Das größte Match aller Zeiten? Eines davon bestimmt. Das längste Finale eines Grand Slams bis dato auch, aber… war es wirklich das größte Match aller Zeiten für mich persönlich? Eine Frage, die mich nun um 14 Uhr Ortszeit an einem wieder recht schwülen Montag „Morgen“ beschäftigt – sie bereitet wohl Kopfzerbrechen, die Kopfschmerzen aber haben sicherlich andere Ursachen. ES ist bestimmt eine geringe Dosis im Vergleich zu jenen Qualen, die die beiden Modellathleten einander knapp sechs Stunden lang zugefügt und dies dann noch – es lebe der Masochismus ;-) – als gewisses Vergnügen bezeichnet haben. Schmerzerträglichkeit ist ja bekanntlich individuell verschieden, und ich möchte nun gern wissen, wie sich die Körper der Herren „Nole“
und „Rafa“
nun tatsächlich anfühlen beim Aufstehen, falls die beiden es schon hinter sich gebracht haben sollten…
Auch während des so einzigartigen Finales gehen mir ganz seltsame Gedanken durch das mit Fortdauer des Spiels immer Ärger schmerzende Haupte – hätte ich vielleicht nicht unbedingt Mittags bei 33 Grad und gleißendem Sonnenlichte der gelben Frucht hinterher hecheln und dabei ein Drittel der Zeit des nun als Rekord notierenden längsten Grand-Slam-Endspiels ever zubringen sollen – und wenn schon, dann zumindest mit Kapperl? (No go, weil BJÖRN himself ja auch immer nur mit Stirnband agiert hat!) Warum hatte ich früher niemals so arg Schädelweh? Beispielsweise nicht einmal 2003 hier an diesem Orte, als es mir an Mister Jichel Raningers Seite beschieden war, den persönlichen Journalisten-Grand-Slam mit dem legendären Sieg des Presse-Turnieres errungen zu haben. Oder hatte ich sie eh und hab’s einfach nur vergessen?
Und bleibt einem tatsächlich – völlig konträr zum österreichischen Granteln – doch retrospektiv hauptsächlich Gutes und Schönes in Erinnerung? Schön und gut, aber was war denn nun die beste Partie, die ich je miterleben konnte? Super ohne Zweifel im bereits erwähnten Jahre ’03 hier das Aufeinandertreffen von Roddick
und El Aynaoui, schon damals schien es schwierig, treffende Superlative für das Geschehen zu formulieren – Hoooooaaaassstiiiiii Skoff gegen Mats Wilander im Radstadion, auch kein Bröserl, oder Tom sticht Stich in Unterpremstätten ebenfalls im Davis Cup aus? Oder doch am Wahrscheinlichsten: Wimbledon-Finale 1980 Borg – McEnroe???
So quält mich also eine Frage, angesichts derer recht klar ist, sie wohl niemals beantworten zu können. Ich denke mir mitunter weiters: Immer wieder der unnötige Slice, dadurch überlässt „Rafa“ stets „Nole“ Tempo und Initiative, manchmal geht’s ja auf, indem der Serbe verschlägt, aber meistens kriegt Rafa die Bälle um die Ohren. Das Niveau überzeugt mich nicht, dieses Match unter die legendärsten aller Zeiten zu Reihen, wohl aber die Intensität und die von beiden Akteuren anschaulichst dargebotene Eigenschaft, niemals, never ever, auch nur ans Aufgeben zu denken! Heast, i schwitz wie ein Schw… – mir rinnt im Sitzen der Dreck runter, und die rennen und rackern und fighten und schlagen und, und, und… da unten wie die Irren.
Je mehr ich geneigt bin, Rafa nun mit besseren Karten zu wähnen, desto eher schüttelt „Nole“ unfassbare Trümpfe aus dem Ärmel. Und dann vermeintlich: Jetzt ist es gelaufen, den schiebt jeder von uns, bei 4:2 im fünften zum 40/15 am Gegner vorbei. „Rafa“ an „Nole“ nicht… Das ist nicht möglich – oder tröstlich, dass ihm das auch mal passiert? Und dann eh klar: „Rafa“ rennt weiter, ist aber viel zu passiv, „Nole“ kann sich ruhig aufstellen und wie gewünscht drauf los dreschen, Cross-Cross, dann den Winner die Linie entlang – und dann bleibt nichts anderes übrig, als Nadal und dessen Fan (@nadalfan-Kommentar zur Story) ebenso fair beizupflichten. Djokovic war einmal mehr der Bessere.
Wie sich das anfühlt, da drinnen zu sitzen im Hexenkessel eines solch unvergleichlichen Szenarios – einer von 15.000 begeisterten, dem Staunen nicht entsagen zu könnenden Zuschauern zu sein? Mein Bemühen dies und vieles andere soeben hautnah Verspürte zum Ausdruck zu bringen, wird angesichts solch epochaler Erlebnisse wohl stets eher zum Scheitern verurteilt bleiben. Wenn „Vika“ Azarenka
überwältigt meint, sie möchte nur weinen, ist mir dieser Ansatz durchaus verständlich. Weinen vor Glück, wenn’s eigentlich ein Pech, dass dem Berichterstatter die Worte fehlen… So nahm ich’s heute frühmorgens auf Ö3 mit Humor: „Es ist wohl nicht die beste Voraussetzung, wenn ein Reporter im Radio sprachlos ist, ich habe in drei Jahrzehnten noch nichts Vergleichbares gesehen…“. Darauf folgend dann der Versuch, aus dem ansatzweise das Bemühen hervorgeht, dennoch stets mein Bestes zu geben.
Und mit meinem besten Moment dieser Australian Open beschließe ich meine Ausführungen:
Hmmhhh, surprisingly not always screaming.
Veni, Vidi, Vika…
Aber das Leiden geht indessen weiter, entsetzliche Hitze, härteste Bedingungen, die es „Down under“ noch ein paar Tage zu ertragen gilt – der Nordmann nimmt’s cool und verbleibt mit dem Welthit: „Oh, NOLE mio, da-di-da-da…“ vor sich hin trällernd in Vorfreude auf den Davis Cup. Cu soon – on Court,
Yours, Andi
KarliKreuzer
manuel.wachta
Fearsome Force
gentleman
djokovic gegen rafa ist - seit nole in dieser form agiert - wahnsinnig interessant zum ansehen, weil es mich irgendwie an federer vs nadal erinnert. meistens recht eng, aber wenns drauf ankommt weiß der eine (gegen federer ist es nadal, gegen nadal ist es dann djokovic) immer genau was zu tun ist um dem gegner weh zu tun. aber nadal ist schon ein warrior dass er es überhaupt in den 5. geschafft hat, chapeau an beide!