Barbara Rittner im Interview 
Teil 2: "Werde nie eine 
Jasagerin werden" 



Man hat Andrea Petkovic kürzlich bei einem Auftritt in der Sendung "Menschen 2011" gesehen, danach wollte sie noch eine Sportsendung moderieren, musste aber erkrankt absagen. Haben Sie die Befürchtung, die ein oder andere der Vier macht etwas zuviel?

 

Das kann ich nicht beurteilen, das lässt sich im Prinzip auch erst am Ende des Jahres sagen, ob es zuviel war. Bei Andrea wissen wir alle und das rate ich ihr auch immer, dass sie sich bei Pressegesprächen ein bisschen kürzer halten soll. Das fällt ihr schwer, sie macht es ja auch super, aber es zieht einfach auch unheimlich viel Energie. Ich finde es auch richtig und wichtig, dass sie jetzt in der Offseason zu Sendungen wie "Menschen 2011" geht oder in anderthalb Wochen zur Wahl der Sportlerin des Jahres geht usw. Aber ich denke, sie hat inzwischen auch gelernt, nein zu sagen. Und noch lässt sie sich auch darin beraten, welche Medientermine ganz wichtig sind, und was man auch mal absagen kann. Das ist immer etwas schwierig, aber generell ist die öffentliche Aufmerksamkeit natürlich sehr positiv für das deutsche Tennis.

 

So positiv dieses Jahr natürlich gewesen ist, ein paar Momente hat es ja doch gegeben, die Ihnen zugesetzt haben. Wie sehen Sie rückblickend die Situation bei den US Open, als Andrea Petkovic mit einem Meniskusanriss weitergespielt hat?

 

Im Nachhinein kann sie sagen: 'Ätsch, ich habe alles richtig gemacht.' Sogar im Jahresrückblick bei "Menschen" wurde es positiv dargestellt, dass sie sich da durchgebissen hat. Ich selber hätte es anders gemacht und würde es heute auch anders machen. Das weiß sie auch, und das steht aber nicht zwischen uns. Ich habe immer gesagt, wenn nichts Schlimmeres passiert, sie gesund bleibt und sie Recht behält, dann hat sie alles richtig gemacht, und es ist okay. Ich kann dann nur beten, dass es weiter so geht.

 

Haben Sie sich über ihre Sturheit auch etwas geärgert?

 

Nein. Es ist ja klar, dass so eine intelligente Frau, die so im Leben steht, auch mal sagt, dass sie ihre eigene Entscheidung treffen will mit allen Konsequenzen. Das ist okay, ich stehe sowieso hinter ihr. Aber manchmal hat man eben auch Bedenken. Die kann ich intern dann äußern, aber was diejenige dann damit macht, bleibt ihr überlassen. Aber es ist meine Pflicht das loszuwerden und die werde ich auch weiter beibehalten. Ich werde nie, nur weil die Vier jetzt noch erfolgreicher werden und vielleicht auch einen Grand Slam gewinnen, meine Meinung nicht äußern oder eine Jasagerin werden. Das wissen die Mädels auch und das ist auch ein Grund, warum wir uns so schätzen.

 

Es ist in New York aber nie ganz klar geworden, ob ihre Knieverletzung tatsächlich so dramatisch war. War das Weiterspielen riskant?

 

Es hatte für mich sehr viel Risiko und sie kann ihr Knie auch jedes Mal küssen. Aber sie hat ihr Karriereaus riskiert, und ich bin nicht sicher, ob ihr das wirklich klar war. Ich würde ihr immer wieder abraten. Sie hat jetzt vier Wochen voll trainiert und keine Schmerzen. So lange es so gut geht, ist der Meniskus in Ordnung. Es ist wohl nur ein sehr kleiner Riss, aber ob das auf Dauer so bleibt, muss man abwarten.

 

Fällt es Ihnen manchmal schwer, die Grenze zu ziehen zwischen Ihrer Rolle als Teamchefin und der der besorgten Vertrauten, die Sie für die Vier ja sind?

 

Gerade wegen dieser Enge habe ich bei den US Open ja so gelitten. Aber ich kenne das ja noch von früher, manchmal will man sich als Spielerin einfach nichts sagen lassen. Das ist nun mal so.

 

Gibt es denn etwas, das Sie Julia Görges noch raten können? Was muss Sie verbessern, um auch in Richtung Top Ten zu kommen?

 

Ich glaube, man hat es in der Phase gesehen nach dem Sieg in Stuttgart mit dem Halbfinale in Madrid gleich hinterher, da kamen die French Open als kleiner Knackpunkt. Da hatte sie gegen Bartoli die Riesenchance, aber das Match verloren. Bartoli war dann im Halbfinale, das hätte in meinen Augen die Jule sein können. Von da an war diese Euphorie ein bisschen gebremst. Vom Spielerischen ist es überhaupt kein Thema, sie ist da auf einem sehr guten Weg. Sie hat konditionell noch mehr getan, noch mehr gearbeitet, um auch die kleineren Wehwehchen noch besser ausblenden zu können. Sie hat neue Leute in ihrem Team eingebunden. Und sie ist im Kopf robuster, also sprich ruhiger, geworden, was auch mit Erwachsenwerden zu tun hat. Wenn das dann alles so greift, sehe ich keinen Grund, warum die Jule nicht auch ganz nach vorne kommen sollte.

 

So gut wie das deutsche Damentennis dasteht, wären Sie ja auch in der Position, Forderungen an den DTB zu stellen. Wie sehen Sie das?

 

Ich merke schon, dass jetzt viele kommen und mir auf die Schulter klopfen oder mir sagen, dass sie hinter mir stehen. Ich bin aber auch lange genug dabei, um zu wissen, dass sich das ganz schnell drehen kann. Nehmen wir an, wir verlieren gegen Tschechien, dann kriegen wir ein blödes Los – vielleicht gegen China auswärts – ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber es kann alles passieren. Und dann sieht wieder alles anders aus. Es ist ständige Arbeit und es steht und fällt auch mit dem guten Draht zu den Mädels, insofern will ich da jetzt keine großen Forderungen stellen. Ich will mir nicht reinpfuschen lassen, wir haben eine homogene, funktionierende Truppe, und ich rate auch allen von außen, dass sie uns in Ruhe lassen und die Ruhe haben wir auch. Mehr Ansprüche will ich da gar nicht stellen.

 

Aufgezeichnet von Petra Philippsen; Foto: Jürgen Hasenkopf

 

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Barbara Rittner

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