„Zu wenig!“ – Sportpsychologe kritisiert Sperre gegen Nick Kyrgios

Mindestens drei Wochen Zwangspause von der Tour sind dem Australier Jeff Bond nicht genug, um Kyrgios’ Probleme zu lösen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 18.10.2016, 14:16 Uhr

NEW YORK, NY - SEPTEMBER 03: Nick Kyrgios of Australia reacts against Illya Marchenko of the Ukraine during his third round Men's Singles match on Day Six of the 2016 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on September 3, 2016 i...

Es war einfolgenschwerer Fauxpas, den sichNick Kyrgiosbeim ATP-Masters-1000-Turnier in Shanghai leistete. Seinen lustlosen Auftritt gegen Mischa Zverev, bei dem der 21-Jährige auch gegenüber Zuschauern ausfällig wurde, nahm die ATP zum Anlass, um das „Enfant terrible“für acht Wochen (maximal bis zum 16. Januar 2017) von der Tour zu suspendieren. Neben der 25.000-US-Dollar-Geldstrafe ließ die Profivereinigung ihrem aufstrebenden Star jedoch ein Hintertürchen offen: Sollte sich der Australier bereit erklären, mit einem Sportpsychologen oder einer ähnlichen Kapazität seine Problemen zu bewältigen, könnte die Sperre auf drei Wettkampfwochen reduziert werden – wodurch Kyrgios bereits am 7. November 2016 auf den beiden höchsten Ebenen der Profi-Tour wieder spielberechtigt wäre. Dieses Strafmaß sei viel zu weich. „Es ist nicht möglich Nicks Probleme innerhalb von drei Wochen zu lösen“, kritisierte Jeff Bond gegenüber der „Australian Associated Press“.

Der renommierte Sportpsychologe, der unter anderem Pat Cash bei seinem Wimbledonsieg 1987 betreut hatte, bemängelte den Ansatz der ATP: „Ich bin zwar ein Optimist, dennoch macht es mir Sorgen, dass Nick mit zusammengebundenen Armen auf dem Rücken jemanden konsultieren soll. Das ist nicht die richtige Motivation, um so etwas zu tun.“ Kyrgios signalisierte bereits, dass er die freie Zeit nutzen werde, „um auf und abseits des Courts an mir zu arbeiten – mir tut das ganze wirklich leid.” Wenn Bond die Chance hätte, sich mit dem Weltranglisten-14. psychologisch auseinanderzusetzen, würde er diesen jedoch erst einmal fragen: „Warum machst du das überhaupt(den Sportpsychologen in Anspruch nehmen; Anmerkung)? Kommst du, weil du musst oder weil du es wirklich willst?“ Geht es nach ihm, sollte der Jungstar „nicht den einfachen Weg gehen“ und die Reduzierung der Sperre auf drei Wochen nicht in Anspruch nehmen.

Tennis Australia stärkt Kyrgios den Rücken

Unterstützung erhält Kyrgios hingegen vom australischen Tennisverband, der die Strafe für angemessen hält. „Ich denke nicht, dass das Urteil zu weich war, es war erforderlich“, sagteTodd Woodbridgeim Namen von Tennis Australia. Die Doppel-Legende aus Down Under fügte hinzu, „dass Kyrgios die Verantwortung für seine Taten übernehmen muss.“ Allerdings mache es auch keinen Sinn über jemanden den Stab zu brechen, der noch so jung ist und für den es unter dem Brennglas der Öffentlichkeit auch nicht immer leicht sei. Der 16-fache Grand-Slam-Sieger im Doppel fühlte sich sogar an den jungen Andre Agassi erinnert: „Nick hat zwar keine Majors gewonnen, so wie Andre. Dennoch: ,Wenn Agassi bei seinen Schwierigkeiten fallengelassen worden wäre, hätten wir jetzt nicht einen der größten Philanthropen unseres Sports.’“

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Dienstag
18.10.2016, 14:16 Uhr