Martin Fischer

Urlaub mit Wellness, ATP-University 
und Manchester United 

Ich melde mich aus Vorarlberg aus meinem Urlaub. Nach der längsten, erfolgreichsten, aufregendsten und anstrengendsten Saison meiner bisherigen Karriere mache ich jetzt ein paar Tage lang einfach nur das, wozu ich gerade Lust habe und wozu ich unterm Jahr zu wenig komme: ausspannen, Freunde treffen, nichts tun.

Und dafür war es höchste Zeit. Alex Antonitsch hat's bei seinem TV-Kommentar richtig erkannt: In Salzburg war ich einfach schon leer, müde, ausgelaugt. Aber es war Teil der Abmachung rund um um meine Wild Card in Wien, dass ich in Salzburg spiele, also war es für mich selbstverständlich, dort hin zu fahren und mein Bestes zu versuchen. Und ganz abgesehen davon ist es gut und wichtig, dass es Turniere in Österreich gibt, da sollte man als Österreicher schon dabei sein.

Abgesehen davon kann's ja auch passieren, dass man ein, zwei Matches gewinnt und dann einen zweiten Wind kriegt, sich ins Turnier reinspielt. Aber dafür war das Auftaktlos alles andere als ideal: Es hätte in Salzburg leichtere Gegner als Alex Peya gegeben.

Ich möchte vielleicht versuchen, kurz zu erklären, wie sich diese Müdigkeit anfühlt, von der alle am Saisonende reden: Es ist natürlich nicht so, dass man körperlich müde ist im Sinn von schläfrig oder dass man k.o. ist wie unmittelbar nach einem langen Match. Es ist eher eine Müdigkeit, die vom Kopf ausgeht. Man hatte das ganze Jahr lang, bei mir waren's glaub ich 34 Turniere, mehr oder weniger immer denselben Tagesablauf, motivieren, vorbereiten, trainieren, Match spielen, aufs nächste Match, aufs nächste Turnier vorbereiten.

Während des Jahres war natürlich auch nie Zeit, alles zu verarbeiten, was emotional passiert, Abstand zu gewinnen ist unmöglich. Man hat dann irgendwann nicht mehr die Kraft, sich in der Partie so zu pushen, wie das nötig wäre. Man ist auch in der Partie nicht mehr so nervös wie noch zu Jahresbeginn, der Kick ist nicht mehr so da – es sind einfach alle Abläufe ein wenig rundgeschliffen vom langen Jahr, von der Routine der Abläufe.

Jetzt gibt’s also einmal ein paar Tage ohne Tennis, vielleicht ein paar Tage Wellness nächste Woche, das Telefon weglegen, ein bisschen lesen, maximal ein wenig laufen oder Krafttraining machen – ein paar Tage haben ganz andere Sachen Priorität als Tennis, und darauf freu ich mich jetzt schon, das muss ich zugeben.

Dann geht es für ein paar Tage zur ATP-University. Wenn man im Doppel Top 100 oder im Einzel Top 150 steht, ist man Member-1-Player und wird von der ATP nach London eingeladen, inklusive Flug, Unterkunft, alles. Was mich im Detail erwartet, weiß ich nicht, aber es geht angeblich um Organisatorisches, das geht vom Interviewtraining bis zu Vorträgen über die richtige Geldanlage. Zum Abschluss gehen wir am Sonntag zum Tour-Finale – vielleicht findet das ja mit österreichischer Beteiligung statt, wäre doppelt toll.

Nach dieser kurzen – aber umso spannenderen – Unterbrechung des Urlaubs geht’s zurück nach Hause, dann am 7. Dezember wieder rauf nach Manchester: Alex Antonitsch war so freundlich, mich als Anerkennung von tennisnet.com für meine Leistung beim Davis Cup zum Champions League-Match gegen Valencia einzuladen. Wenn man weiß, was für ein großer Fan von ManU ich bin, kann man erahnen, wie sehr ich mich darauf freue, erstmals live in Old Trafford dabei zu sein.

Am 8. Dezember endet dann schon mein Urlaub – und die Vorbereitung auf 2011 beginnt.

Bis bald,

Euer Martin Fischer
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Martin Fischer, geboren am 21. Juli 1986 in Dornbirn, wohnhaft in Wolfurt, ist einer der besten österreichischen Tennisspieler. Der Vorarlberger ist auch ein großer Fußball-Fan und unterstützt Manchester United. Zu seinen Leidenschaften zählen auch Motorräder, insbesondere solche von Aprilia.