Fed-Cup-Kapitän Waber 
verspricht: "Werden uns 
für Österreich reinhauen" 



Wie geschmiert läuft es in Summe bisher für Österreichs Fed-Cup-Team. Nach dem 2:1 über Estland wurde am Freitag auch Bulgarien mit demselben Ergebnis geschlagen und damit der Sieg in der Gruppe A der Europa/Afrika-Zone I im israelischen Eilat fixiert. Kapitän Jürgen Waber zeigte sich im Interview mit tennisnet.com erneut hochzufrieden, freut sich mit seinem siegreichen Damen-Quartett Tamira Paszek, Patricia Mayr-Achleitner, Yvonne Meusburger und Sandra Klemenschits – und glaubt auch gegen Großbritannien an die Chance, ins Play-off um den Aufstieg in die Weltgruppe II (21./22. April) aufzusteigen. Einen Sieg konnte der 40-Jährige natürlich nicht versprechen, aber „wir werden alles geben“.

 

Jürgen, wann warst du das letzte Mal als Fed-Cup-Kapitän so glücklich wie heute?

 

(Lacht) Na ja, es ist mein dritter Antritt als Kapitän und der dritte Versuch, in die Weltgruppe II wiederaufzusteigen, insgesamt sogar der vierte. In Portugal sind wir 2010 auch schon knapp dran gewesen, da haben Sybille (Bammer, Anm.) und Patricia gute Leistungen gebracht. Aber natürlich bin ich sehr happy über die zwei Siege – morgen ist dann der große Showdown.

 

Mal ganz ehrlich: Hättest du vor dem Spiel geglaubt, dass wir Bulgarien schlagen und beide Siegpunkte dabei wieder so souverän holen?

 

Ich hab gewusst, dass es ein enges Match wird, aber auch, dass wir schon die Möglichkeit haben, das zu gewinnen, die haben wir gegen jede Mannschaft hier. Die Mädels halten auch einfach wirklich zusammen, sind ein super Team und motivieren sich gegenseitig. Sie stehen voll hintereinander, das macht eben sehr viel aus.

 

Man hebt als Kapitän nicht gern einzelne Spielerinnen hervor, aber verdient sich Mayr-Achleitner heute die Bezeichnung „Heldin des Tages“?

 

Sie hat auf jeden Fall zwei wichtige Punkte zum Sieg beigesteuert. Sie hatte einen wirklich hervorragenden Tag und hat das abgerufen, was man sich von ihr erhofft und ich mir von ihr auch erwarte. Wie ich schon nach Australien gesagt habe: Wenn sie ihr Potential abruft, ist sie eine sehr gefährliche und tolle Spielerin.

 

Du hast sie ja auch bei den Australian Open beobachtet, wo sie einmal mehr eine gute Auslosung bei einem Grand Slam nicht nützen hat können – und zweieinhalb Wochen später spielt sie hier so groß auf. Wie ist das zu erklären?

 

Ich denke, sie fühlt sich hier einfach wohl. Wir haben in Australien eine gute Beziehung zueinander aufbaut, dort miteinander sehr gut gearbeitet und das hier fortgeführt. Und auch mit ihrem eigenen Team ist in den letzten zwei, drei Wochen sehr viel passiert.

 

Warum kommt sie mit der Drucksituation im Fed Cup offensichtlich wesentlich besser zurecht? Ist sie einfach ein Teamplayer?

 

Ja, natürlich, das ist sie. Sie fühlt sich in der Mannschaft richtig wohl und gibt alles. Sie hat eine sehr gute Leistung geboten, aber auch Tamira hat wieder toll gekämpft. Das war eine klare Leistungssteigerung. Ich muss sie für ihren Einsatz echt loben, sie hat alles gegeben.

 

Unterm Strich hat Paszek trotzdem wieder verloren. Was für Schlüsse kann man aus dem heutigen Match ziehen? Was fehlt ihr derzeit?

 

Ein bisserl an Erfolgserlebnissen. Aber der zweite Satz war heute schon sehr gut, da hat sie kaum Eigenfehler gemacht. Die Feinabstimmung beim Material spielt natürlich auch noch eine Rolle, sie hat ja ihre Schlägermarke gewechselt (von Head zu Donnay, Anm.), und das dauert einfach eine Zeit, sich daran zu gewöhnen – das war bei einem Novak Djokovic auch nicht anders. Sie braucht nur ein bisschen mehr Selbstvertrauen und muss mal wieder das eine oder andere Match gewinnen, dann wird das schon wieder. Es ist natürlich im Moment sehr schwierig für sie. Sie möchte um jeden Punkt kämpfen und auch unbedingt einen Sieg für Österreich holen. Für mich als Trainer ist auf jeden Fall die Leistung entscheidend, weniger das Resultat selbst. Und die Leistung war wieder ein Stück besser. Hoffentlich setzt sich das im nächsten Spiel fort. Und wenn der Beginn einmal etwas anders und glücklicher verläuft, vielleicht klappt es ja dann diesmal mit einem Sieg.

 

Muss man derzeit einfach das Positive sehen – eben dass es eine Steigerung gegeben hat?

 

Ja, und ihre Gegnerin war ja auch keine schlechte. Es hätte auch für sie laufen können. Aber entscheidend ist, dass das Team wieder gewonnen hat, darum geht’s im Fed Cup eben. Mir als Kapitän ist es relativ gleichgültig, wer gewinnt, ich hoffe natürlich, dass alle meine Mädels gewinnen. Aber am Wichtigsten ist immer, dass am Ende Österreich gewinnt.

 

Tamiras Matchbilanz steht heuer derzeit bei 0:5. Wie nimmt sie diese Rückschläge auf?

 

Sehr professionell! Sie ist ein absoluter Teamplayer. Natürlich ist sie enttäuscht, dass sie verloren hat, jeder will gewinnen, aber sie ist danach sofort wieder auf dem Platz gewesen und hat unsere Spielerinnen angefeuert – genau so soll es sein.

 

Dass du Mayr-Achleitner/Meusburger im abschließenden Doppel aufgeboten hast, hat die tennisnet.com-Leser nach deinem Interview nach der Partie gegen Estland weniger, aber doch immer noch viele überrascht. Was war der Gedanke dahinter?

 

Das ist relativ einfach: Ich bin seit vielen Jahren auch in der Deutschen Bundesliga Herren-Teamcoach. Und wenn im Einzel wer in toller Form ist, dann ist es nicht so gescheit, auf diese Spielerin im Doppel zu verzichten. Ich habe vollstes Vertrauen zu Patricia, sie spielt derzeit voller Selbstvertrauen, und ich wusste, dass sie mit diesem Druck umgehen kann. Sie und Yvonne sind ein eingespieltes Doppel, spielen sehr kompakt und konstant. Die beiden agieren auf einer Höhe, attackieren gut, können gut verteidigen, machen wenige Fehler und kennen sich auch persönlich gut. Man muss sagen, dass auch Yvonne das ganz toll gemacht hat, ich hab sie schließlich ohne bisherige Matchpraxis hier aufgestellt.

 

Ist das fürs Damentennis unorthodoxe Spiel von Klemenschits auch einfach gegen junge Gegnerinnen wie am Donnerstag gegen Estland effektiver?

 

Sandra ist natürlich unsere große Doppelspezialistin, aber ich hab einfach das Gefühl gehabt, dass das – auch aufgrund der Gegnerinnen – die richtige Variante ist. Und gottseidank ist es so gelaufen, wie gewünscht. Ich will aber gar nicht sagen, wer besser oder schlechter ist oder gewesen wäre, es geht um das Team.

 

Auf dieses wartet morgen Großbritannien. Wie würdest du die Chance einschätzen, dass Österreich so wie auch 2010 ins Weltgruppen-II-Play-off einzieht?

 

Das wird morgen kein leichtes Match. Es wird auf jeden Fall eine ganz andere Situation, wir werden erstmals am Nachmittag spielen. Entscheidend wird sein, dass wir uns voll auf unsere Stärken konzentrieren und einen ordentlichen Kampf liefern. Wir müssen wieder als Team zusammenstehen, Punkt für Punkt bis zum Sieg spielen. Der britische Verband versucht seit Jahren mit vielen Millionen das zu schaffen, worauf wir nun auch die Chance haben, deren Spielerinnen haben also sicher mehr Druck. Wir sind nicht die Favoriten, aber wir werden alles geben und uns für Österreich voll reinhauen. Ich freue mich schon auf dieses Spiel!

 

Der meist positive direkte Vergleich zwischen den österreichischen und den britischen Spielerinnen verspricht alles in allem durchaus Gutes, oder?

 

Das kann man nicht so sagen, die Matches gegeneinander sind teils schon länger her. Patricia hat auch einmal in Wimbledon gegen Anne Keothavong gespielt, wo sie als Lokalmatadorin natürlich auch sehr unter Druck gestanden ist. Aber das kann man alles nicht vergleichen. Es ist sicher gut zu wissen, dass man gegen diese Spielerinnen gewinnen kann, aber jedes Spiel ist anders.

 

Hattest du Gelegenheit, die Britinnen zu beobachten? Und was sind deine Eindrücke?

 

Ja, ich schaue sie mir auch gerade im Hotel im Fernsehen an. Ich muss sagen, sie präsentieren sich heuer auch sehr harmonisch, das war nicht immer so in den letzten Jahren. Wo viel Geld im Spiel ist, wird auch oft der Charakter verdorben. Aber mit ihrer neuen Fed-Cup-Chefin (Judy Murray, Anm.) dürfte jetzt vieles anders laufen, sie kämpfen auch um jeden Ball und machen einen guten Eindruck.

 

Was steht heute noch auf dem Programm?

 

Wir haben da so unsere abendlichen Rituale. Wir haben zweimal mit dem gleichen System gewonnen, warum sollten wir daran was ändern? Jetzt ist erst einmal Abendessen, wobei ich eh schon zu spät komme, weil ich mit dir grad telefoniere. (lacht) Danach werden sich die Mädels wohl wieder mit unserem Masseur Kurt Waltl zusammensetzen, ein bisschen Zeit miteinander verbringen, einen Film schauen. Das sind alles Sachen, die den Teamspirit fördern, und das hat ja – wie man sieht – bisher gut funktioniert.

 

Mit einem Gläschen Wein oder einem Bier auf die zwei Siege angestoßen wird heute also noch nicht?

 

Nein, noch nicht wirklich. Aber wenn wir morgen gewinnen, dann wird das sicher erst mal ordentlich gefeiert. (lacht) (Foto: GEPA pictures/ Walter Luger)

 

Das Gespräch führte Manuel Wachta.

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Kommentare (1)
04.02.2012 01:21:53
nadalfan
Und wieder reden wir die Niederlagen von Tamira schön. So wirds nicht besser...