„Es gibt gewisse Baustellen“ – Kommt Roger Federer topfit zurück?

Der "Maestro" sei im Fahrplan, dennoch mahnt sein Fitnesscoach Pierre Paganini zur Vorsicht.

von Björn Walter
zuletzt bearbeitet: 16.11.2016, 00:00 Uhr

ROME, ITALY - MAY 11: Roger Federer of Switzerland in action against Alexander Zverev of GErmany during day four of the The Internazionali BNL d'Italia 2016 on May 11, 2016 in Rome, Italy. (Photo by Matthew Lewis/Getty Images)

Nur noch knapp sieben Wochen, dann wird Roger Federerbeim Hopman Cup in Perth auf die Tennis-Tour zurückkehren. In seinem ersten Spiel bei der inoffiziellen Mixed-WM trifft der "Maestro" am 2. Januar ab 17:30 Uhr Ortszeit auf den Briten Daniel Evans. Was noch nicht feststeht, ist, in welcher Form sich der 35-jährige Schweizer bei seinem Comeback präsentieren wird. "Die finale Vorbereitungsphase beginnt jetzt", betont Federers Fitnessguru Pierre Paganini im Gespräch mit dem Schweizer "Tagesanzeiger". Sein Schützling befinde sich im Fahrplan, gewisse Baustellen seien aber dennoch vorhanden.

Müssen sich die Federer-Fans etwa sorgen machen? "Nein, nein, das wäre falsch", beruhigt der erfahrene Westschweizer, der seit dem Jahr 2000 als Fitnesstrainer des 17-fachen Grand-Slam-Siegers fungiert. Dennoch dürfe nicht vergessen werden, dass Abnutzungserscheinungen nach so vielen Jahren normal seien. Paganini schwankt offensichtlich zwischen Zuversicht und vorsichtiger Zurückhaltung. Wie er Federers körperlichen Zustand konkret beurteilt und warum der Baselbieter "arbeitet, als ob er allen etwas schuldig wäre", lest ihr hier.

Pierre Paganini über...

... den aktuellen Stand der Vorbereitung:

"Bis jetzt sind wir total im Fahrplan, und darüber sind wir alle sehr happy. Aber wir sind auch sehr vorsichtig und sorgfältig. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir von einem Spieler sprechen, der schon sehr, sehr viel gespielt hat in seinem Leben. Da gibt es einfach gewisse Baustellen, die gehören dazu. Und diese werden ihn auch mehr oder weniger bis zum Ende der Karriere begleiten."

... die vermeintlich größte Baustelle, das in diesem Jahr operierte linke Knie:

"Auch wenn jetzt der Akzent auf dem Knie liegt, darf man den Rest des Körpers nicht vergessen. Nach 1300 Matches gibt es einfach gewisse Abnutzungserscheinungen, das ist normal. Wo immer es eine Baustelle gibt, wird es danach nie mehr so gut wie zum Zeitpunkt, als du geboren wurdest - weil dann ja üblicherweise alles gut ist. Von einer Baustelle aber bleibt etwas übrig, oder sie zeigt sich irgendwann wieder. Aber er hat ja auch schon mit Baustellen gearbeitet und gewonnen in den letzten 16 Jahren. So gesehen, ist alles im normalen Bereich. Wir sind auf einem guten Weg und müssen jetzt einfach schauen, dass es auf diesem weitergeht."

... Federers Chancen auf eine erfolgreiche Rückkehr:

"Was ich bis jetzt gesehen habe, stimmt mich sehr zuversichtlich - bis jetzt. Aber es ist wie in einem Fussballmatch: In der 70. Minute ist er noch lange nicht fertig. Und manchmal sind die letzten Minuten die wichtigsten. Ich glaube, dass die letzten fünf Wochen für ihn die wichtigsten sein werden. Aber ich bin eher ein Typ, der lieber nichts sagt, bevor er alle ­In­formationen hat. Und diese ­haben wir jetzt noch nicht."

... die Motivation des "Maestros":

"Was mich einmal mehr fasziniert, ist, wie sich Roger über jeden kleinen Fortschritt freut und dadurch Vertrauen schöpft für den nächsten Schritt. Da ist er einfach sackstark. Er ist niemandem etwas schuldig, arbeitet aber jeden Tag, als ob er allen etwas schuldig wäre. So seriös, so intensiv und trotzdem locker. Ich muss schon sagen: Das ist einfach einmalig. Und da spreche ich nicht einmal als Konditionstrainer, sondern als Mensch."

... die Angst, dass Federer nicht zurückkehren könnte:

"Da kann ich Ihnen eine Garantie geben: Seine Leidenschaft für das Training und das Tennis war zuletzt vielleicht noch größer, als ich je gedacht hatte. Wenn einer wie er, der so gerne Tennis spielt und fast sechs Monate keine Turniere bestreiten kann, jeden Tag mit einem Lächeln ins Training kommt, ist das mehr als Leidenschaft. Er ist schon ein Unikum."

... einen weiteren Majortitel:

"Dafür arbeiten wir, das ist die Motivation. Sonst wäre Roger jetzt nicht am Trainieren wie ein Verrückter."

von Björn Walter

Mittwoch
16.11.2016, 00:00 Uhr