Was Jan-Lennard Struff jetzt in schwierigen Matches stärker machen kann

Kann „Struffi“ den gewonnen Schwung aus dem Davis Cup für seine Einzelkarriere nutzen?

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 22.09.2016, 07:24 Uhr

BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 18: Jan-Lennard Struff of Germany celebrates winning the 5th rubber match between Jan-Lennard Struff of Germany and Hubert Hurkacz of Poland in the Davis Cup Playoff between Germany and Poland at Steffi Graf Stadium on Se...

Macht esJan-Lennard Struffjetzt tatsächlich wieNovak Djokovic?Ja, man darf nun Parallelen zwischen den beiden Spielern ziehen. Auch wenn die Weltrangliste beide einige Plätze voneinander trennt. Und beide Spieler höchst unterschiedliche Ziele und Ansprüche haben. Der Serbe nutzte den Davis Cup, um seiner Einzelkarriere einen Tritt in den Allerwertesten zu geben. Dieser Tritt machte ihn zum absoluten Dominator der Tennisszene. Bis heute.Auch Jan-Lennard Struff könnte nun von wichtigen Siegen in seinen Einzeln im Davis Cup zehren.Seine Matches verliefen nicht leicht. Auch wenn seine Gegner auf dem Papier als Außenseiter galten - alles muss gespielt werden. Der Druck auf einen Spieler vor eigenem Publikum wird nicht kleiner, wenn jeder der Fans im Vorfeld von einem Sieg ausgeht. Die jungen Polen konnten frei aufspielen. Der Arm beim eigenen Aufschlag erschien Struff vermutlich schwerer als in einer ersten Runde eines Grand-Slam-Turniers. Und trotzdem meisterte er diese Herausforderungen teilweise souverän.

Die Last auf den Schultern ins Ziel bugsiert

2:2 nach drei Einzeln und einem Doppel. Abstieg oder Verbleib in der Weltgruppe? Ein Gegner, der rein gar nichts zu verlieren hatte. Die Ausgangslage für das entscheidende Einzel von Jan-Lennard Struff war kompliziert. Gewinnt er das Match, wird er gefeiert. Verliert er, wird er eventuell zum Depp. Eine Situation, die Struff vorher so noch nicht kannte. Umstände, unter denen er zuvor noch kein Match bestritten hatte. Schon gar nicht über drei Gewinnsätze - wo immer viel passieren kann. Rückstände von 0:2 in den ersten beiden Sätzen konnte Struff drehen. Den engen ersten Satz irgendwie ins Ziel bringen. In Satz drei lief es dann einfacher und runder. Es schien, als hätte Struff sich frei gespielt und die Last auf seinen Schultern festgeschnürt und endgültig im Griff, um diese Last schlussendlich souverän ins Ziel zu bugsieren.

Mehr Vertrauen in engen Situationen

Struff konnte diese enge Situation - mit viel Verantwortung auf seinen Schultern - meistern. Gibt ihm dies das nötige Selbstvertrauen für kommende, enge Matches? Wenn es 4:5 aus seiner Sicht steht und der eigene Aufschlag unbedingt durchgebracht werden muss? Lässt es sich mit dem gewonnen Selbstvertrauen dann einfacher und kompromissloser servieren? Wo vor dem Davis Cup in kniffligen Matchsituationen noch Zweifel und Unruhe herrschten, können nun Zuversicht und Ausgeglichenheit Platz nehmen. Oft entscheiden nur wenige, enge Aufschlagspiele und Punkte über Triumphe oder Niederlagen. Mit dem Schwung aus dem Davis Cup kann Jan-Lennard Struff vielleicht die beste Phase seiner Karriere betreten. Zu wünschen wäre es ihm.

Eine Analyse von Marco Kühn (tennis-insider.de).

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22.09.2016, 07:24 Uhr