Trotz Enttäuschung: 
Fed-Cup-Kapitän 
Waber „stolz auf 
unsere Mannschaft“ 



Mit der 0:2-Niederlage gegen Großbritannien hat Österreichs Fed-Cup-Team im israelischen Eilat erneut den Einzug ins Weltgruppen-II-Play-off verpasst. Warum Kapitän Jürgen Waber trotzdem stolz auf die Mannschaft ist, erzählte er tennisnet.com im Interview. Der 40-Jährige zieht Bilanz über die Woche und erklärt, warum er sich trotz auslaufendem Vertrag vorstellen kann, die heimischen Damen auch beim nächsten Anlauf im Jahr 2013 wieder zu betreuen.

 

Jürgen, es hat leider nicht mit dem Aufstieg ins Weltgruppen-II-Play-off geklappt. Wie groß ist die Enttäuschung im Team?

 

Natürlich herrscht gedämpfte Stimmung. Aber man muss akzeptieren, dass die Gegnerinnen sehr gut waren, die waren heute einfach die Besseren.

 

Vor allem bei Mayr-Achleitner schien aufgrund des guten Starts in die Partie mehr drin gewesen zu sein. War’s ein Match der vergebenen Chancen?

 

Die Chancenauswertung im ersten Satz war sicher nicht optimal. Die Anspannung bei ihrer Gegnerin, Anne Keothavong, war doch groß und Patricia hat zu Beginn dominiert und nahtlos an die Leistungen der Vortage angeschlossen, sie war die bessere Spielerin. Sie hat dann bei 4:2 drei oder vier Breakbälle nicht genützt, und aufgrund dieser vergebenen Chancen ist das Match wieder ausgeglichen gewesen. Im Tiebreak hat leider auch das Glück gefehlt, da sind viele Entscheidungen gegen uns ausgefallen. Und ihre Gegnerin ist immer stärker geworden. Es war ein Spiel auf hohem Niveau, Patricia hat wieder eine tolle Leistung geboten, die hat absolut gepasst, aber Keothavong hat sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen.

 

Paszeks Resultat von 1:6, 4:6 liest sich nicht allzu gut. Was ist da schief gelaufen?

 

Es klingt komisch, aber es war mit Sicherheit ihr bestes Match hier. Ich bin davon überzeugt, mit einer 1:0-Führung wäre dieses Spiel anders gelaufen. Ihre Gegnerin, Elena Baltacha, hat unfassbar begonnen, aus allen Rohren geschossen, unglaublich serviert und returniert. Tamira ist nicht zum Spielen gekommen. Sie hat sich allerdings reingekämpft, das Spiel war dann im zweiten Satz ziemlich auf der Kippe. Sie hat das Rebreak auf 3:3 und 4:4 geschafft, aber auch aufgrund der starken Leistung von Baltacha leider verloren, die hatte weniger zu verlieren. Es hätte im zweiten Satz anders laufen können, aber man muss ihrer Gegnerin halt auch einfach gratulieren, Baltacha hat toll gespielt und sich den Sieg letztendlich verdient.

 

Unterm Strich hat Paszek alle ihre drei Einzel-Matches in Israel verloren. Happy kann man damit nicht wirklich sein, oder?

 

Wir haben die ersten zwei Runden hier trotzdem gewonnen, haben zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren die Gruppe gewonnen, leider hat es eben wieder knapp nicht zum Einzug ins Play-off gereicht. Es war heute sicher einiges drin. Tamira war hier natürlich keineswegs in Bestform, sie kann mehr. Aber sie war dennoch ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft.

 

Fest steht: Man kann sich auf ein weiteres Jahr in der Europa/Afrika-Zone I einstellen. Ist unser Damen-Tennis einfach nicht besser?

 

Das kann man so nicht sagen. Die Damen haben im Fed Cup auch ein anderes System als die Herren, es ist einfach sehr schwer, wieder hoch zu kommen. Auch Polen, das mit Agnieszka Radwanska eine Top-Ten-Spielerin in seinen Reihen hat, hat es nicht geschafft. Wir sind sehr gut, wir haben wieder den Gruppensieg gefeiert, aber es sind eben auch andere hier sehr gut. Viele Teams könnten bei einem normalen Modus auch in der Weltgruppe ins Halbfinale oder Finale kommen. Weißrussland, gegen das wir zum Beispiel in den letzten drei Jahren gespielt haben, stellt jetzt mit Victoria Azarenka gar die Nummer eins der Welt und hat zwei weitere Spielerinnen in den Top 100. Das Niveau ist einfach unglaublich. Das hat nichts mit unserem Können zu tun, hier sind eben viele starke Teams gleich in der Gruppenphase zusammengefasst. Wir haben trotzdem  wieder unsere Gruppe gewonnen, ich bin stolz auf die Mannschaft, auch wenn wir natürlich alle enttäuscht sind, dass wir heute verloren haben.

 

Wie lasst ihr den Abend heute ausklingen?

 

Patricia ist bereits auf ihrem Weg zum Flughafen nach Tel Aviv, sie muss morgen um 5 Uhr Früh nach Kolumbien zu einem 100.000-Dollar+H-Turnier in Cali fliegen. Gerade darum bin ich ja so froh und stolz darauf, Spielerinnen zu haben, die solche Strapazen auf sich nehmen. Sie haben hier eine tolle Leistung geboten und eine gute Stimmung reingebracht. Mit dem Rest der Mannschaft diskutieren wir noch zusammen, was wir besser hätten machen können, was gegen uns gelaufen ist, wo wir vielleicht auch nichts machen konnten, wir werden das noch ein bisschen analysieren.

 

Was macht dich denn zuversichtlich, dass man in einem Jahr vielleicht am letzten Tag fröhlicher beisammensitzen und auf den Aufstieg anstoßen kann?

 

Wir haben auch dieses Jahr viel gewonnen, nicht nur zwei Begegnungen, sondern auch an Erfahrung. Wir haben ein junges Team, haben heuer erstmals in dieser Formation zusammen gespielt. In einem Jahr passiert viel, da werden alle hoffentlich noch stärker sein. Wir werden im nächsten Jahr wieder versuchen, die Relegation zu schaffen. Wir waren auch heuer vorne dabei, warum soll das Glück nicht auch mal auf unserer Seite sein?

 

Wird dieser nächste Anlauf wieder mit dir als Kapitän unternommen? Wie sieht deine Vertragssituation aus?

 

Mein Vertrag läuft heuer aus. Im März kommt ein neues Präsidium, dieses wird sich diesem Thema dann wohl annehmen und das besprechen.

 

Von deiner Seite aus: Würdest du diese Tätigkeit gerne weiter ausüben?

 

Es war eine schwierige Woche, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wegen der schon mehrmals erwähnten guten Atmosphäre bei uns. Ich lasse das einfach auf mich zukommen, ich hab mir da noch keine Gedanken gemacht. Ich finde es am besten, wenn die Mädels selbst wählen und entscheiden können, wem sie vertrauen und gerne in dieser Position hätten. Wenn ich gefragt werde, sage ich sicher nicht „nein“. (Foto: GEPA pictures/ Walter Luger)

 

Das Gespräch führte Manuel Wachta.

Diesen Artikel teilen
Rating
Rating
0 gefällt das 0 gefällt das nicht

Sie müssen eingeloggt sein, um bewerten zu können.
Kommentar verfassen
Kommentar verfassen
Kommentare
Kommentare (7)
05.02.2012 15:35:17
nadalfan
Ich würd den Job schon machen :) Einmal im Jahr arbeiten, meine Spielerinnen mehr oder weniger gut auf den Gegner einstellen und anschließend ganz betroffen analysieren.
05.02.2012 13:38:12
KarliKreuzer
Ich frag mich wozu ein Trainer ("Wappler" oder Waber) auf der Bank sitzt und im Nachhinein hilflos analysiert, "die Gegnerin hat aus allen Rohren geschossen", dann muss ich als Coach auf der Bank meinen Schützling einfach taktisch besser ein- bzw. umstellen. Kann ich das nicht, bin ich als Captain Fehl am Platz.
Schön dass die Woche so viel Spaß gemacht hat. Österreich ist mit diesem Damenpotential auch kein Thema für eine höhere Gruppe. Meine Damen/Herren in diese EURO/AFRIKA Gruppe gehören wir einfach hin.
Bin gespannt wer den Coach weiter macht, glaube aber daß sich diesen ob nicht viele Leute antun werden.
05.02.2012 13:13:00
Raphael
Alles, was hier gepostet steht, unterschreibe ich gerne. Der Jürgen als Witwentröster, nachdem der Aufstieg gestorben ist, trägt ein bisschen zu viel schmalzige Wundsalbe auf. Er wabert penetrant. Man merkt die Absicht und man ist verstimmt.
05.02.2012 12:00:33
Tennisfritz
schön war die zeit, als paszek selbst noch als 15-jährige gegen top100 spielerinen gewonnen hat...
05.02.2012 10:15:03
nadalfan
Ich glaube einfach, dass wir nicht die Qualität haben, weiter oben zu spielen, auch wenn Herr Waber etwas anderes behauptet. Andere Nationen sind besser aufgestellt und haben außerdem eine Nummer 1, die nicht gegen eine 15-jährige verliert.
05.02.2012 09:52:21
Poelli
seh ich wie "doppelfehler". mit einer einschränkung: wennst als jürgen jetzt auch nur ein klein wenig kritik öffentlich ausdrückst, dann spielen "die mädls" allesamt nächstes jahr gleich nicht mehr, weil sie beleidigt sind. also lieber bauchpinseln, damit wieder das stärkste team, und nicht klaffner, hofmannova etc. an den start gehen. nur so haben wir eine aufstiegschance. du bist ein diplomat, jürgen, der weiß wie man mit den spielerdamen umgehen muss :)
05.02.2012 09:11:28
doppelfehler
Bei allem Respekt ein bisschen mehr Selbstkritik(was intern hoffentlich passiert) wäre angebracht,ohne alles zu verteufeln oder gar schlechtzumachen.
Sicher ist,dass das Österr.Damentennis sich schon seit einiger Zeit nicht grad im Aufschwung befindet,um es milde zu sagen.
Zum Fed Cup:Gegen Estland ohne Kanepi MUSS man gewinnen.Da braucht man den dürftigen 2-1! Sieg nicht groß zu reden.Gegen Bulgarien war es ok.
Nervenflattern von Mayr und Unform von Paszek hatten Niederlage gg ausgeglichenes Team von GB zur Folge.Nach dem Bericht hat Baltcha ausgerechnet gg Paszek das Spiel ihres Lebens bestritten :)
Konstruktive Selbstkritik und real.Einschätzungen(sieg gg estland)helfen meiner Meinung mehr als Bauchpinselei...aber das ist nur meine Meinung