Novak Djokovic pustet durch – Ein Schritt zurück Richtung Tennis-Thron

Glanzlos, aber zumindest souverän ist Novak Djokovic beim ATP-Saisonfinale in London vorzeitig ins Halbfinale eingezogen.

von SID
zuletzt bearbeitet: 16.11.2016, 00:00 Uhr

LONDON, ENGLAND - NOVEMBER 15: Novak Djokovic of Serbia put eye drops in during his men's singles match against Milos Raonic of Canada on day three of the ATP World Tour Finals at O2 Arena on November 15, 2016 in London, England. (Photo by Justin S...

Novak Djokovic blies die Backen auf und reckte seinen Schläger wie die Freiheitsstatue ihre Fackel in die Höhe. Nachdem er den Halbfinal-Einzug beim ATP-Saisonfinale in London vorzeitig perfekt gemacht hatte, atmete der Serbe sichtlich durch. Das glanzlose 7:6 (6), 7:6 (5) gegen den Kanadier Milos Raonic war für den kürzlich entthronten Djokovic ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück an die Spitze der Tennis-Weltrangliste. "Ich bin einfach drangeblieben und habe daran geglaubt, dass ich meine Möglichkeiten bekommen werde", sagte Djokovic nach dem Tiebreak-Krimi gegen den Wimbledon-Finalisten aus Nordamerika: "Das Match hätte aber auch in die andere Richtung kippen können." Stattdessen steht Djokovic durch den zweiten Sieg im zweiten Turnierspiel schon vor seiner letzten Vorrundenpartie am Donnerstag gegen den Franzosen Gael Monfils als Sieger der Gruppe "Ivan Lendl" fest.

Traumfinale um die Nummer eins?

Im Duell um den Tennis-Thron mit dem neuen Weltranglisten-Ersten Andy Murrayhat der 29-Jährige damit vorgelegt. Murray spielt am Mittwochnachmittag gegen Kei Nishikori aus Japan sein zweites Match, bei einem Sieg ist wohl auch der schottische Olympiasieger vorzeitig für das Halbfinale qualifiziert. Das Traumfinale, in dem es neben dem prestigeträchtigen Turniersieg auch um die Krone der Tenniswelt geht, ist weiter möglich. Dabei ist der zuletzt strauchelnde Djokovic trotz des souveränen Weiterkommens in London noch lange nicht der Alte. Auch gegen Raonic ließ der 12-malige Grand-Slam-Sieger die Dominanz früherer Tage über weite Strecken vermissen. Von "Robotovic", der seine Gegner über viele Jahre mit kühlem Kopf und brutaler Effizienz zermürbte, sind oftmals nur noch die Ansätze erkennbar.

Seit er im Juni bei den French Open seinen Karriere-Grand-Slam komplettiert hat, wirkt Djokovics Spiel seltsam anfällig. Der Sieg gegen Raonic war in dieser Hinsicht immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Zumindest auf seine Nervenstärke in den entscheidenden Momenten des Matches konnte sich der Schützling von Deutschlands Tennis-Ikone Boris Becker schließlich wieder verlassen. Um zum fünften Mal in Serie beim Tour-Finale der besten acht Spieler zu triumphieren, muss er sein Spiel aber wohl auch in allen anderen Bereichen wieder stabilisieren.

von SID

Mittwoch
16.11.2016, 00:00 Uhr