Warum der Return der vielleicht wichtigste Schlag im Tennis ist

Wenn es eng wird, entscheidet oft der Return über Sieg oder Niederlage.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 22.06.2016, 19:00 Uhr

MADRID, SPAIN - MAY 08: Novak Djokovic of Serbia plays a backhand during the Men's singles final against Andy Murray of Great Britain on day nine of Mutua Madrid Open at La Caja Magica on May 8, 2016 in Madrid, Spain. (Photo by Julian Finney/Getty ...

Er weiß ganz genau, dass er seine Chance kriegen wird.Novak Djokovicbleibt tiefenentspannt und gut gelaunt, wenn sein Gegner heldenhaft aufschlägt. Asse und Service-Winner in der Dauerschleife serviert. Djokovic weiß, dass wenn er seine Chancen bekommt, sich die Vorzeichen komplett umdrehen werden. Dann steht nicht der Returnspieler Djokovic unter Druck. Sondern der Aufschläger. Dieser weiß, dass auf der anderen Seite der beste Returnspieler der Welt steht. Und er weiß, dass dieser eiskalt zupacken wird. Sobald man ihm auch nur einen kleinen Finger reicht.

Diese Qualität macht Djokovic zum Dominator des Tennis. Kein anderer Spieler kann die wichtigen Punkte beim Return so spielen wie der Serbe. Dabei ist seine Taktik beim Return kein verschachteltes Rätsel. Keine Wissenschaft.

Novak Djokovic und der Return

Das Tempo spielt nicht die Hauptrolle. Der Return von Djokovic erscheint eher unspektakulär. Er fällt fast nicht auf. Die Hauptrolle beim Return von Djokovic spielt die Effizienz. Der Gegner weiß nur wenig mit dem Ball des Serben anzufangen. Der Ball findet meist erst kurz vor der Grundlinie sein Ziel - direkt vor den Füßen des Aufschlägers. Ist dieser mit seiner Aufschlagbewegung fertig, muss er direkt auf einen langen, unangenehmen Ball reagieren. Dies ist alles andere als leicht. Und lässt kaum aggressives und effektives Tennis zu. Die Stärke, der Aufschlag, wird von Djokovic verschluckt.

Rafael Nadalwurde in den letzten Jahren häufig Opfer dieses starken Returnspiels. Djokovic gab ihm kaum eine Chance, bei eigenem Aufschlag sein eigenes Spiel aufzuziehen. Das Kommando im Ballwechsel zu übernehmen. Der lange Return von Djokovic, vor die Füße, entwaffnete Nadal.

Warum ist der Return so wichtig?

Gute Aufschläger gibt es wie Bier in der Kneipe. Sehr viele. In unterschiedlichsten Variationen. Jeder mit seinen eigenen, kleinen Feinheiten. Doch wie viele herausragende Returnspieler gibt es? Diese Zahl ist erheblich geringer. Verrückt also, dass dem Return gar nicht so viel Beachtung geschenkt wird. Dabei ist es der Return, der einen Spieler wieder zurück ins Match bringen kann. Der Return ist es, der einen guten Aufschläger unter Druck setzen kann. Ein schönes Beispiel sind hier die Duelle zwischenAndy MurrayundIvo Karlovic.Karlovic muss sich in jedem Match der beiden wie im falschen Film vorkommen. Lastet doch der Druck zumeist auf seinen Schultern - wenn er serviert.

Bei engen Spielständen wie 30:30 oder 40:40 kommt der Kopf mitsamt seinen Gedanken hinzu. Der Aufschläger denkt mehr. Wie soll er wohin servieren? Bei diesem wichtigen Punkt? Lieber mit weniger Tempo? Oder mit vollem Risiko auf Mann? Im Hinterkopf meldet sich zeitgleich eine Stimme. Diese wird nicht müde zu betonen, dass auf der anderen Seite ein verdammt guter Returnspieler steht. Ob diese Faktoren dazu beitragen, besser und sicherer zu servieren? Wohl kaum.

Aktuelles Thema: Wimbledon. Der schnelle Rasenbelag kommt natürlich den guten Aufschlägern entgegen. Sie können ihre Stärken noch besser nutzen. Es wird noch mehr Asse und Service-Winner geben. Viele Ballwechsel werden deutlich kürzer ausfallen. Doch wen sollten diese starken Aufschläger am meisten fürchten? Eher einen ebenfalls starken Aufschläger? Oder einen grandiosen Returnspieler? Die Antwort liegt auf der Bespannung.

Eine Analyse von Marco Kühn (tennis-insider.de).

von tennisnet.com

Mittwoch
22.06.2016, 19:00 Uhr