ATP Cup: Muster, Becker, Albot - Das Spiel der Kapitäne

Tennis Australia hat sich als Veranstalter alle Mühe gegeben, auch auf der Kapitänsposition für viel Prominenz zu sorgen. Mit Erfolg. Wobei bisher viele Teamchefs glänzen konnten.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 08.01.2020, 15:47 Uhr

Thomas Muster nimmt seinen Job sehr ernst
© Getty Images
Thomas Muster nimmt seinen Job sehr ernst

Vier österreichische Sieger gab es am Montag in Sydney, drei davon durften im On-Court-Interview  zum Teamkapitän Stellung nehmen. Lediglich Jürgen Melzer kam um die Frage nach Thomas Muster herum - was sollte Melzer aber auch noch anfügen, nachdem sich Oliver Marach als Fan der ersten Stunde geoutet hatte? Dabei hatte sich Muster im Doppel arg zurückgenommen, auch physisch, indem er sich in die zweite Reihe setzte. Und das Coaching Julian Knowle überließ.

Thomas Muster, French-Open-Sieger von 1995 und dem australischen Kontinent herzlich verbunden, nimmt sein Kapitänsamt augenscheinlich sehr ernst. Und hat nicht nur auf dem Platz einiges zu erzählen, sondern auch in der Umkleide, wie Dennis Novak nach dem desaströsen ersten Satz gegen Guido Pella zu erzählen wusste. „Choice words“, würde man dazu in Down Under wohl sagen. Die bei der Niederlage gegen Polen am Mittwoch nicht mehr geholfen haben.

Becker mit modischen Highlights

Gilles Simon dagegen hatte in einer ähnlichen Situation dagegen eine freiwillige Sendepause genommen: Gerade hatte Benoit Paire den bereits sicher geglaubten Sieg gegen Dusan Lajovic versemmelt (und dann erst im dritten Satz doch noch geholt), da sah Simon sich genötigt, den vorgeschriebenen Paire-Sicherheitsabstand einzuhalten. Zumal dieser gleich zwei Schläger spielunfähig gemacht hatte. Also sprang Gael Monfils in die Bresche, munterte seinen Teamkameraden auf. Die Franzosen regeln das ohnehin alles intern, im Match von Paire gegen Kevin Anderson am letzten Tag der Gruppenphase hatte Monfils den Posten des Kapitäns vor Ort eingenommen. Weil Simon sich noch von seinem Auftritt gegen Lloyd Harris erholen musste. Dass am Ende die Kunst beider versagte, Simon und Monfils, lag dann wiederum mehr an Benoit Paire und dessen Scheitern, sowohl im zweiten als auch im dritten Satz das Match auszuservieren.

Viel Aufmunterung hätte auch Alexander Zverev gutgetan, egal in welchem Match. Ob Boris Becker wirklich Zugang zu seinem Nummer-Eins-Spieler gefunden hat, muss offen bleiben.  Vielleicht tappte der Rote Baron auch selbst im Dunkeln, wie er nach der Niederlage gegen Kanada seinem Spieler bescheinigte. Die Aufmerksamkeit Zverevs sollte Becker durch interessante modische Variationen aber doch sicher gewesen sein: An Tag eins mit einer langen weißen Hose, die jedem Chefarzt einer Klinik in Brisbane zur Ehre gereicht hätte. Im Match gegen die Griechen dann im sportlich kurzen Beinkleid, zum Abschluss gegen Kanada die eher strengere Version: lang und schwarz. Interessant indes, ob Becker seine Kapitänsrolle ebenso in einen Betreuer-Posten an Zverevs Seite umdefiniert, wo wie es Thomas Muster und Dominic Thiem nun versuchen wollen.

Vladimir Albot überzeugt

Aber auch an den Accessoires sollte es bei den Teamchefs nicht scheitern. Und da hat Vladimir Albot, der Teamchef der Auswahl der Republik Moldau, eine klare Bewerbung für die Titelrolle in einer möglichen Verfilmung des Spätwerks von Elton John abgegeben.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das bulgarische Experiment, mit Grigor Dimitrov als Playing Captain anzutreten, beinahe gefruchtet hätte. Aber am Ende scheiterte es dann doch am Chef persönlich. Gegen Belgien hatte Dimitar Kuzmanov etwas überraschend Steve Darcis geschlagen, Dimitrov musste gegen David Goffin, einen seiner Lieblingsgegner, nur noch die Früchte dieser Saat einfahren. Und verlor prompt sein Einzel. Und auch noch das Doppel mit Alexandar Lazarov.

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08.01.2020, 18:16 Uhr
zuletzt bearbeitet: 08.01.2020, 15:47 Uhr