Mayer und Petzschner im 
Interview: "Da klopft das 
Herz schon höher" 



Von Jörg Allmeroth

 

Der Davis Cup im ganz heimischen Revier, mit einem großen Gegner in Bamberg: Mit welchen Gefühlen gehen Sie gegen Argentinien auf den Centre Court?
 
Philipp Petzschner: Es ist ein einmaliger Moment. Florian und ich sind eine halbe Autostunde von hier, in Bayreuth, geboren. Das wird garantiert ein Riesending hier. Bamberg ist ja ein vertrauter Ort für uns. Da klopft das Herz schon höher.
 
Florian Mayer: Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde: Das ist ein normales Spiel. Nein, das ist schon etwas Besonderes.
 
Sie gondeln das ganze Jahr durch die Tenniswelt, durch Zeitzonen und über alle Kontinente. Was bedeutet Ihnen Bayern noch, was ist an Ihnen bayerisch?
 
Mayer: Es ist ein herrliches Fleckchen Erde. Die Berge, die Seen, dieses Lebensgefühl. Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben.
 
Petzschner: Was gibt es schöneres als in Bayern zu leben? Bayern ist mein emotionales Zuhause. Wenn ich nach Bayern komme, ist es eine Rückkehr zu den Wurzeln. Ich versuche schon die ganze Zeit, meine Frau zu überreden, nach Bayern zu ziehen, aber so ein kölsches Mädel in den Süden zu bewegen, das ist eine harte Herausforderung. Ich arbeite daran.
 
Und unterwegs im Wanderzirkus: Befällt einen da mal die Lust auf einen Schweinsbraten, auf ein Backhendl?
 
Petzschner: Oh ja. Als ich das letzte Mal in Las Vegas war, meine Frau war auch dabei, da sind wir erst mal schnell ins bayrische Brauhaus reingestürmt. Ich kann auch den Laden in Bangkok empfehlen. Die haben da ´ne richtig gute Schweinshaxe.
 
Mayer: Wär´ jetzt nix für mich. Wenn, dann ein schönes Hendl. Und das kriegst du in diesen bayrischen Wirtshäusern ganz vorzüglich, ob in Schanghai oder in Südafrika.
 
Herr Petzschner, Sie haben mal gesagt, an Bayern schätzten Sie auch diese Gemütlichkeit – eine Vokabel, eine Zustandsbeschreibung, die es ja sowieso nur im Deutschen gibt.
 
Petzschner: Wenn du hier lebst, ist es eindeutig ruhiger. Selbst in München. Köln ist da viel hektischer, nervöser. Es ist alles eine Spur entspannter in Bayern. Einfach gediegen.
 
Ist das jetzt nicht aus der Klischeekiste?
 
Petzschner: Nein, das trifft´s schon. Vielleicht ist es das gute Wetter, die herrliche Landschaft, die Luft. Das wirkt besänftigend. Der Takt in Bayern ist schon ein anderer.
 
Sie kennen sich alle seit frühesten Kindheitstagen in Bayern, sind gemeinsam ins Profitennis aufgestiegen und bilden nun zentral das Davis Cup-Team.
 
Petzschner: Wir reden eigentlich pausenlos darüber. Wie verrückt das ist, dass wir schon als 12-Jährige zu Deutschen Jugendmeisterschaften reisten und Schafskopf um drei Pfennig spielten – und dass wir nun alle bei den Grand Slams und eben auch im Davis Cup am Start sind. Das ist schon eine Rarität im Welttennis, diese enge Bindung der Spieler.
 
Und die auf Ihre älteren Tage im Tennis noch einmal ein großes, gemeinsames Ziel haben?
 
Petzschner: Na klar. Viele Möglichkeiten gibt´s nicht mehr für uns im Davis Cup. Es wäre schon einmalig, in dieser Konstellation wirklich um den Pott mitkämpfen zu können. Mit den Jungs, die du schon ein Leben lang kennst.
 
Mayer: Da reibst du dir wirklich die Augen. Wir sind diesen ganzen Weg von Kindesbeinen an zusammen gegangen – und jetzt sind wir das Team Deutschland, zusammen mit Tommy Haas. Und der ist ja auch ein bisschen ein Bayer.
 
Sie trainieren seit der Winterpause wieder alle gemeinsam in der TennisBase des Bayrischen Landesverbandes. Wie wirkt sich das auf das Mannschaftsklima aus?
 
Mayer: Erst mal befügelt diese Trainingsarbeit, stachelt jeden zu noch besseren Leistungen an. Der Konkurrenzkampf ist sauber, ehrlich, respektvoll. Ich denke, dass wir uns da in den Spuren der deutschen Damen bewegen, die haben´s uns vorgemacht, was ein verschworenes Kollektiv so alles bewirken kann.
 
Andrea Petkovic hat gesagt, das Wörtchen Neid kenne sie in Zusammenhang mit ihren Teamkolleginnen nicht.
 
Mayer: Neidgefühle hat keiner von uns. Ich schaue halt, was die anderen gutmachen und nehme was für mich mit. Die Stärke anderer motiviert mich zu besserer Arbeit.
 
Petzschner: Sehe ich genau so. Neid ist da wirklich ein Fremdwort. Als Profi hast du immer einen Ur-Respekt vor jemandem, der gute Arbeit leistet. Flo hat mich in der Vorbereitung auf die Saison manchmal richtig weggeputzt, da kriegte ich nur ein Spiel pro Trainingssatz. Ich hab´ mich geärgert, aber gedacht: Da musst du unbedingt wieder näher ran. Und dann hab´ich auch gedacht: Schön, dass wir so einen starken Mann im Davis Cup-Team haben.
 
Herr Mayer, Sie sind ja gerade die Nummer 1. Spüren Sie, mal abseits vom Davis Cup, den Atem der nationalen Verfolger?
 
Mayer: Es ist schon eine Prestigeangelegenheit, diese Spitzenposition, keine Frage. Aber solange jeder für sich das Optimum rausholt, hat auch keiner ein Problem damit, wenn er überholt wird. Dann waren Kohli oder Petzsche oder wer immer eben besser.
 
Wieviel Luft nach oben ist denn noch – eben auch im Davis Cup?
 
Mayer: Wir müssen mal einen dieser großen Gegner wegputzen, so wie Argentinien jetzt. Und dann den frühen Schwung mitnehmen für eine ganze Saison. Das täte jedem von uns gut - und auch dem deutschen Herrentennis, das ein bisschen in den Schatten geraten ist.
 
Petzschner: Um richtig Aufmerksamkeit zu erzeugen, musst du wohl schon in ein Davis-Cup-Finale kommen. Am besten dann noch daheim, vor eigenem Publikum. Unmöglich ist das nicht. (Foto: Jürgen Hasenkopf)

 

 

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