Alexander Peya

Eine fast perfekte 
Woche und das 
bittere Nachspiel 
in Rotterdam 

Ich darf euch zu meinem ersten Blog auf tennisnet.com begrüßen. Mein Doppelpartner und Kumpel Oliver Marach und ich werden ab sofort regelmäßig für euch von der Tour berichten. Ich freue mich sehr darauf, ich finde es interessant, mal ein bisschen was aus dem Alltag zu erzählen. Nur Matchberichte werdet ihr hier also künftig nicht finden! ;)

 

Es ist natürlich ein Ziel für uns, den Stellenwert des Doppels damit zugleich zu heben. Wir verdienen nicht nur unser tägliches Brot damit, ich glaube, es ist in Österreich doch deutlich unterrepräsentiert, dafür dass wir drei Spieler unter den besten 25 und sechs unter den Top 150 haben. Man merkt auch bei den internationalen Turnieren, dass man als Doppelspezialist eben nur die zweite Geige spielt. Das ist schon auch verständlich, das Einzel ist einfach die Königsdisziplin, aber das Doppel ließe sich viel besser vermarkten. Es ist eigentlich extrem interessant, auch die meisten Hobbyspieler spielen ja Doppel. Wir hoffen, dass wir es mit unserem Blog vielleicht doch auch einigen ein bisschen näherbringen können.

 

Der Davis Cup gegen Russland liegt jetzt schon vier Tage zurück, ist aber immer noch das Gesprächsthema Nummer eins. Es hat nur Positives gegeben – bis auf den kleinen Dämpfer für uns persönlich am Samstag. Sonst war’s eine perfekte Woche von Anfang bis Ende. Es ist auch jedes Mal die stressigste Woche im ganzen Jahr, alles ist komplett durchgeplant und es bleibt dazwischen kaum mal Zeit für einen selbst. Man spürt stark die Anspannung, hat dazu noch viele, viele Interviews zu geben – was nach so einem Match wie am Samstag manchmal natürlich nicht so einfach ist. Aber in Summe stört das alles nicht, das ist ein Teil des Ganzen und positiver Stress, das gehört eben dazu.

 

Man muss auch sagen, dass Clemens Trimmel das alles wirklich sensationell gemacht hat, er hat es die ganze Woche über geschafft, den Teamspirit noch weiter zu fördern. Der steckt bei uns allen auch in unserem Naturell, das hat man am Wochenende gesehen. Das ist auch der große Unterschied zu den Russen gewesen. Ich denke, man sieht, dass Clemens die richtige Wahl für diesen Job ist, obwohl es am Anfang oft geheißen hat, „er ist zu jung und hat zu wenig Erfahrung“ – das spielt in dem Fall keine Rolle, das hat man auch nach außen hin gemerkt. Es ist unglaublich, dass wir nach 17 Jahren mal wieder in einem Weltgruppen-Viertelfinale sind. Das war schon ein ganz besonderer Moment, als Jürgen den entscheidenden Punkt gemacht hat.

 

Die meisten Leute sind noch nicht so lange im Team, nur Jürgen, Julian und ich schon etliche Jahre – ich war oft dabei, aber nicht immer. Wir waren stets eine Fahrstuhl-Mannschaft, auf und ab. Schön, dass wir den Ruf erst mal abgelegt haben. Früher hat’s immer geheißen, „nur wenn’s optimal läuft, können wir gewinnen“, und gehofft haben wir’s immer. Meist sind wir dann schon Freitag mit hängenden Köpfen dagesessen. Jetzt haben wir es endlich mal geschafft! Oliver und ich haben mit dem Sieg im Herbst gegen Belgien sicher unseren Anteil, dass wir überhaupt in der Weltgruppe sind, aber wir hätten gern auch diesmal was beigetragen, für uns persönlich war der Samstag sehr enttäuschend. Der Vorteil an so einer Woche, in der man eben als Team auftritt, ist allerdings, dass einen die anderen auch mal herausreißen können – und das ist zum Glück passiert. Das lässt mich das alles doch deutlich entspannter sehen! ;)

 

Zu viel Zeit zum Nachdenken ist eh nicht geblieben, es geht ja weiter. Einen Tag danach ist es für Oliver und mich schon zum nächsten Turnier nach Rotterdam gegangen. Wir sind ja leider heuer noch nicht so viel unterwegs gewesen wie geplant, aber haben uns in dieser Zeit schnell aneinander gewöhnt, wir kennen uns ja schon lange. Zwischen uns gibt’s gar keine Probleme. Wir haben zwar recht wenige Gemeinsamkeiten, ich bin zum Beispiel Fußball-Fan, er nicht, ich hab auch in meiner vorigen Doppel-Partnerschaft mit Christopher Kas sehr viel darüber geredet. Bei den Sportarten sind wir uns nicht ganz einig! ;) Aber das macht nichts, es gibt ja genug andere Themen. Sportlich ist es für uns in den Niederlanden leider ganz und gar nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Oli hat Dienstag gleich nach dem Aufstehen bereits Schmerzen im Rücken gehabt – und das erste Training in der Früh hat er nach fünf Minuten abbrechen müssen. Uns war bewusst, dass wir so nicht konkurrenzfähig sein werden.

 

Wir haben es Mittwoch trotzdem probiert und uns reingestellt. Die Chance war groß, dass wir das Spiel vorzeitig beenden, aber wir haben im zweiten Satz überraschend ein Break gemacht, am Ende aber eh verloren, da war so auch einfach nichts zu machen. Wie ihr wohl schon auf tennisnet.com gelesen habt, fällt Oli jetzt mit einem Bandscheibeneinriss mindestens zweieinhalb Wochen aus. Die Flinte wird deshalb zwar nicht gleich ins Korn geworfen, aber die Situation ist sehr bitter, das haben wir uns klar anders vorgestellt. Es läuft bisher mehr als bescheiden, vor allem da wir kaum Zeit bekommen, um miteinander zu arbeiten. Genau das sollte ja eigentlich unser Vorteil gegenüber vielen anderen Teams sein, die diese Möglichkeit nicht haben. Leider sind die Ergebnisse bislang nicht da, und unsere Weiterentwicklung als Team stockt.

 

Oli ist schon den ganzen Dezember ausgefallen, in Brisbane haben wir erstmals miteinander trainiert, gleich in der ersten Runde verloren, Auckland gewonnen, dann die unnötige Niederlage in Melbourne. Für Zagreb ist Oli wieder ausgefallen, darum hab ich dort mit Jürgen gespielt. Jetzt wird’s also bis Indian Wells mal sicher nichts. Acapulco in der übernächsten Woche ist schon mal gestrichen, das Turnier war aber auch eher auf Oli zugeschnitten, dort hat er immer stark gespielt. Ich werde mich bis März auf jeden Fall nach einer Alternative umsehen müssen und noch das eine oder andere Turnier einschieben – um hoffentlich dann in Indian Wells mit Oli in guter Form an den Start gehen zu können.

 

Euer Alex

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Kommentare
Kommentare (2)
18.02.2012 20:11:28
nadalfan
Wird der Oli zum Glasspieler? Es tut doch weh, dass unser österreichisches Traumdoppel einmal was gewinnt und dann nix mehr kommt...
19.02.2012 10:08:14
Poelli
mein gott, der ist verletzt! wie soll er dann was gewinnen? wenn sie beide fit sind, kommen die erfolge sicher! seien wir froh, dass es ein rein-österreichisches spitzendoppel gibt mit chancen aufs masters!