Stefan Koubek

Matchball im ersten 
Satz verwertet 

Zunächst das Wichtigste: Was derzeit in Queensland passiert, ist einfach nur arg. Eine Katastrophe. Vor ein paar Tagen haben wir in Brisbane noch Tennis gespielt, jetzt steht die Stadt unter Wasser, werden Häuser aus ihrem Fundament geschwemmt, Autos durch die Stadt gespült. Wahnsinn, die Bilder, die man hier die ganze Zeit im Fernsehen sieht. Roger hat heute schon eine Idee für eine Charity gehabt … ich hoffe, das wird was. Es wäre wichtig, wenn wir Tennisspieler da auch ein Signal geben.

 

Wir hier in Melbourne kriegen sozusagen die Reste vom Wetter von Queensland ab. Deswegen hätte ich gestern auch ehrlich gesagt nicht geglaubt, dass ich heute überhaupt dran komme. Irgendwie hat das Wetter aber dann doch gehalten.

 

Am Anfang hab ich mir gedacht: Wäre vielleicht besser gewesen, es hätte geregnet. Den ersten Ball beim Einspielen – und ich übertreibe jetzt nicht – hab ich gespielt als hätte ich einen Baseballschläger in der Hand. Null Gefühl. Wenn ich die Augen zugemacht hätte, ich hätte nicht sagen können, ob der Ball in der Wurzel war oder fünf Meter überm Netz.

 

Auch der Start war nicht wirklich überzeugend: Ich war mit Break 4:3 hinten, Lapentti hat sogar Chancen aufs 5:3 gehabt. Ich hab dann zum Glück gerade noch rechtzeitig angefangen, seine Aufschläge zu retournieren, bei den wichtigen Punkten sogar die ersten. Rebreak auf 4:4, dann ein gutes Aufschlag-Game von mir und dann bei seinem Aufschlag ein Breakball, der zugleich Satzball war und im Nachhinein gesehen sogar Matchball. Ein Rückhand longline-Passierball aus dem Lauf, also einer, den man nicht jedes Mal treffen muss … ;)

 

Nach dem 6:4 war er ein bissl geknickt, nach dem ersten Break im zweiten Satz war er dann gebrochen. Ich hab dann sehr locker und gut gespielt, aber er hat's mir dann auch nicht mehr schwer gemacht.

 

Auf jeden Fall sehr schwer wird die nächste Aufgabe: Thomas Schoorel ist vielleicht noch nicht so der bekannte Name, aber er hat letzte Woche gegen Roger Satzbälle gehabt und ist mit zweimeterirgendwas und einem ziemlich mörderischen Lefty-Service einer der eher unangenehmeren Gegner, die man hier haben kann. Ein klassischer Big Hitter. Ich hab Roger auf jeden Fall schon ein SMS geschrieben und um ein paar Tipps gebeten. ;)

 

Ein Wort noch zu Melbourne allgemein: Ich fühle mich hier extrem wohl. Melbourne ist absolut meine Stadt. Die Leute sind supersympathisch und superentspannt. Ich hab hier seit zehn Jahren Freunde, mit denen verbring ich hier viel Zeit, am Wochenende war ich zum Barbecue eingeladen, wir gehen Abendsessen und alles. Das Witzigste: Diese Leute haben mit Tennis gar nichts am Hut, wir haben uns vor zehn Jahren zufällig getroffen und seither spielen sie jedes Jahr ein bisschen Gastgeber für mich hier.

 

Ein bisschen bin ich aber auch Gastgeber, wenn man's so sagen will. Günter hat mich gebeten, dass ich mich ein wenig um Wolfgang Thiem und seine Jungs kümmere: Dominic Thiem, Dennis Novak und ihren slowenischen Trainingskollegen Nik Razborsek. Ich mach das wirklich gerne. Ich hab ihnen einen guten Hoteldeal gecheckt, Trainingsplätze, alles. Irgendwie erinnert mich das an meine Anfänge auf der Tour, als ich immer superhappy war, wenn mir irgendein Tour-Dinosaurier mit seiner Erfahrung geholfen hat … und jetzt bin ich selber so ein Dinosaurier … aber es macht Spaß, den Jungs ein bisschen Starthilfe zu geben!

 

cu auf tennisnet.com

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