ATP Finals: Nadal, Federer, Thiem, Zverev und Co. - nur gute Noten

Das große Finale der ATP Finals steht noch an. Wir haben uns aber jetzt schon auf die Suche nach positiven Aspekten der vergangenen sieben Spieltage gemacht. Und sind bei allen Spielern fündig geworden.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 17.11.2019, 11:19 Uhr

Da wusste noch keiner, wer am Sonntag im Finale steht
© Getty Images
Da wusste noch keiner, wer am Sonntag im Finale steht

Rafael Nadal kämpft und kämpft und …

Das Fragezeichen, das über dem Start von Rafael Nadal bei den ATP Finals 2019 gehangen hat, war mindestens ebenso groß wie der Pokal, den der Spanier am Freitag von ATP-Boss Chris Kermode für seine Nummer-Eins-Saison bekommen hat. Der Auftritt gegen Alexander Zverev hat die Zweifler nicht beruhigt, und auch bis zum 1:5 im Dritten gegen Daniil Medvedev sah die Geschichte eher nicht nach Happy End aus. Der Rest ist jüngere Tennisgeschichte, und dieser Rest schließt den Drei-Satz-Kampf gegen Stefanos Tsitsipas mit ein. Das nächste Fragezeichen kommt aber nicht nur bestimmt, sondern schon sehr bald: Wie fit wird Nadal für das Davis-Cup-Finalturnier in Madrid sein?

Novak Djokovic zeigt Größe

Ja, die ATP Finals sind nach dem problemlosen Auftakterfolg von Djokovic gegen Matteo Berrettini den Weg des Dodo Birds gegangen. Kein Halbfinale, keine Nummer eins am Ende des Jahres. Und auch: nur wenig Liebe vom Publikum. Damit schlägt sich Nole ja schon seit Jahren herum, der direkte Vergleich in der Publikumsgunst zwischen ihm und Rafael Nadal und Roger Federer fällt zumeist zu Ungunsten des Serben aus. In London war das nicht anders. Dass Djokovic nach der Niederlage gegen Federer, bei der das Verhalten der Zuseher gegenüber Djokovic von einigen Beobachtern als grenzwertig unfair eingestuft wurde, kein Fass aufgemacht hat, spricht für die Größe des 32-jährigen Weltranglisten-Zweiten.

Roger Federer besiegt Nole

Er selbst habe gar nicht gewusst, erzählte Roger Federer nach seinem Erfolg gegen Novak Djokovic im letzten Spiel der Gruppe Björn Borg bei den ATP Finals, dass er gegen den Serben seit 2015 nicht mehr gewonnen hatte. Doch, tatsächlich, so ist es. Und dass im vergangenen Sommer in Wimbledon die Niederlage mit den größtmöglichen Schmerzen verbunden war, das hatte der Schweizer eigenen Angaben nach viel schneller verkraftet als die Journalisten, die ihn immer wieder danach fragten. Quintessenz: Unter bestimmten Umständen ist Novak Djokovic auch für Roger Federer noch schlagbar.

Daniil Medvedev lernt immer weiter

Drei Niederlagen in drei Matches, mit dieser Bilanz kann Daniil Medvedev natürlich nicht zufrieden sein. Vor allem die Pleite gegen Rafael Nadal nach 5:1-Führung im dritten Satz entbehrte allerdings nicht einer gewissen Tragikomik. Je näher das irgendwann unabwendbar erscheinende Desaster auf Medvedev zukam, umso intensiver und auch lakonischer wurde der Austausch zwischen den Russen und seiner Box. Dass dieser Weg nicht zum Erfolg führt, weiß der Sieger von Shanghai und Cincinnati. Und formulierte dies in der PK nach dem Nadal-Match dergestalt: „Als ich jünger war, war ich auf dem Court komplett verrückt. Ich habe mir keinen einzigen Fehler zugestanden, habe den Schläger direkt über den Zaun geworfen. Daran habe ich viel gearbeitet. Ich habe mich verbessert, aber das ist immer noch nicht genug.“

Thiem einigt sich mit seinem Körper

Mitte der Woche hat sich Dominic Thiem gerne mit Mütze durch die Halle bewegt, sogar das Hotel gewechselt, um gesund zu werden. Die Stimme im Siegerinterview nach dem Match gegen Alexander Zverev klang dann auch schon deutlich weniger belegt als noch nach dem epischen erfolg gegen Novak Djokovic. Es ist fast so, als hätte sich Thiem mit seinem Körper auf Folgendes geeinigt: Du lässt mich jetzt noch zwei Tage problemlos Tennis spielen. Und ich gönne Dir danach zwei Wochen Urlaub.

Stefanos Tsitsipas ist sein Eintrittsgeld wert

Der Freitagnachmittag brachte für Stefanos Tsitsipas die erste Niederlage bei den ATP Finals. Zu einem Zeitpunkt, an dem es für den Griechen nur noch darum gegangen war, ob er als Gruppenerster oder -zweiter in das Halbfinale einzieht. Im Grunde hat Tsitsipas gespielt, damit wir mehr sind, um den österreichischen Kabarettisten Alex Kristan (wahrscheinlich falsch) zu zitieren. Dennoch hat sich der 21-jährige Athener knapp drei Stunden lang ins Zeug gelegt, als hinge Wohl und Wehe seiner gesamten Familie vom Ausgang dieses Matches ab. Die Zuschauer haben es goutiert. Und Tsitsipas hat die Gruppe trotz der Niederlage gewonnen.

Alexander Zverev spielt pures Tennis

Abgesehen von seinen in London beeindruckenden sportlichen Exploits muss man Zverev zum wiederholten Male dafür belobigen, dass er als einziger Spieler dem Towelling völlig abgeschworen hat (die Varianz im Feld reicht von nach jedem Ballwechsel bis nach jedem Spielgewinn). Und dass der 22-jährige Deutsche auch bei den Seitenwechseln nicht lange herum fackelt. Die 90 gestatteten Sekunden nutzt Zverev so gut wie nie aus, steht schon wieder bereit, wenn sein Gegner noch am letzten Biss Banane kaut.

Matteo Berrettini fährt mit einem guten Gefühl nach Madrid

Die Premieren-Nervosität gegen Novak Djokovic sei Berrettini natürlich zugestanden, das darauf folgende Match gegen Roger Federer hat für den Italiener einfach ein schlechtes Match-Up mit sich gebracht. Und ja: Für Dominic Thiem ging es im dritten Spiel nicht mehr um viel mehr als 200 Punkte für die ATP-Weltrangliste. Der Österreicher hat sich dennoch gewehrt, Berrettini den einzigen Sieg in zwei Sätzen eingefahren. Und kann damit mit einem Erfolgserlebnis nach Madrid fahren, wo ihn das italienische Team mit Fabio Fognini, den man sich in London auch sehr gut hätte vorstellen können, schon wartet.

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