Kann Rafael Nadal sein Spiel anpassen?

Wie der Spanier sein Spiel von der Grundlinie noch offensiver gestalten kann.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 18.08.2016, 17:25 Uhr

RIO DE JANEIRO, BRAZIL - AUGUST 14: Rafael Nadal of Spain looks on during the singles bronze medal match against Kei Nishikori of Japan on Day 9 of the Rio 2016 Olympic Games at the Olympic Tennis Centre on August 14, 2016 in Rio de Janeiro, Brazil....

Australian Open 2012.Rafael Nadalspielt im Finale des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres einen epischen Klassiker gegen Novak Djokovic. Was in diesem Match immer wieder bemerkenswert war: die offensive Ausrichtung von Rafael Nadal - nah an der Grundlinie stehend. Überhaupt waren die Australian Open 2012 ein Beispiel dafür, wie aggressiv Nadal Ballwechsel und teilweise auch ein gesamtes Match diktieren kann. Ihm mögen einige Fehler mehr unterlaufen sein. An mancher Stelle schien er sich nicht wirklich zu Hause zu fühlen. Doch war dieser Spielstil ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Eine Richtung, welche er jetzt weiter ausbauen sollte.

Der Zwiespalt an der Grundlinie

Die Mittel, aggressiv von der Grundlinie zu dominieren, besitzt Nadal. Seine Werkzeugkiste an Schlägen präsentiert ihm alle Möglichkeiten, um den Gegner unter Druck - und sich selbst näher an die Grundlinie zu bringen. Eine Schwierigkeit besteht darin, die eigene Position an der Grundlinie zu verschieben. Bewegte sich Nadal in früheren Zeiten weit hinter der Grundlinie, konnte er dort den Ball des Gegners ganz einfach austrudeln lassen. In vielen Spielsituationen hatte er so die Möglichkeit, den Ball im Fallen zu spielen. Auf diese Weise ist es für Nadal einfacher gewesen, seinen enormen Spin auf den Court zu bringen.

Verschiebt „Rafa“ seine Position nun nach vorn, näher an die Grundlinie, muss er die meisten Bälle im Steigen nehmen. Wirbelt sich der Ball des Gegners nach dem Absprung nach oben, ist es für Nadal schwieriger, den Ball mit seinem extremen Topspin zu spielen. Nicht selten mussten Nadal-Fans in den letzten Jahren zusehen, wie die eine oder andere Vorhand ihres „Matadors“ beinahe auf dem Weg Richtung Gegner verhungerte. Leichte, teils unerklärliche Vorhandfehler ins Netz mussten seine Fans mit ansehen.

Die Vorhand als Türöffner

In der offensiven Ausrichtung an der Grundlinie kann die Vorhand von Rafael Nadal zu einer wirklichen Waffe werden. Setzt er diese richtig ein, hat er die Möglichkeit, mit einem Inside-Out-Ball den Platz zu öffnen und den Gegner mit nur einem Schlag unter enormen Druck zu setzen. Als Linkshänder spielt er diesen Ball zumeist in die Vorhandseite seines Gegners. Man darf nicht vergessen:Novak Djokoviczeigte in der Vergangenheit, dass er mit schnellen Schlägen in Nadals Vorhand seine Punkte aufbauen konnte. Nadal würde dieses Spiel mit einer aggressiven Vorhand Inside Out ein Stück weit umdrehen - verkehrte Welt. Um an diesen Schlag zu gelangen, kann eine starke Rückhand-Cross eine Option sein. Für Nadal sollte es kein Problem sein, gegen die Vorhand von Djokovic oderAndy Murrayeinige Bälle cross zu spielen.

Er darf sich dabei nur nicht zu weit hinter die Grundlinie drängen lassen. Nadal ist dafür bekannt, ein unheimlich gutes Auge für Spielsituationen und Chancen zu haben. Er erkennt sehr gut, wann er welchen Ball spielen kann. Erkennt er die Chance, seine Vorhand Inside Out einzusetzen, kann er dem Ballwechsel eine für ihn wesentlich offensivere Ausrichtung geben. Rafael Nadal wird keine andere Möglichkeit bekommen. Er muss sein Spiel aggressiver gestalten. Ob ihm dies gelingen wird, ist eine spannende Frage für den Rest des Jahres 2016 - und das gesamte Tennisjahr 2017.

von tennisnet.com

Donnerstag
18.08.2016, 17:25 Uhr