ATP Finals 2019 - Die mentale Stärke von Alexander Zverev

Bei den ATP Finals vom 10. bis 17. November treffen in London die besten acht Tennisprofis der vergangenen Saison aufeinander. Welche mentale Voraussetzung muss man mitbringen, um dieses Turnier zu gewinnen? Betway Sport führte dazu ein Gespräch mit dem Mentaltrainer Markus Hornig, der Spitzensportler und Topmanager coacht.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 08.11.2019, 10:53 Uhr

In engen Situation ist Alexander Zverev zumeist voll da
© Getty Images
In engen Situation ist Alexander Zverev zumeist voll da

Markus Hornig: Am Ende einer Saison ist es für jeden Topspieler anstrengend, sich noch einmal auf so ein schweres Turnier zu konzentrieren. Man muss mindestens drei Gruppenspiele absolvieren und spielt nur gegen die Besten der Welt. Das macht dieses Turnier einzigartig. Die Geschichte zeigt, dass am Ende zumeist die Top-Champions den Titel unter sich ausmachen, was für deren mentale Stärke spricht. In den 10 Jahren von 2006 bis 2015 haben neunmal Djokovic (5 Siege) oder Federer (4 Siege) gewonnen. Insofern war der Gewinn von Alexander Zverev im Vorjahr, der noch nie in einem Halbfinale bei einem Grand Slam gestanden hat, eine absolute Überraschung.

Warum ist das so?
Markus Hornig: Topspieler wie Rafael Nadal, Roger Federer oder Novak Djokovic besitzen die Fähigkeit, sich noch einmal für diese Woche auf den Punkt zu fokussieren. Für sie ist das ATP-Finale neben den Grand Slams ein absolutes Highlight. Sie können mit diesem speziellen Druck umgehen nur gegen die Besten der Welt zu spielen, von denen jedes einzelne Match ein Grand-Slam-Finale sein könnte.

Hat Titelverteidiger Alexander Zverev aktuell die Einstellung, das Turnier zu gewinnen?
Markus Hornig: Seine Einstellung scheint aktuell nicht optimal. Er schafft es nicht, über einen längeren Zeitraum konstant zu spielen. Das ist aber der Schlüssel, um sich in der Weltspitze langfristig zu etablieren. Erschwerend kommt hinzu: Im vergangenen Jahr war Alexander Zverev bei den ATP Finals der absolute Außenseiter und hatte nichts zu verlieren. Jetzt ist er der Titelverteidiger und Gejagter und schon sieht das ganze Ding anders aus. Jeder im Sport weiß, dass es ungleich leichter ist einen großen Titel zum ersten Mal zu gewinnen als diesen zu verteidigen. Deswegen würde ich mein Geld nicht auf ihn setzen. 

Alexander Zverevs mentale Stärke in Zahlen
© Betway
Alexander Zverevs mentale Stärke in Zahlen

n der einen Woche zieht Alexander Zverev ins Finale ein, in der nächsten scheidet er in der ersten Runde aus. Woran liegt das?
Markus Hornig: Tennis ist aus mentaler Sicht eine brutale Sportart. Du wirst permanent mit deinen Fehlern und Unzulänglichkeiten konfrontiert. Machst du einen Fehler, bekommt dein Gegner direkt den Punkt gutgeschrieben. Dazu ist Tennis technisch und koordinativ eine der anspruchsvollsten Sportarten überhaupt. Triffst Du den Ball nicht sauber, verliert er sofort an Qualität oder geht gleich ins Netz oder ins Aus. Und wenn Du verkrampft oder angespannt bist, überträgt sich das unmittelbar auf die Technik, d.h. das Ballgefühl schwindet, der Schwung geht verloren, der Arm wird schwer, kurz: Du schaffst es nicht, Dein eigentliches Potenzial abzurufen, wenn der Kopf nicht mitspielt und negative Emotionen das Kommando haben. Dies scheint bei Zverev der Fall. Offenbar hat er seine Emotionen nicht im Griff und kann nicht gegensteuern. Seine Emotionen haben ihn unter Kontrolle und das ist das Fatale.

Was könnte Zverev tun, damit das besser wird?
Markus Hornig: Fakt ist: Tennis wird im Kopf entschieden! Selbstkontrolle und Psychoregulation sind von elementarer Bedeutung. Wenn ich dieses „innere Spiel“, das permanent im Kopf abläuft, nicht verstehe und beherrsche, nutzen mir die besten Schläge nichts. Federer war in jungen Jahren ein ähnlich hitziger Typ wie Zverev, hat sich aber früh auf mentaler Ebene weiterentwickelt und damit die Basis für seine außergewöhnliche Karriere gelegt. Auch Novak Djokovic ist ein Meister der mentalen Stärke. Er beherrscht die Kunst der Achtsamkeits-Meditation, d.h. auch bei ihm kochen negative Emotionen und Gedanken hoch, er hat jedoch gelernt diese vorbeiziehen zu lassen, indem er sich auf seine Atmung konzentriert und sich zur inneren Ruhe animiert. Ein unglaubliches Beispiel mentaler Stärke hat Djokovic im diesjährigen Wimbledonfinale vollbracht, in dem die Zuschauer bekanntlich ja größtenteils Federer unterstützen. Immer wenn diese „Roger, Roger!“ skandierten, drehte Djokovic das um und tat in seinem Kopf so als würden sie „Novak! Novak!“ rufen.

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Freitag
08.11.2019, 11:50 Uhr
zuletzt bearbeitet: 08.11.2019, 10:53 Uhr

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