Jahresumfrage - 
Schumann/NTV: 
"Zentrale Steuerung 
der Bundesstützpunkte" 



tennisnet.com hat die Präsidenten der deutschen Landesverbände zu einer kleinen Umfrage über die Situation im deutschen Tennis eingeladen. Einige Präsidenten standen uns Rede und Antwort. Heute: Gottfried Schumann, der Präsident des Tennisverband Niedersaschen (NTV).
 
1. Was war Ihr persönliches Tennishighlight 2011?
 
Schumann: Ganz klar der Aufstieg mit meiner Mannschaft – jedenfalls im ganz persönlichen Bereich. Aber natürlich auch der Erfolg im Frühjahr der deutschen Damen – der Aufstieg der Fed-Cup-Mannschaft und nur eine Woche später der Sieg von Julia Görges beim Porsche Gand Prix. Für mich war das der Startschuss für die neue Aufmerksamkeit, die das deutsche Tennis im Jahr 2011 erfahren hat. Dass drei der Fed-Cup Spielerinnen – Julia Görges, Anna-Lena Grönefeld und Sabine Lisicki - ihre persönliche Saisonvorbereitung für das Jahr 2012 bei uns an der TennisBase Hannover starten, ist natürlich ein Highlight für mich und für den NTV. Es zeigt, dass wir uns mit unserem Angebot und unseren Zielsetzungen auf dem richtigen Weg befinden.

 
2. Wie sehen Sie die Entwicklung des deutschen Tennis allgemein?
 
Schumann: Mit der Installation einer neuen Führungsmannschaft erhoffe ich mir klare Formulierungen der Zielsetzungen in den Bereichen Sport, Finanzen und Marketing sowie für die dafür notwendigen Strukturveränderungen. Die Talsohle, was den Mitgliederrückgang betrifft, ist zudem ganz klar durchschritten. Insbesondere im Jugendbereich verzeichnen wir in Niedersachsen wieder einen positiven Trend.

 
3. Was könnte Ihrer Meinung nach verbessert werden, um das deutsche Tennis zu stärken?
 
Schumann: Zentrale Steuerung der drei Bundesstützpunkte Hannover, Oberhaching und Stuttgart unter Steuerung des DTB und natürlich mit Einbindung der Leistungszentren der Landesverbände.

 
4. Von welchem Spieler erwarten bzw. erhoffen Sie sich 2012 das Meiste - deutscher Spieler/internationale Spieler?
 
Schumann: Natürlich wünsche ich mir insbesondere für die Spieler des NTV sowie an der TennisBase Hannover gute Ergebnisse. Gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung von Stefan Seifert, der nach seinem Comeback nun plötzlich das Qualifikationsturnier der Australian Open anstrebt. Ein ganz interessanter und talentierter Spieler ist Alexander Mayer, der 15-Jährige hat sich fantastisch entwickelt und gehört in seinem Alter zur absoluten deutschen Spitze.

 
5. Von welcher Spielerin erwarten bzw. erhoffen Sie sich 2012 das Meiste - deutsche Spielerin/internationale Spielerin?
 
Schumann: Ich hoffe auf die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Nachwuchsspielerinnen an der TennisBase Hannover – und das sowohl im sportlichen, schulischen und persönlichen Bereich. Das duale System, die zweigleisige Ausbildung von jungen Athleten im sportlichen und schulischen Bereich ist die Hauptaufgabe, die wir uns gestellt haben. International können wir ganz klar auf die Spielerinnen des Fed-Cup Teams setzen. Mich beeindruckt im Moment besonders Anna-Lena Grönefeld, die erkannt hat, dass ihre Zeit im Einzel vorbei ist und sich nun voll und ganz auf das Doppel konzentriert. Aber auch hinter dem Spitzenquartett gibt es eine Reihe von Spielerinnen, die im Moment auf dem Sprung sind und sich international mehr und mehr etablieren.

 
6. Braucht Tennis Regeländerungen, um noch attraktiver zu werden?
 
Schumann: Generell sollte der Charakter des Tennisspiels in seiner traditionellen Form beibehalten werden. Das schließt aber nicht aus, dass für die Gewinnung von Kindern, Jugendlichen und Quereinsteigern Aktionen wie Play & Stay absolut hilfreich und zeitgemäß sind. Andere Neurungen brauchen auch Zeit, um, die nötige Akzeptanz zu finden: Der Match-Tiebreak wurde gegen internationale Widerstände eingeführt und hat sich inzwischen etabliert.

 
7. Wie könnte der Tennissport seine mediale Präsenz steigern? Woher beziehen Sie Informationen zum Tennissport?
 
Schumann: Absolute Topspieler mit konstant guten Ergebnissen helfen, das haben wir am Beispiel unserer jungen Damen gesehen. Sie haben es auch verdient, dass die Medien auf sie aufmerksam werden – und das sowohl mit ihren sportlichen Ergebnissen, als auch mit dem Auftreten. Meine Infos beziehe ich aus dem Internet und allen anderen gängigen Medien. Ich bekomme viele Informationen gebündelt von der Pressesprecherin des NTV sowie vom DTB-Pressesprecher zugesandt.

 
8. Was kann das deutsche Fed-Cup-Team 2012 erreichen?
 
Schumann: Bei dem derzeitigen Leistungsniveau und bei stabiler Gesundheit ist es durchaus möglich, dass die deutsche Mannschaft um den Titel mitspielt

 
9. Was kann das deutsche Davis-Cup-Team 2012 erreichen?
 
Schumann: Klassenerhalt in der Weltgruppe, der Erstrundengegner Argentinien ist natürlich ein extrem schweres Los. Aber wenn die Mannschaft geschlossen auftritt, ist auch hier ein Sieg möglich. Wir wissen, dass unsere deutschen Athleten hervorragende Tennisspieler sind, die auf Weltniveau mithalten.

 
10. Haben Sie einen Wunsch für den Turnierkalender - in Deutschland und/oder international?
 
Schumann: Grundsätzlich haben wir attraktive Turniere. Ich wünsche mir den Ausbau und die Stärkung des Rothenbaum-Turniers auf der jetzigen Basis. Für mich sind die Gerry Weber Open ein wichtiger Baustein in der deutschen Turnierlandschaft. Die Planungen, ein Damenturnier zu integrieren, halte ich für sehr positiv. Generell wünsche ich mir den weiteren Ausbau der ITF-Turnierserie in Norddeutschland, um den Spielerinnen und Spielern aus dem Norden auch hier ein attraktives Angebot machen zu können.

 
Die Fragen stellten Harald Buchheister und Christian Albrecht Barschel

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