Ich hab Thomas Schoorel vorher nicht gekannt, aber natürlich reden die Leute über einen Jungen, der 2,02 Meter groß ist, Linkshänder, extrem schnell spielt und Satzbälle gegen den Roger hat. Ich hab mich beim Roger ein bissl erkundigt, er hat mich vor ihm gewarnt, hat mir vor allem geraten, ich soll mich nicht allzu weit hinter die Linie drängen lassen.
Leichter gesagt als getan. Angefangen hat's so, dass ich vier Meter hinter der Linie hin und hergerannt bin und bergauf gespielt hab. Da war ich einfach chancenlos, er hat mich überrumpelt, ich war gleich einmal zwei Breaks hinten. Es klingt vielleicht zu dem Zeitpunkt blöd, aber ich war von seinem Aufschlag gar nicht beeindruckt. Für diese Größe und als Lefty muss man besser servieren. Den ersten kann man, wenn er nicht die Linien trifft, schon retournieren, den zweiten kann man sogar attackieren.
Ich hab mich dann immer besser auf sein Spiel eingestellt, hab bei meinen Aufschlaggames mehr erste reinserviert, weil er auf die zweiten wirklich konsequent Dampf gemacht hat, und vor allem viel Schnitt und Tempo variiert. Das hat eigentlich perfekt funktioniert, ich hab sogar beide Rebreaks geschafft … aber dann muss man sagen, dass er das Tiebreak besser gespielt und verdient gewonnen hat.
Satz zwei war ich gefühlt der bessere Spieler. Ich hab mir die Statistik nicht angeschaut, aber irgendwie hab ich bei seinen Aufschlagspielen immer hingeschnuppert, er hat bei meinen gar keine Chance gehabt. Keine Breaks, das Tiebreak von mir war dann sehr gut – Satzgleichstand.
Den dritten Satz haben wir dann gleich im ersten Game entschieden – leider. Ich serviere, hab ein 40:0, aber er spielt ein paar gute Bälle, ich servier einen Doppelfehler, Break. Das darf halt nicht passieren, dieses eine Game hat mich das Match gekostet, nachher hat er die Sache wirklich solide nach Hause gespielt.
Überraschend ist, wie gut er sich bewegt, für diese Größe ist er wahnsinnig wendig und schnell. Mir fällt auf der Tour keiner ein, der sich mit dieser Größe so gut bewegt. Die Grundschläge sind gut, schnell von beiden Seiten, von der Rückhand mehr Fehler, die Vorhand seine beste Waffe, mit der lässt man ihn besser nicht spielen.
Quali-Finale spielt Schoorel gegen Dimitrov, das sind für Insider wahrscheinlich die zwei interessantesten Spieler in der Quali, auf die beiden kann man in den nächsten Jahren gespannt sein. Ich glaube, dass sich Schoorel morgen schwer tun wird, weil Dimitrov jetzt immer solider wird, aber auch weil das heute eine ziemlich harte Partie für Schoorel war. Ob er die bis morgen wegsteckt, wird man sehen. Aber den Namen sollte man sich merken, der spielt schon jetzt sehr gefährlich. Wenn er den Aufschlag noch verbessert – und da ist wirklich noch viel Luft nach oben –, dann ist das einer, der viel Schaden anrichten kann.
Ich werde hier die nächsten Tage noch ein bissl relaxen, den Österreichern in den ersten Runden zuschauen und Daumen drücken, ein bisschen trainieren, ein bisschen Fitness machen – auch wenn ich heute körperlich gut beinander war, bin ich einfach nicht mehr so fit wie früher. Ich hab jetzt nach der langen Partie schon einen Muskelkater im Arm … da zirpt's hier und zwackt's dort. Aber es hat Spaß gemacht, hier zu spielen, ich genieße diese Turniere, ich stehe gern draußen auf dem Platz und fighte. Und eine Niederlage ist jetzt nicht mehr so eine Tragödie wie früher …
Ich freu mich jetzt auch schon wieder sehr auf zuhause. Ich merke immer deutlicher, wie sehr ich diesen Sport wirklich mag, wie sehr Tennis mein Leben ist, aber das Leben auf der Tour, das will ich nicht mehr. Meine Prioritäten haben sich einfach verschoben, ich hab mir ein Zuhause aufgebaut, und mir taugt das so auch.
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