Finale! Gerald Melzer kämpft topgesetzten Martin Klizan nieder

Österreichs Nummer zwei setzt sich gegen den Hausherrn in der Slowakei knapp in drei Sätzen durch.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 17.06.2016, 16:39 Uhr

Jürgen Melzer

Einen Top-50-Mann schlägt man nicht alle Tage, doch genau das ist Gerald Melzer an diesem Freitagabend gelungen. Der 25-Jährige hat beim ATP-Challenger in Poprad-Tatry nach zuerst drei Zwei-Satz-Siegen durch einen Semifinal-Erfolg gegen Martin Klizan etwas überraschend das Endspiel erreicht. Der sechstgereihte Niederösterreicher (ATP 120) rang den topgesetzten Slowaken (ATP 50) im Linkshänder-Duell nach rund 2:42-stündigem Kampf mit 6:3, 5:7, 6:4 nieder. Der Deutsch-Wagramer spielt beim 42.500-Euro+H-Sandplatzturnier am Samstag (um nicht vor 14:00 Uhr MESZ) nun um den fünften ATP-Challenger-Titel seiner Karriere, seinen schon vierten in dieser Saison. Dabei erwartet ihn ein weiterer "Leftie": der zweitpositionierte Argentinier Horacio Zeballos (ATP 98).

Hin und Her mit Happy End

Nach den drei zuvor sehr souveränen Auftritten Melzers war das vierte Match des Schützlings von Werner Eschauer diesmal nichts für schwache Nerven. Er lieferte sich mit Klizan ein sehr ansehliches Grundlinien-Duell mit auch häufigem Zug zum Netz. Auf den völlig offenen Start folgte ein starker Zwischenspurt von 2:3 auf 6:3, 1:0 bzw. 3:1 und 40:15 im zweiten Satz, und auch bei 3:1 und zwei Mal Spielball zum 4:1 im dritten Durchgang schien er bereits dem Sieg entgegenzusteuern - um sich plötzlich bei 3:4 mit Break in der Entscheidung wiederzufinden. Mit dem Rücken zur Wand stehend sowie dem Momentum gegen sich nach seinen verspielten Führungen packte Melzer am Ende jedoch sein annähernd bestes Tennis aus, drehte die Partie und nützte als Rückschläger seinen dritten Matchball.

Melzer: "Freue mich sehr über den Sieg"

Keine Zweifel: ein mental sehr hoch einzuschätzender Erfolg. "Sicher. Ich hätte es im zweiten Satz schon zumachen können. Dann hatte ich im dritten wieder die Chance. Und dann war ich plötzlich wieder mit Break hinten. Ich habe mir bloß gedacht: ‚Was soll's? Es hilft eh nix. Ich fighte eben einfach weiter. Und wenn's in drei Games vorbei ist, dann ist es vorbei, dann kann man nichts machen.' Ich habe geschaut, dass ich es taff für ihn spiele, ihm nichts schenke und keine Fehler mache. Das habe ich geschafft, und es, glaube ich, am Ende verdient gewonnen", schilderte Melzer gegenüber tennisnet.com. Für ihn ist das einer der besten Siege der Karriere - "ich habe ja, glaube ich, erst zwei Top-50-Spieler in München 2015 geschlagen. Und Klizan hat schon große Turniere gewonnen. Ich freue mich sehr über den Sieg."

"Bei Zeballos weiß man nie, was passiert"

Melzer habe auch in den Partien davor "okay und solide gespielt, okay serviert. Ich habe mich ganz gut gefühlt." Die beste Leistung hob er sich aber für diese Vorschlussrunden-Begegnung auf - keine Spur vom Sommerloch des letzten Jahres: "Ich finde, ich bin jetzt auch einfach ein ganz anderer Spieler", wird er nicht müde zu betonen. Nach seinem Coup im ersten Vergleich mit Klizan wartet der dritte mit Zeballos, gegen den er im Vorjahr im Fürth-Achtelfinale ganz glatt mit 3:6, 2:6 verloren hatte, heuer jedoch im Februar, auf seinem Weg zum Triumph beim Morelos-Challenger, im Semifinale 6:7 (1), 6:3, 6:4 gewann. "Das Spiel war in Höhenlage auf Hartplatz, und da weiß ich bis heute nicht, wie ich es damals gewonnen habe. Es wird diesmal ein ganz anderes Match. Er ist ein richtig guter Spieler, hat bereits Nadal auf Sand geschlagen - bei ihm weiß man nie, was passiert."

Knackt Melzer erstmals die Top 100?

Erfreulich: Mit seinem Finaleinzug sind Melzer schon 55 ATP-Punkte sicher. Mit diesen wird er sich in der Weltrangliste womöglich bis auf Platz 105 und damit vielleicht auch sein Career High von Rang 107 verbessern. Bei einem Triumph könnte sich theoretisch gar der erstmalige Sprung unter die Top 100 der Welt ausgehen. Melzer gab zwar zu, im Vorfeld doch ein wenig gerechnet zu haben, die Live-Rankings habe er sich allerdings zuletzt nicht mehr angesehen - die Schallmauer sei nicht wirklich im Hinterkopf. Schließlich soll Platz 100 einmal auch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Hier die Ergebnisse aus Poprad-Tatry: Einzel , Doppel , Einzel-Qualifikation .

Hier der Spielplan.

von tennisnet.com

Freitag
17.06.2016, 16:39 Uhr