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Angelique Kerber nach Wimbledon-Rückkehr: "Unfassbar nervös"

Angelique Kerber hat am Dienstag die zweite Runde von Wimbledon erreicht. Gegen Tatjana Maria mühte sie sich zu einem 6:4, 6:3-Auftakterfolg.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 02.07.2019, 20:15 Uhr

Es war eine zähe Geduldsprobe, ein hartes Stück Arbeit, eine komplizierte Partie Rasenschach im Herzen von Wimbledon. Aber nach einer Stunde und 21 Minuten hatte Angelique Kerber ihre emotionale Rückkehr an den Schauplatz ihres größten Karrieretriumphs doch zu einem glücklichen Ende gebracht. 

Und nach acht deutschen Niederlagen war es standesgemäß die Titelverteidigerin der Offenen Englischen Meisterschaften, die die nationale Pleitenserie mit einem 6:4, 6:3-Sieg gegen Landsfrau Tatjana Maria beendete. „Es war ein sehr spezieller Moment, den Centre Court zu betreten. Dort, wo ich letztes Jahr diesen Supererfolg hatte“, sagte Kerber, „ich bin aber auch froh, dass ich das hinter mir habe.“

Erst nach dem verwandelten Matchball löste sich die Anspannung bei Kerber, die um genau 13 Uhr mit hochkonzentrierter Miene auf den Hauptplatz des All England Club geschritten war. „Natürlich war auch enormer Druck da, das heute zu gewinnen. Du willst als Titelverteidigerin nicht das erste Match verlieren. Ich war unfaßbar nervös“, sagte die 31-jährige, die im letzten Jahr das Frauenturnier mit ihrem spektakulären Finalcoup gegen Serena Williams beendet und für den ersten deutschen Wimbledon-Glücksmoment in diesem Jahrhundert gesorgt hatte.

Kerber trifft nun in der zweiten Runde auf die Amerikanerin Lauren Davis, eine kleine, bullige Kämpfernatur: „Das wird nicht leicht. Sie ist sehr beweglich, läuft um jeden Ball. Ich muss da sicher alles selbst in die Hand nehmen, die Punkte zu Ende spielen.“

Kerber fühlte sich beim ersten Auftritt des Jahres 2019 stark an den letzten Auftritt des Jahres 2018 erinnert. Herzogin Kate war wieder in der Royal Box als ehrenwerte Augenzeugin präsent, auch Schiedsrichter Kader Nouni saß erneut auf dem Stuhl – nur der Rasen erstrahlte noch in beinahe unschuldigem Grün. Und die Gegnerin, selbstverständlich, hatte ein anderes Gesicht – Tatjana Maria, die Tennis-Mutter aus dem Schwäbischen, die inzwischen in Florida lebt. Maria ist für ihr unkonventionelles Spiel bekannt, mit vielen Schnittbällen, sie ist eine Meisterin der Entschleunigung auch, gibt der Gegnerin kein Tempo.

Kerber wusste das alles, sie hatte sich auch im Training darauf vorbereitet, und doch hatte sie ihre liebe Müh´ und Not mit der Fed Cup-Kollegin. „Es ist schwer, gegen sie einen Rhythmus zu finden“, sagte Kerber hinterher, „der Schlüssel zum Sieg war, dass ich die nötige Geduld mitgebracht habe.“

Nicht nur die Geduld war entscheidend, sondern auch, dass sich Kerber manch leichtsinnigen, überflüssigen Fehler verzieh. Und weiter, immer weiter machte, beharrlich und trotzig. „Ich weiß eben, dass die ersten Grand Slam-Spiele immer schwer sind. Da kannst du nicht gleich dein bestes Tennis spielen. Es zählt, dass du erfolgreich spielst“, sagte Kerber später. Erst im zweiten Satz trat Kerber deutlich befreiter auf, mit mehr Selbstvertrauen ins eigene Spiel, mit mehr innerer Freiheit. „Das Ziel ist jetzt, sich von Tag zu Tag, von Spiel zu Spiel steigern“, so Kerber.

Vor Kerbers Sieg hatte zunächst Andrea Petkovic die deutsche Horrorbilanz in London SW19 um ein weiteres Kapitel des Scheiterns bereichert – die in Paris noch sehr überzeugende Darmstädterin verlor gegen die rumänische Schnibbelartistin Monica Nicolescu mit 6:2, 2:6 und 5:7.

Julia Görges und Laura Siegemund dagegen folgten Frontfrau Kerber einigermaßen mühelos in die zweite Runde, Siegemund gewann gegen die Britin Katie Swan mit 6:2 und 6:4 und trifft nun auf Barbora Strycova (Tschechien). Die letztjährige Halbfinalistin Görges bezwang Elene-Gabriela Ruse (Rumänien) mit 7:6 und 6:1 und bekommt es nun mit Varvara Flink (Russland) zu tun.

Nach dem Totaldesaster am Montag rückten nun wenigstens zwei deutsche Herrenspieler nach Auftaktsiegen in Runde zwei vor: Wild Card-Starter Dominik Köpfer veredelte seinen Premierenauftritt im All England Club mit einem 6:3, 4:6, 7:6 (11:9), 6:1-Sieg gegen den Serben Filip Krajinovic, Köpfer spielt nun entweder gegen den Argentinier Diego Schwartzman oder den Australier Matthew Ebden. Jan-Lennard Struff, der beständigste deutsche Profi dieser Saison, überzeugte beim 6:4, 6:3, 6:2-Sieg gegen den Moldauer Radu Albot. Er trifft jetzt auf den US-Amerikaner Taylor Fritz.

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02.07.2019, 20:15 Uhr
zuletzt bearbeitet: 02.07.2019, 20:15 Uhr

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