Jürgen Melzer bleibt vorerst der einzige österreichische Nachwuchsspieler der Geschichte, der im Einzel ein Grand-Slam-Turnier (Wimbledon 1999) für sich entscheiden konnte. Wie Thomas Muster vor 26 Jahren verlor Dominic Thiem am heutigen Sonntag das Finale der French Open in Paris. In einem dramatischen Match setzte sich der US-Amerikaner Björn Fratangelo mit 3:6, 6:3, 8:6 durch.
Thiem legt vor
Das 17-jährige österreichische Toptalent, das im Turnierverlauf nur einen Satz abgegeben hatte, legte gegen den ungesetzten US-Boy wie aus der Pistole geschossen los und mit dem Break zum 3:1 den Grundstein zum Satzgewinn. Nach 33 Minuten servierte der aus Lichtenwörth bei Wr. Neustadt stammende Thiem cool zum 6:3 aus.
Wie beim Halbfinal-Sieg gegen den Kroaten Mate Delic hatte Thiem aber auch im Endspiel mit seinem Aufschlag zu kämpfen. Nachdem er schon im ersten Satz nur extrem niedrige 32 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld gebracht hatte, sank der Wert im zweiten Satz unter 30 Prozent. Folge waren zwei Breaks Fratangelos und ein 0:4-Rückstand im zweiten Satz.
Dramatisches Finish
Thiem kämpfte, holte postwendend ein Break auf und stellte auf 2:4 und 3:5, ehe Fratangelo aber doch den Satzausgleich herstellte. In der Entscheidung blieb es hochspannend, bis zum Stand von 4:4 konnte sich keiner der beiden Spieler eine Breakchance erarbeiten.
Dann musste Thiem aber erstmals gehörig zittern, als er bei 4:4 und 30:40 sowie Vorteil Fratangelo zwei Breakchancen abzuwehren hatte. Doch der 17-Jährige befreite sich aus der heiklen Situation und setzte seinen Gegenspieler mit dem Spielgewinn unter Druck. Nun musste Fratangelo gegen den Matchverlust servieren.
Fratangelo mit dem besseren Ende
Das US-Talent zeigte sich aber nervenstark, stellte zu Null auf 5:5 und hatte auch beim nächsten Service-Game Thiems wieder einen Breakball. Wiederum gelang Thiem aber die Befreiung: 6:5 für den Niederösterreicher. Danach fehlten Thiem bei 6:5 und 30:30 nur zwei Punkte zum Triumph, doch Fratangelo war dem Druck erneut gewachsen und stellte auf 6:6.
Es folgte das dritte Aufschlagspiel in Folge, in dem Thiem Breakbälle gegen sich hatte - diesmal bei 0:40 gleich drei am Stück. Fratangelo nützte gleich den ersten und stellte auf 7:6. Es war die Vorentscheidung, denn danach ließ Fratangelo nichts mehr anbrennen und holte sich den Titel nach etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit.
In einer Reihe mit Gonzalez, Coria, Monfils, ...
Fratangelo wandelt damit auf den Spuren von Spielern wie Fernando Gonzalez, Guillermo Coria, Richard Gasquet, Stan Wawrinka oder Marin Cilic, die allesamt in den letzten 15 Jahren den Junioren-Bewerb von Roland Garros für sich entscheiden konnten. Thiem darf sich mit der Tatsache trösten, dass Österreichs Tennis-Legende Thomas Muster 1985 ebenfalls im Finale gestoppt worden war, aber als Profi die wesentlich erfolgreichere Karriere als sein damaliger Bezwinger Jaime Yzaga einschlagen sollte. (Text: sp, Foto: GEPA pictures / Matthias Hauer)
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