Melbourne: Angeschlagener 
Djokovic erreicht Semifinale 
gegen Murray 



Jetzt sind die Top Vier also unter sich: Nach Rafael Nadal (Spanien/2) und Roger Federer (Schweiz/3) haben bei den Australian Open auch der topgesetzte Novak Djokovic und die Nummer vier Andy Murray das Halbfinale erreicht. Der Serbe musste gegen den gewohnt zähen Spanier David Ferrer (ATP 5) 2:44 Stunden kämpfen, um sich mit 6:4, 7:6 (4), 6:1 durchzusetzen und wirkte dabei angeschlagen. Der Brite hatte beim 6:3, 6:3, 6:1 über den japanischen Überraschungsmann Kei Nishikori (ATP 26) in 132 Minuten weniger Mühe. Titelverteidiger Djokovic und Vorjahresfinalist Murray treffen damit im zweiten Semifinale am Freitag in der Night Session aufeinander.

„Es war richtig taff“

Trotz des scheinbar relativ eindeutigen Drei-Satz-Siegs erwies sich Ferrer für Djokovic wie erwartet als vor allem physisch harter Belastungstest: „Es war ein tolles Match, aber richtig taff. Mir kam’s wie 30 Minuten vor, als wir nur die ersten zwei Games gespielt hatten“, lachte Djokovic. Der Weltranglisten-Erste nützte seine insgesamt siebte Breakchance zum 3:2, was zum Gewinn des ersten Satzes reichte, ehe er sich seinen körperlichen Grenzen näherte. Nach 2:0-Führung im zweiten Satz erhielt der 24-Jährige postwendend das Rebreak und schien sich bei 2:2 bei einer Rückhand aus der Bedrängnis am linken, hinteren Oberschenkel zu verletzen.

Niedergeschlagen durchgekämpft

Djokovic verzichtete drauf, den Physiotherapeuten auf den Platz kommen zu lassen, und auch eine grobe Einschränkung von Djokovics Bewegungsfreiheit war nicht wirklich festzustellen. Dennoch schien ihn dieser Zwischenfall irgendwie aus dem Rhythmus zu bringen, er wirkte ab diesem Zeitpunkt niedergeschlagen und teils sehr erschöpft, schlurfte in den Spielpausen nur über den Court. Trotzdem gelang ihm das Break zum 6:5, das er sofort wieder abgeben musste. Im Tiebreak setzte er sich aber nach 1:3- und 3:4-Rückstand noch 7:4 durch. „Ich hab gewusst, es wird eine lange Nacht. Zum Glück bin ich im zweiten Satz durchgekommen.“

„Bin aggressiv geblieben“

Im dritten Durchgang konnte Ferrer dann nicht mehr zulegen, dessen Aufschlagverluste zum 0:2 und 1:5 führten die Entscheidung herbei. „Das 2:0 in Sätzen war mental wichtig“, wusste Djokovic. „Man muss dranbleiben gegen jemanden mit so einem Kampfgeist wie Ferrer, der dich diesen einen Ball mehr als die meisten anderen spielen lässt. Ich hab mich im zweiten Satz nicht frisch gefühlt, aber ich hab mir gesagt, ich muss trotzdem den Schritt in den Platz hinein machen, an die Linien gehen. Ich war mir nicht sicher, es in drei Sätzen zu schaffen, aber das Momentum war mit dem gewonnen Tiebreak auf meiner Seite. Ich bin aggressiv geblieben, und das hat sich ausgezahlt.“

Nishikori: „Hab nicht gut genug gespielt“

Entgegen dem, was man vom Ergebnis her vermuten könnte, lieferte Murray gegen Nishikori keineswegs eine Galavorstellung – doch mehr als genug, um sicher seinen Platz im Halbfinale zu buchen. Nur 44 Prozent erste Aufschläge im Feld und zwei Aufschlagverluste untermauern dies. Die 39 Prozent genützten Breakchancen konnte der Schotte verkraften, erspielte er sich doch deren 18, die ihm sieben Breaks brachten. Unschlagbar erschien Murray also keinesfalls, aber „ich hab einfach nicht gut genug gespielt, um ihn zu besiegen“, erklärte Nishikori. „Er hat mich die ganze Zeit von Seite zu Seite laufen lassen. Zugleich war es für mich schwierig, lange Punkte zu spielen.“

Murrays missglückter „Tweener“

Nishikori spielte damit auf die körperliche Belastung dreier harter vorangegangener Matches an. Das gab auch Murray unumwunden zu: „Ich war heute etwas solider  und hatte wohl auch ein bisschen mehr im Tank als er. Er hatte drei lange Matches. Mit seiner Spielweise muss er viel über die langen Rallyes gehen. Das war heute zu meinem Vorteil.“ Dennoch kamen die Zuseher in der Rod Laver Arena durchaus auf ihre Rechnung, vor allem im ersten Satz gab es einige spektakuläre Ballwechsel. So etwa schlug Nishikori bei 1:3 im Zurücklaufen durch die Beine, was Murray nur mit einem zahmen, hohen Volley beantworten konnte, den Nishikori zum Winner verwertete. Als Murray sich kurz darauf auch an einem „Tweener“ versuchte, verfehlte er den Ball und hätte beinahe seine Familienplanung in Gefahr gebracht…

Djokovic ist gewarnt

Das Betreuerteam von Murray, inklusive Neo-Coach Ivan Lendl, zuckte in diesem Moment ziemlich zusammen, doch das übrige Match konnte relativ gelassen verfolgt werden. „Ich hab hier bisher kaum einmal über zwei Stunden gespielt“, sagte Murray, „also ja, ich fühle mich frisch. Hoffentlich wird das, wenn es dem Wochenende zugeht, mein Vorteil. Ich werde in der Schlussphase hier mit Sicherheit viele lange Rallyes spielen müssen. Also brauche ich auch frische Beine für die restlichen Matches.“ Doch auch Djokovic hat bisher lediglich einen Satz abgegeben. Der Serbe ist vor dem Halbfinale gewarnt: „Ich werde es natürlich versuchen, das Spiel vom Finale im letzten Jahr zu wiederholen, aber ich werde mehr brauchen. Murray ist in toller Form und ganz gierig darauf, hier seinen ersten Grand-Slam-Titel zu holen.“ (Text: MaWa; Foto: GEPA pictures/ Matthias Hauer)

 

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Kommentare
Kommentare (2)
   
26.01.2012 14:36:10
manuel.wachta
Danke für den Hinweis, aber eingedeutscht wird sehr wohl das Wort "taff" allgemein verwendet. Ist in jedem Wörterbuch zu finden.
26.01.2012 06:40:33
Gottschalk
Es war richtig TOUGH muß es heißen - das wort TAFF gibt´s ja wohl nicht .....