„Schadhaftes Auslaufmodell“, „Top 100 müssen das Jahresziel sein“, „Wahrscheinlich super Vorbereitung gehabt… mit Iveta (Benesova, Anm.)“, „Petzschner/Karlovic/Berrer (gegen wen es eben gerade eine Niederlage gegeben hat, Anm.) im Interview nach dem Match: Das war das Spiel meines Lebens“: Nur einige der teils untergriffigen, vor allem aber sehr zynischen User-Kommentare auf tennisnet.com, mit denen sich Jürgen Melzer nach Niederlagen so befassen kann – und das waren ab der zweiten Saisonhälfte des Vorjahres für einen Spieler seiner Klasse eindeutig zu viele. Seit nunmehr rund einem Jahr hat sich ein gewisser Teil der Online-Community auf Melzer regelrecht eingeschossen, betreibt ein ganz übles Bashing. Zumeist im Bereich der freien Meinungsäußerung, und dennoch: Mir steht’s zum Hals raus! Und das schon lange…
Lassen wir mal die nackten Zahlen und Tatsachen sprechen:
- 6.987.110 US-Dollar Karriere-Preisgeld
- French-Open-Halbfinalist 2010
- 3 ATP-Titel im Einzel, darunter 2 Mal Heimsieg in der Wiener Stadthalle als einziger Österreicher neben Horst Skoff
- 12 ATP-Titel im Doppel, darunter der Wimbledon-Sieg 2010 und der US-Open-Sieg 2011 mit Philipp Petzschner
- 1 Mixed-Grand-Slam-Titel in Wimbledon 2011 mit Freundin Iveta Benesova
- In den letzten rund 20 Monaten Siege über die Top 3 im aktuellen ATP-Ranking: Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer
- Career High Platz 8 im Einzel
- Career High Platz 6 im Doppel
- Am 8. Juli 2002 erstmals in die Top 100 im Einzel vorgedrungen, seither nur in 5 ATP-Ranglisten (!!!) außerhalb der Top 100 gereiht gewesen
- Am 15. September 2003 erstmals in die Top 100 im Doppel vorgedrungen, seither nur in 5 ATP-Ranglisten (!!!) außerhalb der Top 100 gereiht gewesen
Und jetzt im Klartext: Wir reden hier von Österreichs – mit Abstand! – zweitbestem Spieler aller Zeiten. Einem Spieler, der unbestritten riesige Verdienste ums Tennis in Österreich hat. Einem Spieler, dank dem das Tennis in Österreich nicht noch schlechter dasteht, als es das nach Thomas Muster ohnehin tut. Einem Spieler, dank dem wir auf ORF Sport Plus immerhin schon öfter als in den letzten Jahren Tennis serviert bekommen. Durch die Fabelsaison 2010. Ja, es war ein Jahr, in dem alles gepasst hat bei Jürgen Melzer. Und auch wenn noch so viele von viel Glück reden: Es war ein Jahr, das vor allem das Produkt harter Arbeit war, so richtig harter Arbeit. Mit dem offenbar endlich richtigen Coach an seiner Seite, Joakim Nyström.
Bis Mai 2011 war alles wunderbar. Dann kam die in Rom erlittene Rückenverletzung. Es folgten Niederlagen, noch mehr Niederlagen. Unsicherheit. Kennen wir diese Phasen nicht alle als Tennisspieler, ob professionell oder auf Hobby-Ebene? Ich bin mir sicher, Melzer haben diese Niederlagen am meisten geärgert. Und er wird sein Bestes geben, im nächsten Match nicht wieder als Verlierer vom Platz zu gehen. Häme und Co. helfen dabei aber nicht weiter. Und vielleicht sollten wir allmählich beginnen, Melzer weder an seiner besten Phase zu messen, noch an seiner kürzlich eben schlechtesten – sondern dazwischen. Melzer bringt außer wiederkehrendem Verletzungspech alle Voraussetzungen mit, um noch das eine oder andere Jahr in der erweiterten Weltspitze zu verbringen und zurück in die Top 20 zu kommen. In einer Weltsportart. Mit Geduld. Mehr Geduld, als einige User haben oder haben wollen.
Ja, viel Spott und Kritik hat sich Melzer auch selbst zuzuschreiben. Er ist sicher nicht der charismatischste Spieler aller Zeiten. Und er gilt hierzulande auch nicht gerade als riesiger Sympathieträger, wenngleich oft von einer in der Öffentlichkeit aufgebauten Mauer (mit der ich auch schon Bekanntschaft machen durfte) die Rede ist, hinter der sich der nette Jürgen Melzer nur versteckt. Es ist auf jeden Fall aber kein Zufall, dass sich die Menschen immer noch mehr für den 44-jährigen Thomas Muster begeistern können, als an Österreichs klarer aktueller Nummer eins – die Zuseherzahlen etwa in der Stadthalle 2010 und 2011 lügen nicht. Und ungeachtet all dieser Tatsachen: Es geht hier immer noch um den zweitbesten Spieler Österreichs aller Zeiten. Und um einen Menschen. Einen, der sich diese tiefe Behandlung nicht verdient hat. Die beste Antwort kann Jürgen natürlich selber geben: Indem er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf rauszieht, vorzugsweise diese Woche als großer rot-weiß-roter Davis-Cup-Held. In diesem Sinne sage ich: Zeig’s uns allen, Jürgen!
Und wenn er es nicht tut und verlieren sollte? Dann reden wir immer noch vom zweitbesten Spieler Österreichs aller Zeiten. Und von einem Menschen.
Rainbow311
@admirato+bastiger
Ich habs hier schon mal geschrieben, das ist keine typische österreichische Eigenschaft, man braucht dazu nur aus dem Tellerrand rausschaun das kann man in der Welt des Sports in vielen Ländern finden - jeder gute Fußballclub wird von den Fans und sogar teilweise Medien in allemöglichen Ländern bei einer Niederlagenserie verrissen und in Roger Federers Forum waren auch schon teilweise polemisch, hämische Kommentare zu lesen.
smuser
Zu deinem Post, lieber Manuel Wachta, fehlten mir nach dem ersten Durchlesen die Worte - ich war förmlich sprachlos - und das bin ich eher selten.
Ich bin mir momentan nicht im Klaren, was ihr auf tennisnet.com wollt - erkläre es mir bei Zeiten mal. Du hast dich anscheinend auf einen Großteil der User hier eingeschossen, die, und das gebe ich offen zu, nicht immer zimperlich mit unserem Jojo umgehen. Aber was sollen bitte deine Aussagen jetzt? Dir hängt´s zum Hals raus? Dieses ganze Userpack? Sind dies alles schmierige Typen in deinen Augen, die nur provozieren wollen?
Ich sag dir mal was: betrachte die ganze "Jojo-Kampagne", die es ja in deinen Augen zu sein scheint, von einer anderen Seite - Perspektivenwechsel: außer zu Berichten von JM gibt es in so gut wie keinem anderen Beitrag Kommentare von User. Was sagt uns das? Mir jedenfalls, dass alle an Tennis von JM interessiert sind, sich einfach Siege wünschen - erwarten - und stets hoffen, dass er an Leistungen von 2010 ein Stück weit anschließen kann. Dass hier auch stets kritische, wie auch zynische oder auch nachdenkliche Äußerungen getätigt werden, ist doch völlig normal - und auch gut so!
Wenn du, oder die tennisnet.com-Redaktion, dies nicht wollt, stattdessen lieber Kuschelbeiträge bevorzugt, dann sprich es klar und deutlich aus! Anschließend kann jeder für sich selbst entscheiden, wie und ob er mit diesem Forum weiter verfahren möchte.
In diesem Sinne, Glück auf unserem Davis-Cup-Team.
Avigator
Außerdem sind die, die immer zynische Beiträge zu Melzer schreiben nicht die einzigen, die diese Seite nutzen.
Es gibt eine schweigende Mehrheit in diesem Forum, die dieses Geschreibsel nicht mehr ertragen kann und deshalb nur mehr die Artikel liest, die meist relativ gut sind.
Nur die, die sich gemeinsamen am Runtermachen einer Person ergözen
Avigator
Außerdem sind die, die immer zynische Beiträge zu Melzer schreiben nicht die einzigen, die diese Seite nutzen.
Es gibt eine schweigende Mehrheit in diesem Forum, die dieses Geschreibsel nicht mehr ertragen kann und deshalb nur mehr die Artikel liest, die meist relativ gut sind.
Es sind Großteils die, die sich gemeinsamen am Runtermachen einer Person ergötzen, die unter alles was Melzer angeht etwas schreiben müssen.
Damit will ich nicht alle Schreiberlinge in einen Topf werfen, aber zumindest die Hälfte erfüllt meiner Meinung nach dieses Kriterium.
Andreas89
1. Gegen kritische Beiträge hat hier, bin ich mir ziemlich sicher, niemand etwas. Solange sie angebracht sind. Aber was Fearsome Force, Hulk Hogan und Kumpanen hier seit letztem Jahr aufgeführt haben, hat doch absolut nix mehr mit "kritik" zu tun- das war und ist reines, wirklich REINES, Bashing- mehr nicht. Und ja, NATÜRLICH wollen sie damit nur provozieren, was denn sonst? Man kann kritisieren- aber dann auch in der richtigen art und weise.
2.auch zynische beiträge können lustig und angebracht sein, aber nicht wenn JEDER beitrag bestimmter user dieses merkmal aufweist und nur zum "vero r schen" dient.
3. und nachdenklich sind deren beiträge auch überhaupt nicht...sie machen einen selbst höchstens nachdenklich darüber, wie tief andere Leute sinken müssen, um, versteckt in der Anonymität des Internets, sich eine Genugtuung zu holen, indem man ua die Ö-Nr.1 im tennis sinnlos basht.
--> Also hör doch auf mit dem Schmäh,
1.solche Bashing-Beiträge als "kritisch" zu verhüllen- (=einfach lächerlich) und
2. wenn endlich mal (bzw wieder mal, Der schwede hats ja auch vor gar nicht allzu langer zeit gemacht)ein Journalist vollkommen ZU RECHT diese Wahrheit offenbart (die du anscheinend nicht einsehen willst/kannst), das gleich als Art zensur verstehst und daraus eine Kuschelbeitragsforderung ableiten willst. Das hat niemand getan.
Santana1928
Shotmaker
dann hör dir mal ein interview von melzer an und danach eines von raich, dann weißt du warum.
Avigator
Und wenn der Melzer halt nicht so extrovertiert ist wie andere Sportler muss man das einfach respektieren.
Es geht nur darum, dass er sein bestes für Österreich gibt und da er immer DC spielt egal wie er von manchen dafür niedergemacht wird ist das für mich bewundernswert.
smichi
wenn ein benni raich in einer randsportart 7. wird jubeln alle, aber wenn ein melzer in einer weltsportart die nummer 30 ist nörgeln alle und meinen er soll den schläger an den nagel hängen...
oidafux
... und jetzt - hauts de russen rein! freu mich schon auf spannende spiele!
admiratio
Die genannten selbstherrlichen Kommentatoren haben diese Diskussionsplattform mit ihren typisch österreichischen Eigenschaften leider weit uninteressanter für mich gemacht. Meist lese ich nur noch die Artikel, denn beim Großteil der Kommentare kann man sich nur mehr auf den Kopf greifen.
roro
Endlich eine Stellungnahme von Seiten der Redaktion.War schon lange ueberfaellig!
bastiger
der verbale müll, den fearsome force hier seit langem von sich gibt, ist absolut unerträglich.
leider ist sein verhalten typisch für viele, wenn nicht die meisten, österreicher: wenns für unsere sportler (egal welche sportart) mal nicht so gut läuft, wird sofort auf sie eingeprügelt und ihre früheren (im fall von melzer weltklasse-) leistungen sind plötzlich vergessen.
Tennischief
Avigator
Vor einem halben bis dreiviertel Jahr hat das ganze ja mit Hulk Hogan und Fearsome Force angefangen, die zumeist wirklich tiefe Kommentare zu Melzer und seinen Leistungen abgaben und im Falle von Fearsome Force noch immer abgeben.
Anfangs war es ja noch erträglich, weil der Großteil der User noch immer hinter Melzer stand und deren Kommentare hier auf keinen fruchtbaren Boden fielen.
Mit der Zeit und mit Melzers andauernder Niederlagenserie haben leider immer mehr die Lager gewechselt und haben sich ebenfalls zu Kommentaren hingelassen, die in der beleidigenden Form, nicht gerecht gegenüber Melzer waren.
Es bewahrheitet sich wieder mal, dass man die echten Fans nicht sieht, wenn es eh super läuft, sondern erst, wenn es mal nicht so gut ausschaut und man ne längere Durststrecke in seiner Karriere zu überwinden hat.
Ich werde morgen (oder besser gesagt heute) auf jedenfall zum DC gehen und unsere Burschen anfeuern, ob sie gewinnen oder verlieren.
Was zählt ist das sie ihr bestes geben und Österreich würdig vertreten.
So seh ich das zumindest.