Thiem nicht beim Davis 
Cup: „Das Anfeuern 
ist der Job der Fans“ 



Günter, der Saisonstart ist für deinen Schützling Dominic Thiem nicht ganz nach Wunsch verlaufen. Du warst selbst eine Woche vor Ort in Israel. Deine Eindrücke dieser ersten Future-Turnierreise im neuen Jahr?

 

‚Domi’ hat in Israel gut begonnen, ein Viertelfinale beim ersten Turnier erreicht und dort gegen einen Spieler verloren, den er schlagen kann, meiner Meinung nach auch schlagen sollte. Und nach dem Match hat er sich im Training verletzt.

 

Ist das nicht als starke Knieprellung abgetan worden?

 

„Abgetan“ wurde gar nichts. Eine starke Prellung war die erste Vermutung, wir waren in Israel auch zur Sicherheit beim Röntgen und einer Magnetresonanz, als die Schmerzen auch nach ein, zwei Tagen nicht nachgelassen haben. Rudi Schabus hat später in Wien die dortige Diagnose bestätigt, es ist ein Riss in der Kniescheibe. Klingt dramatischer, als es ist, aber es ist doch eine recht langwierige und vor allem sehr schmerzhafte Verletzung.

 

Was hat das für Folgen?

 

Die Folgen waren, dass er in Israel beim zweiten und dritten Turnier nichts gewonnen hat, außer dem Doppel am Ende, was ein versöhnlicher Abschluss war, aber nicht mehr. Er hat jetzt am Montag und Dienstag erstmals schmerzfrei trainiert. Die Reise in die Türkei steht also, er kann zur nächsten Future-Serie fahren. Turnier-Erfahrung zu sammeln, ist jetzt das Wichtigste für ihn.

 

Kommen wir zu zwei brisanten Themen. Das erste: Jürgen Melzer hat vor kurzem in einem Interview mit dem „Sportmagazin“ gesagt, dass er es nicht gut heißt, Dominic so ein Ziel wie die Top 200 bis Ende 2012 aufzuerlegen. Deine Meinung dazu?

 

Ich habe das Interview noch nicht gesehen, aber für besonders brisant halte ich das jetzt nicht, ehrlich gesagt. Wenn das Jürgens Meinung ist, ist das doch okay. Ich halt’s eben mehr mit Hermann Hesse: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Was soviel heißt wie: Ich halte es für richtig, hohe Ziele zu setzen. Druck gehört zum Spitzensport dazu.

 

Warum hast du Dominic solch hohe Ziele gesetzt? Einfach weil du dir so sicher bist, dass der Junge das in so kurzer Zeit schafft?

 

Wenn man ein Ziel setzt, von dem man weiß, dass man es sicher erreicht, ist es ja kein Ziel.

 

Wie realistisch sind die Top 200 dann?

 

Sie sind möglich. Spielerisch sowieso, das wissen wir, das hat er auch oft genug schon gezeigt. Aber es kommen ja auch viele andere Aspekte dazu. Er muss gesund bleiben, das Jahr durchspielen können, und man braucht auch Glück. Sicher ist: Wenn er es schafft, war es eine Ausnahmeleistung. Aber es wäre ja nicht die erste Ausnahmeleistung von ihm.

 

Das zweite Thema: Viele hätten erwartet, Dominic dieser Tage als Sparringspartner des österreichischen Davis-Cup-Teams in Wiener Neustadt anzutreffen. Warum ist es nicht dazu gekommen?

 

‚Domi’ trainiert jetzt in der Südstadt, fährt dann in die Türkei zu Futures. Das ist sportlich auf jeden Fall gescheiter als eine Woche in Wiener Neustadt zu verbringen, wo es ja nur einen Platz gibt, und niemand kann es für sinnvoll halten, dass dort die Team-Mitglieder zuschauen, wenn einer den Platz blockiert, der gar nicht im Team steht. Es war nett von Clemens, an Dominic zu denken. Aber ich halte es für ‚Domi’ für wichtiger, zu trainieren und Punkte zu jagen, als beim Captain’s Dinner fein zu schmausen und am Wochenende in der Loge zu sitzen und anzufeuern. Das Anfeuern ist der Job der Fans, und wie man hört, wird die Halle ja zum Glück voll sein. Dazu kommt, dass die Situation zwischen dem Verband und Dominic noch nicht gelöst ist.

 

Du beziehst dich wohl auf das leidige Thema Förderungen, oder?

 

Ja. Da tut sich seit drei Jahren nichts.

 

Was erwartest du dir also konkret für eine Lösung?

 

Seit er ITF-Turniere gespielt hat, also zwischen 15 und 18 Jahren, hat er vom NÖTV und ÖTV keinen Cent bekommen. Es sind drei Jahre offen, die gehören erst mal nachgeholt.

 

Mit Trimmel hat das Ganze also nichts zu tun, oder?

 

Warum sollte es? Er hat persönlich mit der Sache nichts zu tun, die entsprechenden Entscheidungen haben andere getroffen. Er ist sehr nett und bemüht und hat ja nun auch die Chance, daran mitzuwirken, dass alles wieder ins Lot kommt. Ich sehe das positiv.

 

Wie warst du Trimmel gegenüber denn eingestellt, als du erfahren hast, dass er neuer ÖTV-Davis-Cup-Kapitän und Sportdirektor wird?

 

Vollkommen wertfrei. Man soll ja nicht Personen beurteilen, sondern die Art und Weise, wie sie ihren Job machen, wie erfolgreich sie sind, und dafür muss man ihnen Zeit lassen. Ich kenne Clemens, seit er zehn Jahre alt war, er hat auch zwei, drei Jahre bei mir gespielt und war im Davis Cup unter mir in der Mannschaft auch im Einsatz. Er ist ein vifer Kerl, und Intelligenz ist eine wichtige Voraussetzung für einen Kapitän. Dass er wenig Erfahrung hat, ist ihm nicht vorzuwerfen und ist etwas, das sich naturgemäß von selber mit der Zeit gibt.

 

Was ist dein bisheriger Eindruck von seiner Arbeit? Sieht man seine Handschrift schon?

 

Er ist erst seit etwas mehr als einem Monat im Amt, da kann es keine Handschrift geben.

 

Merkst du aber vielleicht, dass die Pressearbeit vom Verband forciert wird und die Kommunikation sich bessert?

 

Das ist meines Wissens nicht Aufgabe eines Davis-Cup-Kapitäns.

 

Aber Trimmel ist ja auch Sportdirektor.

 

Pressearbeit ist auch nicht Aufgabe eines Sportdirektors. Dass Clemens öfters in der Südstadt ist und mit Spielern und Trainern redet, das merkt man natürlich. Aber ganz ehrlich gesagt: Dass ein Sportdirektor in der Südstadt anzutreffen ist und mit Leuten redet, das war zwar in Österreich bekanntlich nicht immer so, aber halte ich jetzt nicht für besonders ungewöhnlich.  

 

Wie oft hast du seit seiner Amtsübernahme mit Trimmel persönlichen Kontakt gehabt?

 

Man kann zehnmal aneinander vorbeigehen und „Hallo“ sagen, dann hatte man zehnmal persönlichen Kontakt, aber was soll das bringen? Wichtig ist, ob konstruktive Gespräche geführt werden. Und ich habe den Eindruck, dass Clemens das will. Wir haben einmal eine Stunde etwas intensiver geredet, und ich jedenfalls habe einen guten Eindruck von ihm.

 

Ronnie Leitgeb wird voraussichtlich neuer Präsident. Wie blickst du dem entgegen?

 

Positiv, das habe ich schon öfter gesagt. Er ist genau im richtigen Alter, hat eine extrem breit gefächerte Erfahrung in dem Sport, er war schon Manager, Trainer, Veranstalter, als Präsident des Kärntner Tennisverbands auch Funktionär. Er hat alles erreicht, hat keine Eitelkeiten mehr zu befriedigen, ist finanziell abgesichert. Das sind sehr gute Voraussetzungen. Ich glaube, dass er es der Sache wegen macht. Und ich glaube, dass er etwas bewegen kann.

 

Ihr galtet früher nicht gerade als beste Freunde. Wie ist deine derzeitige Basis mit ihm? Hast du mit ihm in letzter Zeit schon Kontakt gehabt?

 

Ja, wir hatten Kontakt und haben eine gute Gesprächsbasis.

 

Letztes Thema: Der Davis Cup gegen Russland steht unmittelbar bevor. Wo wird ihn sich Günter Bresnik ansehen?

 

Am Freitagnachmittag hab ich Training und stehe am Platz, da werde ich nur in den Trainingspausen im Tennisstüberl in der Südstadt ein paar Ballwechsel sehen. Am Wochenende werde ich die Spiele verfolgen.

 

Wie schätzt du denn die Chancen gegen die Russen ein? Was sind deine Eindrücke?

 

Wir haben eine gute Chance. Ein Vorteil ist, dass sich Jürgen voll aufs Single konzentrieren kann. Und gegen Kaliber wie Mikhail Youzhny ist ihm jederzeit ein Sieg zuzutrauen. Wenn beide gut spielen, ist Jürgen der Bessere. Im Doppel ist Österreich im Vergleich zu vor zehn oder 15 Jahren eine Macht. Andreas Haider-Maurer hab ich im Dezember ein paar Mal beim Training in der Südstadt gesehen. Er hat superhart gearbeitet, viel konditionell gemacht, ich gehe davon aus, dass das bald mal greift. Weil er heuer noch nicht viel gewonnen hat, fehlt es natürlich am Selbstvertrauen, aber er hat schon bessere als Alex Bogomolov Jr. geschlagen. Niemand erwartet einen Punkt von ihm, ganz im Gegenteil zu seinem Gegner, egal, wer das sein mag. Er kann sicher ein Match gewinnen.

 

Was ist dein Tipp für den Länderkampf?

 

3:2. Es war sehr schlau, dass Jürgen in Zagreb noch einige Matches unter den Gürtel gebracht hat. Wenn er gut spielt, dann ist er besser als alle Russen. Und im Doppel sind wir in jeder Zusammenstellung die besseren. (Foto: GEPA pictures/ Hans Osterauer)

 

Das Gespräch führte Manuel Wachta.

 

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Kommentare
Kommentare (5)
11.02.2012 22:51:56
Tennisanlage
@Assel

Im vorigen Artikel wurden ihm noch 25.000€ angeboten, die er aber nicht angenommen hat, weil es ja angeblich "zu wenig" war.
Ich möchte gerne einmal wissen, wieviel die anderen jungen Österreicher an Förderungen erhalten? Wenn alle soviel bekommen, muss der ÖTV aber ein riesen Budget haben...
11.02.2012 10:23:20
Assel
Wieso wird der Thiem bevorzugt? Weil er keine Förderung bekommt?
09.02.2012 19:35:12
Tennispiet
Der Jürgen (Melzer) hat vollkommen recht. Es ist nicht optimal einen Spieler über Rankingvorgaben Druck zu machen. Es ist besser Vorgaben in technischer, taktischer und konditioneller Hinsicht zu machen. Mit den Fortschritten und dem Quentchen Glück stellt sich eine entsprechende Rankingposition von alleine ein.
09.02.2012 09:25:33
Tennisanlage
Gibt es auch noch andere Tennisspieler in Österreich außer Thiem?
Diese Struktur beim ÖTV is wohl eine Frechheit und hoffentlich fällt diese "Freunderlwirtschaft" allen nochmal auf den Kopf, obwohl es gar keine "Freunde" gibt.
09.02.2012 18:19:03
Avigator
Ja, es gibt noch andere, aber die reißen um einiges weniger, als unser Thiem, zumindest in seinem Alter.
Wir sollten uns freuen einen so guten Nachwuchsspieler zu haben und nicht typisch österreichisch auf ihn schimpfen, weil er ein bisserl bevorzugt wird.


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