Jahresumfrage - Kutz/TVM: 
"Mediale Präsenz 
nur über Leistung" 



tennisnet.com hat die Präsidenten der deutschen Landesverbände zu einer kleinen Umfrage über die Situation im deutschen Tennis eingeladen. Einige Präsidenten standen uns Rede und Antwort. Heute: Dr. Karl-Heinz Kutz, der Präsident des Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern (TVM).
 
1. Was war Ihr persönliches Tennishighlight 2011?
 
Kutz: Für den DTB, bei den Männern der Gewinn des World-Team Cups und bei den Frauen die hoffnungsvoll guten Turnierergebnisse. Für mich persöhnlich, der Gewinn der Ostligameisterschaft mit meiner Mannschaft und der Landesmeistertitel bei den Herren 60.

 
2. Wie sehen Sie die Entwicklung des deutschen Tennis allgemein?
 
Kutz: Der Mitgliederschwund scheint dank vieler attraktiver und interessanter Angebote aus dem Breiten- und Vereinssport gebremst. Ein richtiger Ansatz. So kann es gelingen über die Breite wieder zu einer stabilen Spitze mit der entsprechenden sportlichen und medialen Aufmerksamkeit zu gelangen. Bei den Damen sind wir auf gutem Wege und haben erste Erfolge, bei den Herren brauchen wir noch Geduld und sollten unsere Aufmerksamkeit auf die nächste Generation erhöhen.

 
3. Was könnte Ihrer Meinung nach verbessert werden, um das deutsche Tennis zu stärken?
 
Kutz: Wir sollten den in der vorangegangenen Antwort beschriebenen Weg konsequent weiter beschreiten, denn Breiten- und Spitzensport sind als eine sich gegenseitig befruchtende Einheit zu verstehen. Die Nachwuchsförderung sollte ganzheitlicher angelegt werden und darf nicht auf das Tennisspielen reduziert bleiben. Elternhaus, Schule, Studium oder Berufsausbildung sind wichtige stabilisierende Elemente in der Persönlichkeitsprägung junger Spitzenspielerinnen und -spieler.

 
4. Von welchem Spieler erwarten bzw. erhoffen Sie sich 2012 das Meiste - deutscher Spieler/internationale Spieler?
 
Kutz: Florian Mayer im Einzel sowie Philip Petzschner und Christopher Kas im Doppel sind für die eine oder andere Überraschung immer gut. Olympia kann eine gute Zusatzmotivation sein und unerwartete Kräfte freisetzen. Allerdings werden sie das nötige Fünkchen Glück dringend brauchen.

 
5. Von welcher Spielerin erwarten bzw. erhoffen Sie sich 2012 das Meiste - deutsche Spielerin/internationale Spielerin?
 
Kutz: Andrea Petkovic, Sabine Lisicki, Julia Görges , Angelique Kerber und hoffentlich auch wieder Anna-Lena Grönefeld haben das Potential die Weltspitze im Damentennis mitzubestimmen.

 
6. Braucht Tennis Regeländerungen, um noch attraktiver zu werden?
 
Kutz: Eigentlich keine grundsätzlichen Änderungen. Vielleicht ein paar Erleichterungen für Kinder und Senioren.

 
7. Wie könnte der Tennissport seine mediale Präsenz steigern? Woher beziehen Sie Informationen zum Tennissport?
 
Kutz: Mediales Interesse und Präsenz ist nur über Leistung und Qualität sicherbar. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass die Medien daran schuld sind, wenn unsere Leistungen nicht stimmen, unsere Mitgliederzahlen sinken und keine Fernsehgelder mehr fließen. Beim Davis Cup gehören wir nicht zu den Favoriten und ein Wimbledon-Finale mit zwei deutschen Spielern ist auch längerfristig nicht in Sicht.

 
8. Was kann das deutsche Fed-Cup-Team 2012 erreichen?
 
Kutz: Die erste große Bewährungsprobe wartet im Februar mit der Partie gegen Tschechien auf unsere Damen. Danach ist eigentlich  alles möglich. Ich drücke dem Team von Barbara Rittner für 2012 beide Daumen.

 
9. Was kann das deutsche Davis-Cup-Team 2012 erreichen?
 
Kutz: Ich wäre zunächst froh, wenn sich die deutschen Herren in der Weltgruppe halten.

 
10. Haben Sie einen Wunsch für den Turnierkalender - in Deutschland und/oder international?
 
Kutz: Als Norddeutscher wünsche ich mir, dass Hamburg terminlich wieder  als Generalprobe für Paris angesehen werden kann. Im Übrigen für Damen und Herren. Ich weiß, wie unbescheiden dieser Wunsch gegenwärtig ist, aber man darf doch wohl noch träumen.

 
Die Fragen stellten Harald Buchheister und Christian Albrecht Barschel

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