
(Das Foto zeigt von links nach rechts: Patricia Mayr-Achleitner, Yvonne Meusburger, Tamira Paszek, Jürgen Waber)
Im Gespräch mit Andreas Du-Rieux offenbart Österreichs Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber seine Eindrücke. Er hat sowohl seine Spielerinnen, als auch manche Fed-Cup-Gegnerin beobachtet.
Jürgen, welche Erkenntnisse hast du nach einer Woche bei den Australian Open gewonnen?
Ich bin in erster Linie hierhergekommen, um mit den Spielerinnen zu sprechen und, so gut es geht, auch zu arbeiten im Hinblick auf die bevorstehenden gemeinsamen Aufgaben. Wir haben uns zum Beispiel mehrmals zum Abendessen getroffen, dabei über unsere zukünftigen Auftritte gesprochen. Wir hatten super Stimmung und es ging mir darum, dass wir uns dort als eingeschworenes Team präsentieren. Dazu hab ich im Vorfeld angeboten, falls jemand Bedarf hat an Sparring, Training oder Tipps, stehe ich natürlich gern zur Verfügung. Patricia Mayr-Achleitner
ist auch gleich darauf zurückgekommen. Wir haben also täglich hier trainiert.
Dann gleich dazu, wie beurteilst du ihre Leistung?
Da war sicherlich mehr drinnen für Patricia, sie hat auch im Training wesentlich stärker gewirkt, hat’s dann im Match nicht ausspielen können. Sie ist eine Spielerin, die gutes Potential hat. Was ich dieser Tage mitbekommen hab, nützt sie ihre Stärken noch zu wenig aus. Sie sollte sich taktisch eher an Spielerinnen wie Schiavone oder Errani orientieren und über mehr Drall mit Kampfgeist, Laufarbeit und Winkel ihre Partien anlegen. Sie braucht gar nicht so schnell auf die Punkte gehen und hat teilweise überpowert.
Patricia war mit sich gar nicht zufrieden, hat mental etwas angeschlagen gewirkt und gemeint, sie bringt eben nur 20 Prozent im Match. Was glaubst du, woran liegt das, und wie kann sie ihr Selbstvertrauen wieder aufbauen?
Ich glaube, sie sieht sich selber als Sandplatz-Spezialistin und hat Probleme, ihr Spiel dem Hardcourt anzupassen. Ich bin überzeugt, wenn sie mehr Matches auf dem Belag spielt, findet sie auch besser hinein. Es ist eher auch die taktische Feinabstimmung. Sie versucht einfach Dinge, die gar nicht notwendig sind und sollte eigentlich eher ihr Sandplatzspiel adaptieren auf Hartplatz. Ich hab auch angeboten, mich gern weiterhin einzubringen, wenn Bedarf dafür besteht.
Auf facebook hat Patricia einen neuen Trainer angekündigt, sie gibt sich noch bedeckt – weißt du da Näheres?
Nein, hab ich auch nur gelesen – aber um dir die Frage zu ersparen: Ich werde es nicht sein…
Gut, dann zu Tamira Paszek…
Hat mich beeindruckt, wie cool sie da vor 14.000 im vollen Stadion aufgetreten ist. Ich mein’ über Serena Williams
braucht man nichts sagen, eine schwierigere Aufgabe gibt’s kaum. Tamira hat phasenweise sehr stark und vor allem couragiert gespielt, für mich ist sie mental die Stärkste im Team. Sie hat einen klaren Kopf gehabt, absolut abgebrüht gespielt und eine ansprechende Leistung gebracht. Sie kann sich nicht viel vorwerfen.
Man hat Stärken gesehen, aber auch Schwächen. Woran gilt es vorrangig anzusetzen?
Gegen eine solche Gegnerin darf man das nicht als Maßstab hernehmen. Sie hat Top-20-Potential und wird ihren Weg dorthin machen. Große Stärken sind die absolute Kampfbereitschaft, dass sie keinen Respekt zeigt und unbekümmert auftritt, dass sie klare Vorstellungen hat und meistens das abrufen kann, was sie auch kann, die Rückhand ist sicherlich Top 10, dass sie an anderen Dingen wie Beinarbeit, Fitness und dem Service arbeitet, ist gut, die Vorhand ist schon wesentlich stabiler als früher, ihr Spielsystem ist deutlich erkennbar – für mich in vielen Aspekten eine klare Verbesserung unterm Strich.
Du warst ja schon bei der Qualifikation hier, hast Yvonne Meusburger auch beobachtet. Wie hat sie sich präsentiert?
Sie hat sich vor allem schlagtechnisch weiter entwickelt, spielt die Vorhand mit mehr Drall und serviert auch besser, beim Service hat sie auch viel gearbeitet. Bis zum Qualifinale war die Leistung gut, dann war die Gegnerin stark und „Meusi“ diesmal leider nicht in der Lage, ihr bestes Tennis zu spielen. Da hat man gesehen, dass unter Druck die Sachen, die sie verändert hat, noch stabiler werden müssen. Ich bin aber sicher, dass es für ihr Spiel eine qualitative Erweiterung war, was sie da über den Winter erarbeitet hat.
Welche Überlegungen laufen in Richtung Doppel?
Unsere Spezialistin ist Sandra Klemenschits, die ja nicht hier war. Sie wird am ehesten mit Tamira zusammen passen, denke ich, aber da werden wir noch ein paar Varianten probieren.
Hattest du Zeit, die Gegnerinnen auch ein bisschen zu beobachten?
Ja, Kaia Kanepi
ist eine Klasse für sich, hat sich vor allem athletisch enorm verbessert und ist heiß, das hat man zuletzt bei ihrem Sieg in Brisbane gesehen. Echt beeindruckend auch hier gegen Johanna Larsson
bei schwierigen Bedingungen, sie wird einen Riesensprung nach vorne machen, denke ich. Stark auch Tsvetana Pironkova,
die gegen Sania Mirza
gewonnen hat. Ich sehe uns nicht als Favoriten, aber wir haben ein ausgeglichenes Team und hoffen, dass wir reüssieren können.
Wann geht’s denn ab nach Israel?
Am 29. Jänner. Insofern bin ich froh, dass niemand von uns im Finale steht! ;) Wir treffen uns in Wien und fliegen gemeinsam von Wien ab.
Dann wünsch ich gleich zweimal guten Flug und bedanke mich für das Gespräch.
(Foto: GEPA pictures/ Matthias Hauer)