Stefan Edberg – „Roger kann immer noch Grand-Slam-Titel gewinnen“

Der Schwede spricht über seine erste Begegnung mit dem "Maestro" und sieht in Roger Federer einen "Trendsetter" für modernes Tennis.

von Björn Walter
zuletzt bearbeitet: 01.04.2016, 00:00 Uhr

Stefan Edberg, Roger Federer

Es war eine besondere Symbiose - zwei Jahre lang zog das "Gentleman"-Duo Roger Federer und Stefan Edberg gemeinsam um die Tenniswelt. Auch ohne Grand-Slam-Titel im Abschlusszeugnis hinterließ Edberg Spuren als Trainer des "Maestros". So forcierte der Schwede Federers Offensivdrang, welcher vor allem bei den letztjährigen US Open zu bestaunen war. Mit dem Halbvolley-Return "SABR"überraschte der Schweizer regelmäßig seine Gegner und kam zu schnellen Punktgewinnen. Edberg glaubt gar an eine neue Entwicklung im Tennis, wie er der schwedischen Tageszeitung "Göteborgs-Posten" verriet: "Bisher wurde viel von der Grundlinie gespielt, aber Tennis wird wieder facettenreicher. Roger hat da einen Prozess angestoßen, wo es darum geht, aggressiver zu spielen und die Kontrolle zu haben."

Lange Zeit glaubte Edberg nicht daran, noch mal einen so großen Einfluss auf die Tennisszene auszuüben. "Dass ich auf die Tour als Trainer zurückkommen würde, hätte ich niemals gedacht", bemerkte der 50-Jährige. Als er aber bei den Stockholm Open 2012 erstmals auf Roger Federer traf, änderte sich diese Einstellung. Der Schweizer erzählte Edberg davon, dass er sein Kindheitsidol gewesen sei. Das Eis war schnell gebrochen: "Wir sprachen so, als ob wir uns schon immer kannten. Roger war sehr offen und spontan." Dieses Aufeinandertreffen mündete in einen Wunsch Federers, den Edberg nicht ausschlagen konnte: "Ich fragte mich damals, was ich ihm als Trainer bringen könnte. Für jemand anderes hätte ich wahrscheinlich nicht zugesagt."

Edberg: "Er ist der beste Tennisbotschafter der Welt"

Der reservierte Schwede, der für seine Diskretion bekannt ist, wollte nicht allzu viel über die gemeinsame Zeit an der Seite des 17-fachen Grand-Slam-Siegers verraten. "Es waren zwei sehr gute Jahre", lautete sein Resümee. Zum einen lernte Edberg viel über das moderne Tennis, vor allem war er aber von Federers Persönlichkeit tief beeindruckt: "Er hat eine Größe, die nur wenige besitzen. Für mich ist er der beste Tennisbotschafter der Welt. Seine Ausstrahlung und Offenheit sowie sein echtes Interesse an Tennis machen ihn aus."

Roger Federer, der elf der letzten zwölf "Stefan Edberg Sportsmanship Awards" (ATP-Fairplay-Auszeichnung) gewann, gilt ebenso wie Edberg als makelloser Botschafter des Tennissports. Doch nicht nur das "Gentleman"-Image brachte beide zusammen. Vielmehr sollte Edberg als Tennisentwickler hilfreich sein. "Auch wenn man die Altergrenze von 30 Jahren passiert hat, muss man dem Trend folgen und ihn vielleicht auch anführen. Roger hat das geschafft und ist immer noch im Tennis", lobte der sechsfache Grand-Slam-Champion und legte nach: "Es ist durchaus möglich, dass Roger noch ,Major-Titel' gewinnt. Er war in mehreren Grand-Slam-Finals und wurde nur von Djokovic gestoppt. Er kann es auf jeden Fall schaffen."

von Björn Walter

Freitag
01.04.2016, 00:00 Uhr