Manuel Wachta berichtet live aus Wiener Neustadt
Satte 17 Jahre ist es her, dass Österreich zuletzt das Viertelfinale der Davis-Cup-Weltgruppe erreicht hat. 2012 hat es also wieder geklappt: Mit dem 3:2 über Russland in der Arena Nova in Wiener Neustadt erspart man sich diesmal den Gang in die Relegation. Ein Sieg, der Jürgen Melzer & Co. mächtig stolz macht: „Wir haben die ganze Woche darauf hingearbeitet. Früher hat’s oft geheißen, ‚wenn alles passt, ist es vielleicht möglich, dass wir gewinnen’ – diesmal haben wir das Glück erzwungen. Es hat einfach alles perfekt gepasst. Ich hab auch gemerkt, dass sich Andi (Haider-Maurer, Anm.) hier wohl fühlt, das hat ein bisserl Druck genommen.“
„Bin immer besser reingekommen“
Die Entscheidung hätte schon am Samstag im Doppel fallen können: „Das hat wehgetan, dass wir das verloren haben. Heute dann alles nochmal neu hochzufahren, war nicht leicht.“ Doch der große Nervenkitzel blieb am finalen Sonntag dennoch erspart, da sich Melzer gegen Alex Bogomolov Jr. von seiner allerbesten Seite zeigte: „Ich hab sehr, sehr gut gespielt. Ich hab ihn stets dominiert und gemerkt, dass ich der Bessere bin“ – zumindest nach einem anfänglichen kleinen Schock: „Er hat mir zu Beginn gleich mal drei Winner reingezogen, die hat er gegen Andi im ganzen ersten Match kaum gemacht. Ich hab mir nur gedacht, ‚das kann ja nicht sein, bitte nicht, bitte nicht’. Ich hab dann auch das Break zum 1:2 weggesteckt, bin immer besser reingekommen. Darum ist es am Ende dann vom Ergebnis her auch so glatt geworden.“
„Ein anderes Bein, bitte“
Je länger das Match andauerte, umso mehr fühlte man sich an den Jürgen Melzer der Saison 2010 erinnert: „Es war definitiv eine meiner besten Leistungen seit langem. Für mich war das Turnier in Zagreb letzte Woche schon sehr wichtig, da hatte ich gleich sechs Matches und hab gesehen, dass mein Körper wieder richtig funktioniert. Ich hab dort in den wichtigen Situation endlich wieder öfter das Richtige gemacht. Es macht Spaß, wieder dieses Sicherheitsgefühl zu haben.“ Da spürt man dann selbst die zwei Tage zuvor erlittene blutige Blase auf der linken, kleinen Zehe kaum noch: „Ich hatte heute einen anderen Schuh, ein bisserl breiter. Dazu war ich gut getaped, es war okay, das ist schon gegangen.“ Nur nach der Pressekonferenz spürte Melzer das Wehwehchen wieder und wünschte sich auf dem Gang „ein anderes Bein, bitte“.
Spanien als Lohn für harte Arbeit
„Ich bin richtig happy“, gab ein erleichterter Melzer Einblick in sein Inneres, „ich hab sehr viel Druck gehabt, aber ich hab ihm letztendlich doch standgehalten. Endlich haben wir jetzt dieses Viertelfinale.“ Den ersten und letzten Punkt hat Melzer beigetragen, trotzdem ist’s für den Niederösterreicher ein ganz klarer Teamerfolg: „Es ist von den Davis-Cup-Erfolgen her für mich sicher der bisher größte. Aber jeder hat hart dafür gearbeitet. Jetzt haben wir den Lohn dafür bekommen und stehen unter den besten acht Nationen – in einer Weltsportart. Und wir sind nicht mal dort chancenlos. Natürlich sind wir in Spanien Außenseiter, aber wir werden uns akribisch darauf vorbereiten. Es kann sich jeder nur darauf freuen. Wir können dort locker drauflos spielen – und wer weiß, vielleicht geht da ja was.“
Haider-Maurer: „Nehme viel Selbstvertrauen mit“
Gemeinsam mit Melzer und dem ganzen Team feierte Haider-Maurer bereits den Aufstieg und drehte Runden mit der österreichischen Fahne – um kurz darauf gegen das russische Lazarett doch noch zu einem zweiten Einsatz zu kommen. Der verlief eineinhalb Sätze so gar nicht nach Plan, am Ende setzte es gegen Igor Kunitsyn eine knappe Niederlage. Die störte den Niederösterreicher an diesem historischen Freudentag kaum: „Ich nehme hier trotzdem viel Selbstvertrauen mit. Das wird mir hoffentlich dabei helfen, wieder in die Top 100 zu kommen und mich dann noch weiter in Richtung Top 50 zu orientieren.“ Und 40 Punkte für die Weltrangliste hat der Sieg vom Freitag über Bogomolov Jr. ebenfalls gebracht.
Andreas Haider-Maurer im Video-Interview mit tennisnet.com:
Trimmel: „Fahren nach Spanien nicht auf Urlaub“
Clemens Trimmel war die Erleichterung und Freude über den Sieg bei seinem Debüt als ÖTV-Kapitän anzumerken: „Es war ein hochverdienter Erfolg. Wir haben einfach ein ganz anderes Feuer gehabt, als das bei den Russen der Fall war – ohne ihnen da nahe treten zu wollen. Die mentale Stärke und die Aggressivität haben mir diese Woche sehr gut gefallen. Alle spielen einfach extrem gern für Österreich, wollen ihr Land vertreten – das genießen alle.“ Eher widerwillig ließ sich Trimmel ein paar Worte zum nächsten Gegner entlocken: „Wir sind natürlich Außenseiter. Ich beschäftige mich aber noch nicht damit. Wir stehen in einer Weltsportart unter den letzten acht Nationen, das ist ein Riesen-Erfolg, darüber freue ich mich jetzt erst mal. Aber wir fahren nach Spanien natürlich nicht nur auf Urlaub dann, wir wollen dort gewinnen und uns auf jeden Fall so teuer wie möglich verkaufen.“
Clemens Trimmel im Video-Interview mit tennisnet.com:
Schock um Freddie Siemes
Nach dem letzten Spiel und den Pressekonferenzen ging es dann zur ORF-Live-Sendung „Sport am Sonntag“, die mitten in der Arena Nova abgehalten wurde. Dabei gab es eine kleine Schrecksekunde um Freddie Siemes: Der Team-Physiotherapeut kippte plötzlich um und wurde ohnmächtig, die Fernseh-Interviews wurden sofort abgebrochen. Siemes kam jedoch rasch wieder zu Bewusstsein, und entsprechend bald konnte auch schon Entwarnung gegeben werden. „Ich hab den ganzen Tag über ein bisschen zu wenig gegessen und war daher wohl unterzuckert“, erklärte Siemes später gegenüber tennisnet.com, „aber es ist alles wieder in Ordnung.“ Und so konnten die Feierlichkeiten, die gleich kurzerhand in den V.I.P.-Bereich der Austragungsstätte verlegt worden waren, fortgesetzt werden – denn in Party-Stimmung waren nach diesem Erfolg natürlich alle. Und Melzer wusste mit einem dicken Schmunzeln im Gesicht auch schon, wer für die entstehenden Kosten aufkommen wird:
(Foto: GEPA pictures/ Matthias Hauer)
Jetzt bei Ladbrokes live wetten! Bis zu 50€ gratis!
Niki
Fearsome Force
nicht nur das, zur zeit sind wir sogar nummer 8 im nationen ranking, wenn das bis nächstes jahr so bleibt, sind wir in der weltgruppe sogar gesetzt. was uns in runde eins eine der 7 besten nationen ersparen würde.
doppelfehler
Hut ab vor Melzer und AHM,die mich eines besseren belehrt haben,was das mentale(Melzer) und spielerische(AHM)Element betreffen.
2 Dinge liegen mir jedoch noch auf der Seele :)
1.Melzerpartie gg Kunitsyn hab ich ca 3,5 Sätze lang gesehen und mich die ganze Zeit gefragt,warum Melzer gefühlte 90% der Ballwechsel über Kunitsyns Rückhand aufgebaut hat,die eindeutig stärkere Seite des Russen.Passierbälle Konterschläge Winners überwiegend von Kunitsyns Rückhand.
und 2.Habe ich mich schon länger unabhängig vom DC gefragt,warum AHMs Vorhand auch hier im Forum als "Waffe" bezeichnet wird.Service klar,aber wenn er in Form ist,ist die VH ein solider Grundschlag,der der RH um nix nachsteht.Kann von beiden Seiten punkten aber auch ziemlich streuen.Übermächtig ist die VH keineswegs,was man auch gestern zb bei den Pasierbällen gesehen hat
Melzers VH wurde meines Wissens noch nicht als Waffe bezeichnet,obwohl sie meiner Meinung nach 1Klasse besser ist.
Wenn AHM das Niveau von seinen Partien im DC halten kann ist das schon extrem viel wert.
Gegen Spanien is es egal wies ausgeht.Wir müssen nicht mehr in die Relegation!!