Tommy Haas – „Was sagen die Fans?”

Der deutsche Veteran zeigt sich in Wien für Veränderungen im Tennissport offen.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 23.10.2016, 00:00 Uhr

Auslosung fuer die Erste Bank Open 2016 in der Wiener Stadthalle (Tommy Haas/GER, David Ferrer/ESP und Turnierdirektor Herwig Straka); Copyright: e-motion/Bildagentur Zolles KG/Christian Hofer, 22.10.2014 Die Fotos sind zur redaktionellen Verwendung...

n der Auslosung zum Hauptfeld der Erste Bank Open 500 hat Tommy Haas eine tragende Rolle eingenommen, gemeinsam mit David Ferrer und Turnier-Direktor Herwig Straka die Plätze im Tableau via Los verteilt. Dass sich sein Name nicht unter den 32 Teilnehmern in der Wiener Stadthalle findet, nimmt der gebürtige Hamburger mit der Gelassenheit des Elder Statesman, der an Ort und Stelle schon zweimal reüssiert hat. Im Wiener Grand Hotel, wo ein Großteil der Profis untergebracht ist, nimmt Haas aber auch die Zukunft des Tennissports in seinen Fokus. Eine Zukunft, an der er am Sonntagabend in Wien bei der zweiten Austragung eines "Tie Break Tens"-Turniers eine gute Rolle spielen möchte.

"Die Überlegungen muss es immer geben", sagt der 15-fache Champion auf der ATP-Tour in Hinblick auf eine mögliche Verkürzung der Matches durch eine Anpassung des Regelwerks. "Man muss hören: Was sagen die Fans? Was sagt das Fernsehen?" Generell werde es aber schwer, die Rahmenbedingungen etwa bei den Grand-Slam-Turnieren zu verändern. "Dieses Formate ist ja auch dazu da, um zu sehen, wie körperlich fit ist man. Wie weit muss man als Spieler gehen, um den letzten Punkt zu gewinnen?" Der Tennissport gewinne schließlich auch dadurch seinen Reiz, dass man eben nicht sagen kann, wie lange ein Match dauere.

Bald Akademie-Leiter?

Unabhängig von seiner sportlichen Zukunft hat Tommy Haas schon einen Fixpunkt für die Zeit nach der Karriere gesetzt: Als Turnierdirektor des ATP-Masters-1000-Turniers in Indian Wells, das bei vielen Profis als "fünftes Major" gilt, wird der Deutsche mit US-amerikanischen Pass seine Erfahrungen aus mittlerweile 20 Jahren auf der Tour mit einbringen. Und womöglich eine ganzjährige Nutzung der Anlage von Oracle-Boss Larry Ellison in die Wege leiten. "Es wäre schade, wenn die Courts pro Jahr auch weiterhin nur für zwei Wochen genutzt wurden." Vielmehr würden der 38-Jährige und Ellison schon seit längerem die Idee einer Tennis-Akademie diskutieren.

Mit einem Thema hat Haas, wie es scheint, abgeschlossen: dem Davis Cup, einem Wettbewerb, der ihm Zeit seiner Karriere extrem nah am Herzen gelegen hat. Dass dies bei der jüngeren Generation um Dominic Thiem oder Alexander Zverevwomöglich nicht so ist, zu diesem Schluss möchte die ehemalige Nummer zwei der Welt nicht kommen. "Das ist von außen unheimlich schwer zu beurteilen." Die Teams um die beiden Youngster seien derart professionell aufgestellt, dass die Entscheidung, ob man Olympia oder den Davis Cup spielt, wohlüberlegt seien. Und wahrscheinlich größeren Überlegungen in der Saisonplanung geschuldet.

von Jens Huiber

Sonntag
23.10.2016, 00:00 Uhr