Dominic Thiem und seine kleine technische Evolution in den letzten fünf Monaten

Welche Abläufe der Österreicher in seinem Spiel optimiert hat.

von Marco Kühn
zuletzt bearbeitet: 18.11.2016, 00:00 Uhr

Dominic Thiem

In der Weltspitze machen die vielen Kleinigkeiten den großen Unterschied. Federer, Murray, Djokovic und Nadal verändern und verbessern immer wieder ihre Technik. Auch Dominic Thiem hat sich in den letzten fünf Monaten auf dem Platz verändert. Nicht nur verändert, verbessert. Die Erfolgserlebnisse haben seine Körpersprache auf dem Platz verbessert. Als Person wirkt er anders als noch vor einem Jahr. Aber auch im technischen Bereich hat der junge Österreicher in den letzten Monaten Kleinigkeiten verändert. Damit besitzt er bereits jetzt die Eigenschaft, die andere Spieler zu Champions gemacht haben. Dominic Thiem will sich immer weiterentwickeln - selbst wenn es gut läuft. In seinem besten Jahr als Profi scheint er keine Trainingseinheit zu verschwenden. Es wird die Weiterentwicklung des eigenen Spiels in den Vordergrund gestellt. Nicht einzelne Ergebnisse und Triumphe. Diese resultieren erst aus der Weiterentwicklung.

Der Aufschlag

Dominic Thiem hat seine Aufschlagbewegung verkürzt. Er nimmt den Schläger nun direkter in den Rücken, bevor er den Ball tatsächlich schlägt. Ihm bleibt mehr Zeit, eine solide Körperspannung aufzubauen. Das Zurücknehmen des Schlägers in den Rücken erinnert beim Zuschauen etwas an den Bewegungsablauf von Andy Murray.Im Sommer bestimmte noch eine recht große Schleife den Aufschlag von Thiem. Diese gehört nun der Vergangenheit an. Es ist interessant zu sehen, in welchen Bereichen die Profis Veränderungen vornehmen. Eine Veränderung des Bewegungsablaufs ist immer ein großer Eingriff. Das Timing beim Schlag verändert sich. Die neue Gewohnheit muss erst in Fleisch und Blut überlaufen. Das Umsetzen funktionierte bei Thiem aber bereits hervorragend.

Der Return

Novak Djokovic ist einer der besten Returnspieler aller Zeiten. Für diesen grandiosen Return nimmt er stets eine ganz bestimmte Haltung ein. Tiefer Körperschwerpunkt, kerzengerader Rücken, weit aufgerissene Augen. Eine sehr bissige Haltung also. Auch Thiem wirkte bei den ATP World Tour Finals bissiger beim Return. Er steht nicht nur näher an der Linie. Auch seine Haltung wirkt entschlossener und griffiger. Durch den tieferen Körperschwerpunkt wirkt Thiem schneller am Ball. Mit seiner einhändigen Rückhand kann er die Aufschläge des Gegners noch besser blocken.

Der Return gehört mit zu den wichtigsten Schlägen, um in der Weltspitze erfolgreich sein zu können. Dominic Thiem besitzt beim Return nun mehr Möglichkeiten und Optionen, um auf den Aufschlag des Gegners reagieren zu können. Verbessert er dadurch seinen Return, verbessert sich automatisch sein gesamtes Spiel. Zwei kleine Veränderungen im Spiel von Thiem, die ganz klar eine Richtung vorgeben: Entwicklung. Kaum ein anderer Spieler besitzt so viel Potenzial wie Thiem. Man darf gespannt sein, in welchen Bereichen noch Veränderungen vorgenommen werden - und welche Ergebnisse diese Veränderungen bringen werden.

von Marco Kühn

Freitag
18.11.2016, 00:00 Uhr