Plötzlich der Gejagte – Andy Murray geht als Nummer eins ins Saisonfinale

Andy Murray will seine überragende Tennissaison beim ATP-Finale in London noch krönen.

von SID / cab
zuletzt bearbeitet: 11.11.2016, 00:00 Uhr

LONDON, ENGLAND - NOVEMBER 10: Andy Murray of Great Britain receives the World No.1 trophy on stage at Cutty Sark on November 10, 2016 in London, England. (Photo by Julian Finney/Getty Images)

Es könnte nur eine Momentaufnahme sein, das weiß Andy Murray. "Vielleicht ist es nur für eine Woche, also kann ich es auch genießen", sagte die neue Nummer eins der Tenniswelt: "Denn wer weiß? Vielleicht verliere ich den Platz wieder nach den Finals und komme nie wieder an die Spitze." Die Finals, damit meint der Schotte das am Sonntag beginnende ATP-Saisonfinale der acht Jahresbesten in London. Natürlich ist Murray dabei. Schließlich hat der in der zweiten Jahreshälfte so dominante Spieler olympisches Gold in Rio gewonnen und mit seinem zweiten Titel in Wimbledon Geschichte geschrieben.

Dass er als erster Brite an die Spitze der Weltrangliste kletterte und den kriselnden Serben Novak Djokovic verdrängte, kam am vergangenen Wochenende als Bonus dazu, war aber auch der verdiente Lohn. Nun könnte der 29-Jährige sein bestes Jahr auch als Nummer eins der Welt beenden - dafür muss der beim Saisonfinale oftmals schwächelnde Schotte mindestens genauso gut abschneiden wie Seriensieger Djokovic. Die Voraussetzungen dafür sind gut wie selten zuvor. Murray hat intensiv gearbeitet, nicht nur auf dem Court, sondern auch auf mentaler Ebene. Zwar hadert er auch jetzt immer noch und ist emotional, wenn es mal nicht läuft, doch verpasste Chancen und Fehler geistern ihm nicht mehr so lange im Kopf herum wie früher. Murray weiß, wie schnelllebig das Geschäft ist.

Keine Zeit sich zum Gewöhnen

"Innerhalb kürzester Zeit kann so viel passieren. Das habe ich selbst immer wieder erlebt", sagte er: "Die vergangenen Monate waren hart. Jetzt will ich einfach mein bestes Tennis spielen und das Jahr gut abschließen." Der dreimalige Grand-Slam-Sieger wird trotz aller Erfahrungen in London Neuland betreten. Denn zum ersten Mal in seiner Karriere geht er als Branchenprimus in ein Turnier. Plötzlich ist der Mann aus Glasgow, der insgesamt 76 Wochen lang die Nummer zwei war, zum Gejagten geworden. Viel Zeit, sich an seine neue Rolle zu gewöhnen, wird er aber kaum haben. Denn in der Gruppe John McEnroe warten mit Stan Wawrinka(Schweiz), Kei Nishikori (Japan) und Marin Cilic (Kroatien) schwere Gegner.

Sein Rivale Djokovic hat im Fernduell um die Weltranglistenspitze mit der Gruppe Ivan Lendl und den Kontrahenten Milos Raonic (Kanada), Dominic Thiem aus Österreich und Gael Monfils (Frankreich) die vermeintlich leichteren Aufgaben vor der Brust. Auch seine persönliche Saisonfinal-Statistik spricht gegen Murray, der in den vergangenen zwei Jahren in der Gruppenphase gescheitert war. Und während Djokovic mit einem möglichen sechsten Erfolg zum Rekordsieger aufsteigen würde, ist Murray noch titellos. Doch auch das schert den Schotten nicht. "Niemand hätte mir vorher die Erfolge der vergangenen Monate zugetraut", sagte Murray: "Sogar für mich war es etwas überraschend." Ein Sieg in London wäre aber sicherlich keine Überraschung mehr.

von SID / cab

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11.11.2016, 00:00 Uhr