Matches abschenken? Die ATP hat ein Auge drauf

Geplant sind höhere Strafen gegen die Spieler, mehr Ermutigung zum Durchgreifen für die Schiedsrichter.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 21.11.2016, 00:00 Uhr

GAEL MONFILS (FRA) Tennis - US Open 2016 - Grand Slam ITF / ATP / WTA - USTA Billie Jean King National Tennis Center - New York - New York - USA - 9 September 2016.

Zugegeben: Die Umstände waren eher unwirtlich an jenem Freitagnachmittag im National Tennis Center von New York. Die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit hatten nicht nur auf das Gemüt der Zuschauer gedrückt, auch die letzten verbliebenen Teilnehmer der US Open 2016 hätten sich andere Bedingungen gewünscht. Die Art und Weise allerdings, in der Gael Monfils seinen Arbeitstag gegen Novak Djokovic begann, war das Eintrittsgeld der vielen Fans nicht wert, zumal für ein Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Mitte des ersten Satzes hatte der Franzose Mondbälle in verschiedenen Variationen angeboten, sich erbarmungswürdig über den Platz geschleppt. Und eben dies im Nachhinein als taktischen Kniff verkauft, mit dem er Djokovic aus dem Konzept bringen wollte. Was kurzfristig auch gelang, am Ende stand der Serbe im Finale und das Publikum ratlos in den Gängen des Arthur Ashe Stadiums.

"Es ist etwas, was wir sehr genau beobachten", erklärte ATP-Chef Chris Kermode gegenüber der "New York Times" angesprochen auf die Frage, wie denn Partien wie jene von Monfils in New York zu bewerten seien. Hatte eben jener gegen die "Best Effort Rule" verstoßen, also nicht seinen allerletzten Einsatz gezeigt? So, wie es Nick Kyrgios gegen Mischa Zverev in Shanghai demonstriert hatte - mit der Folge, dass der Australier seine Saison frühzeitig auf der Strafbank beenden musste? "Es ist ein ganz schmaler Grat", wird Tim Henman in der "Times" zitiert. Auch für die Schiedsrichter - weder Monfils noch Kyrgios wurden von den jeweiligen Unparteiischen wegen ihres Verhaltens verwarnt.

Der Mut der Stuhlschiedsrichter

Die ATP überlegt jedenfalls, ob sie die Strafen für ungebührliches Verhalten verdoppeln soll. "Offensichtlich gab es ein paar Gelegenheiten, wo wir offiziell etwas hätten machen müssen", sagte Gayle David Bradshaw, der in der ATP für das Regelwerk zuständig ist. Ein Ziel sei es, einen verständlichen Leitfaden zu entwickeln und Problemfälle schneller zu behandeln - aber auch, die Schiedsrichter zu ermutigen, auf dem Platz härter durchzugreifen. Man müsse sicherstellen, dass die Offiziellen keine Angst davor hätten einzuschreiten, ohne es zu übertreiben. "Ich möchte nicht, dass sie zu schnell reagieren, aber das ist etwas, wovon wir nicht weiterhin sagen können: Eigentlich hätten wir es machen sollen."

von Jens Huiber

Montag
21.11.2016, 00:00 Uhr