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Klare Sache – Dominic Thiem gewinnt das Österreicher-Duell

Nach Auftaktniederlagen 2014 und 2015 steigt der Youngster diesmal mit einem Sieg ins Wiener Turnier ein.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 25.10.2016, 16:58 Uhr

Dominic Thiem

Von Manuel Wachta aus der Wiener Stadthalle

"Ich hätte lieber gegen wen anderen gespielt", hatte Gerald Melzer im Vorfeld formuliert, was wohl beide dachten. Weitaus mehr Spaß an der Begegnung der beiden hatte letztlich auf jeden Fall Dominic Thiem : Der 23-Jährige hat im (nieder)österreichischen Erstrunden-Duell bei den Erste Bank Open 500, zwischen der Nummer eins und zwei im Lande, am Dienstag am späten Abend ganz deutlich den Sieg davongetragen. Der drittgereihte Lichtenwörther (ATP 9) setzte sich gegen den Deutsch-Wagramer (ATP 74) nach bloß knapp 1:04 Stunden Spielzeit mit 6:0, 6:3 durch und steht hiermit also im Achtelfinale des ATP-World-Tour-500-Hartplatzevents in der Wiener Stadthalle. Dort trifft Thiem, der immer noch ums Ticket für die ATP World Tour Finals kämpfen muss, am Donnerstag auf Viktor Troicki (ATP 28) aus Serbien.

Melzer hält nur im zweiten Satz mit

Melzer war mit einem 2:1 im Head-to-head in den vierten Vergleich mit Thiem gegangen und nach Sieg und Niederlage auf Challenger-Ebene in Marokko 2013 zuletzt im Viertelfinale von München 2015 als 7:6-(5),-3:6,-6:3-Gewinner vom Platz gegangen . Eine durchaus enge Sache wäre also nicht unerwartet gewesen, doch die rund 7500 Zuschauer in der Halle sahen diesmal von Beginn weg eine eindeutige Angelegenheit. Thiem setzte den jüngeren der Melzer-Brüder mit starken Auf- und Grundschlägen von Anfang an unter Druck und gab das Zepter im ersten Satz niemals aus der Hand. Nachdem er Melzer nach einem Blitzstart beim Stande von 3:0 bei einem Spielball das Ehrengame verwehrte, war der Abschnitt kurz darauf auch schon gelaufen - die Höchststrafe nach lediglich 21 Minuten bei einem überlegenen 25:8 in Punkten.

Im zweiten Durchgang vergab Thiem bei 1:0 drei Breakchancen. Eine kleine Freudengeste bei seinem verwerteten Spielball bei insgesamt 0:7 konnte sich Melzer nicht verkneifen. In seinen Aufschlagspielen hatte er in Summe zwar mehr Mühe, hielt aber bis zum 3:4 dann um einiges besser mit, bis Thiem schließlich doch zu null das Break glückte. Gerade einmal sechs Punkte hatte der Schützling von Günter Bresnik bis dahin bei eigenem Service verloren, im folgenden Spiel sah er sich jedoch plötzlich mit einem 15:40 konfrontiert. Die Wende blieb aus: Mit vier Punkten in Folge machte Thiem den Sack zu, verwertete gleich seinen ersten Matchball durch einen Vorhand-Longline-Winner und schritt zum (herzlichen) Handshake mit Melzer. Das für beide unangenehme Duell zweier recht guter Freunde hatte einen klaren Sieger gefunden.

Thiem glücklich trotz "kleinem Wermutstropfen"

"Es war ganz, ganz schwierig, auch wenn der erste Satz glatt war", erklärte Thiem nach seiner Partie gegenüber "ORF SPORT+". "Ich habe einen sehr, sehr guten Start erwischt, was sicher darauf zurückzuführen ist, dass ich bereits lange in der Halle trainiert, eine gute Vorbereitung gehabt habe. Aber speziell der zweite Satz war sehr, sehr intensiv und eng - und von dem her bin ich eigentlich sehr zufrieden", freute er sich über seinen erfreulichen Einstieg ins Turnier. "Natürlich bin ich glücklich über den Sieg. Aber es ist gegen einen anderen Österreicher stets ein kleiner Wermutstropfen dabei, vor allem weil ich - wie ich es eigentlich eh mit allen habe - ein sehr gutes Verhältnis zu den Melzers besitze, und das macht es nicht leicht. Ich bin jetzt sehr froh, dass ich mindestens noch eine Partie spiele", bekannte Österreichs Shootingstar.

"Klar war ich nervös", gab Melzer gegenüber "ORF SPORT+" hingegen offen zu. "Die Halle war fast ausverkauft, wir spielen in Wien daheim, es sind extrem viele Leute da, die ich kenne - dann will man natürlich gut spielen. Dann spiele ich auch noch gegen Dominic, der generell auf einem anderen Level spielt." All dies habe zur Nervosität beigetragen. Im zweiten Satz sei es ihm besser ergangen - "ich war erst mal froh, dass ich auf dem Scoreboard oben gestanden bin." Er habe um Punkt für Punkt gekämpft und Game für Game gespielt. "Und ich habe dann eigentlich weniger auf den Stand und einfach nur geschaut, dass ich Punkte gewinne." Es war letztlich dennoch zu wenig. Der Unterschied zur ATP-Tour sei aber nicht so groß wie diesmal - "Dominic ist halt ein Top-Ten-Spieler. Bei seinem Service habe ich überhaupt keine Chance gehabt, und wenn du nur einen schlechten Ball spielst, bist du auf der Reise. Oder es ist schon vorbei. Er spielt halt einfach auf einem anderen Level."

Melzers Saison "mit dem heutigen Tag beendet"

"Ich habe mein Bestes gegeben - leider hat nicht mehr dabei rausgeschaut", beschloss Melzer seine Spielanalyse. Die Umstellung von Sand im Freien auf Hartplatz in der Halle sei diesmal dennoch "um einiges besser gelungen als in den vergangenen Jahren. Nichtsdestotrotz bin ich jetzt ein bisschen enttäuscht, dass ich heute nicht mehr zeigen habe können." Seine Saison sei "mit dem heutigen Tag beendet", es war die mit Abstand erfolgreichste in seiner Karriere. Für Thiem geht selbige am Mittwoch mit einem Doppel-Abendmatch mit seinem Kumpel Dennis Novak gegen die US-Zwillingsbrüder Bob und Mike Bryan , das wohl beste Team aller Zeiten, weiter und am Donnerstag schließlich mit der Zweitrunden-Einzelpartie gegen Troicki. Gegen den 30 Jahre alten Ex-Weltranglisten-Zwölften hat er beim einzigen Duell in Gstaad 2014 auf Sand eine 6:7-(4),-4:6-Niederlage kassiert.

Hier die Ergebnisse aus Wien: Einzel , Doppel , Einzel-Qualifikation , Doppel-Qualifikation .

Hier der Spielplan.

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Dienstag
25.10.2016, 16:58 Uhr