Im Spitzenbereich sehr positiv. Die Breite bei den Herren ist da, hier fehlen nur die absoluten Top-Erfolge. Über das Jahr 2011 der Damen muss nicht mehr viel gesagt werden.
Sportpolitisch: Seit Mitte November (DTB-Mitgliederversammlung) wieder sehr optimistisch.

 
3. Was könnte Ihrer Meinung nach verbessert werden, um das deutsche Tennis zu stärken?
 
Greiner: Investitionen im Nachwuchsbereich, sobald Gelder hierfür zur Verfügung stehen. Die Außendarstellung verbessern, Tennis wieder „populärer“ im weitesten Sinn machen. Reibungsverluste im föderalistischen Aufbau des DTB verringern, sowohl im Bereich Jugend/Nachwuchsförderung als auch in politischer Hinsicht. Fortführung bewährter Projekte wie „Deutschland spielt Tennis“ und Durchführung weiterer solcher Maßnahmen, um an der Basis noch stabiler zu werden und auch neue Zielgruppen zu erreichen.

 
4. Von welchem Spieler erwarten bzw. erhoffen Sie sich 2012 das Meiste - deutscher Spieler/internationale Spieler?
 
Greiner: National aus dem Bauch raus: Cedrik-Marcel Stebe. International bin ich sehr gespannt, ob Djokovic sein tolles Jahr bestätigen kann.

 
5. Von welcher Spielerin erwarten bzw. erhoffen Sie sich 2012 das Meiste - deutsche Spielerin/internationale Spielerin?
 
Greiner: National, ebenfalls aus dem Bauch raus: Sabine Lisicki, knapp dahinter Andrea Petkovic. International sehe ich keinen Top-Tipp, die besten 20 sind so eng zusammen wie nie.

 
6. Braucht Tennis Regeländerungen, um noch attraktiver zu werden?
 
Greiner: Wie definiert man attraktiv? Den einen gefallen dramatische Matches wie Isner vs. Mahut, den anderen dauert ein normales Spiel schon viel zu lange. Man könnte die Bälle schwerer oder das Netz höher machen, um die guten Aufschläger zu entschärfen, aber will man die Folgen für die anschließenden Grundlinienrallys? Ließe sich so etwas auch in den Vereinen durchsetzen? Ich bin da eher Traditionalist. Allerdings sollte man mehr vereinheitlichen. Wir spielen doch Fußball nicht bei der WM 100 min. und in der Bundesliga 90min. Warum gibt es zwischen ATP, ITF, WTA, DTB bis runter in die Bezirke noch so viele Unterschiede?

 
7. Wie könnte der Tennissport seine mediale Präsenz steigern? Woher beziehen Sie Informationen zum Tennissport?
 
Greiner: Hier spielt die ATP meines Erachtens ein ganz gefährliches Spiel. Ich kann zwar den Gedankengang nachvollziehen, dass man das Produkt Tennis nicht zu einem zu geringen Preis auf den Markt werfen will, um den Gewinn zu optimieren und das Geschäft nicht zu verwässern – allerdings ist die TV-Präsenz dadurch nun so gering geworden (im Free-TV-Bereich), dass die breite Masse glaubt, Tennis muss ja wohl „out“ sein. Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Meine Infos: Von Printmedien wie Tennismagazin und DTZ bis hin zu allen gängigen Internet-Plattformen. Darüber hinaus durch Presse-Clippings von DTB und Verbänden.

 
8. Was kann das deutsche Fed-Cup-Team 2012 erreichen?
 
Greiner: Ganz dreiste Aussage: Sie werden gewinnen!

 
9. Was kann das deutsche Davis-Cup-Team 2012 erreichen?
 
Greiner: Ein ganz enges Match gegen Argentinien steht an. Insofern ist zwischen Abstieg und Halbfinale quasi alles drin. Ich hoffe auf einen Sieg in Bamberg.

 
10. Haben Sie einen Wunsch für den Turnierkalender - in Deutschland und/oder international?
 
Greiner: Wir brauchen dringend noch ein bis zwei große Damen-Turniere in Deutschland. Im Rahmen der HEAD German-Masters-Series wäre es schön, wenn sich das Süd-Nord-Gefälle auf der Karte etwas egalisieren würde.

 
Die Fragen stellten Harald Buchheister und Christian Albrecht Barschel
 

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