Warum Alexander Zverev ein cleverer Schachspieler sein könnte

Wie sich der Deutsche geduldig Richtung Weltspitze spielt.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 29.09.2016, 08:08 Uhr

NEW YORK CITY,NEW YORK,USA,30.AUG.16 - TENNIS - ATP World Tour, US Open 2016, Grand Slam, Flushing Meadows. Image shows Alexander Zverev (GER). Photo: GEPA pictures/ Matthias Hauer

Sobald der erste Bauer auf dem Schachbrett bewegt wurde, beginnt die Geduldsprobe. Taktik und Flexibilität sind jetzt gefragt. Ein Plan muss sich überlegt werden. Zeitgleich muss aber auf das Spiel - die Aktionen des Gegners - reagiert werden. Ein Spagat, der mit fortschreitender Dauer schmerzhaft in manchen Bereichen werden kann. Die mit Weitsicht ausgestatteten Läufer müssen beobachtet werden. Die aus dem Hinterhalt mit Kalkül agierenden Springer dürfen niemals aus den Augenwinkeln verloren werden. Unüberlegte Züge und „Harakiri“ können das Spiel innerhalb kürzester Zeit beenden. Und das nicht zu den eigenen Gunsten.

Alexander Zverev bringt seine Läufer in Position

Alexander Zverevmuss ein sehr guter Schachspieler sein. Er hat den Berg der Weltrangliste bereits in jungen Jahren so weit bestiegen, da er ruhig und geduldig bleiben kann. Ok., ruhig nicht immer, wenn es um Entscheidungen der Schiedsrichter oder eigene Fehler geht. Doch geduldig, wenn es um den Aufbau der eigenen Punkte geht. Geduldig, wenn selbst ein aktueller US-Open-Sieger in einem ATP-Finale auf der Bank nebenan sitzt. Beim Schach müssen die Läufer zunächst von den Bauern freigelegt und in Position gebracht werden. Dieses taktische Spielchen bringt Zverev durch cleveres Cross-Spiel auf den Court. Nicht zu viel Tempo. Kein Risiko wird eingegangen, was nicht abschätzbar werde. Wird der Gegner in diesen Cross-Duellen kürzer in seinen Schlägen, verschiebt Zverev seine Position ein bis zwei Schritte nach vorn und attackiert mit einem Schlag die Linie entlang die gegnerische Dame - mit seinem zuvor in Position gebrachten Läufer.

Die Kunst, die richtige Balance zu finden

Immer wieder Tempo und Risiko kalkulieren. Immer wieder Entscheidungen treffen, welcher Ball wie gespielt wird. Ähnlich wie beim Schach können auf dem Tennisplatz falsche Entscheidungen postwendend bestraft werden. Mal kann man diese falschen Entscheidungen wieder aus dem Brunnen fischen. Oft ist dies aber nicht mehr möglich. Die Balance aus Offensive, Defensive und den richtigen Entscheidungen zu finden und zu halten, ist eine Kunst.

Zverev beherrscht diese Kunst bereits im Jahr 2016 sehr gut. Seine spielerischen Fähigkeiten bieten ihm viele Optionen, sein Spiel flexibel zu gestalten. Für seine Größe bewegt er sich gut an der Grundlinie. Neben seinem starken Aufschlag ist seine Rückhand eine Stärke. Er traut sich nach guten Schlägen ans Netz - kann aber auch zwei Meter hinter der Grundlinie die Defensive beackern. Es ist immer wieder die Balance und die Geduld in seinem Spiel, die ihn bereits jetzt schon wichtige Matches gewinnen lässt. Entwickelt Zverev die verschiedenen Figuren seines Spiels geduldig weiter, kann er vielleicht tatsächlich in der Zukunft den König angreifen.

Eine Analyse von Marco Kühn (tennis-insider.de).

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Donnerstag
29.09.2016, 08:08 Uhr