Zieht Dominic Thiem dank seiner großen Stärke ins Halbfinale ein?

In einer bestimmten Statistik sind nur vier Spieler besser als der 23-jährige Österreicher.

von Christian Albrecht Barschel
zuletzt bearbeitet: 17.11.2016, 00:00 Uhr

Dominic Thiem

Dominic Thiem ist bei den ATP World Tour Finals in London erstmals dabei und spielt heute Abend gegen Milos Raonic um den Einzug ins Halbfinale (ab 21 Uhr live auf ORF Sport+, in Deutschland auf Sport1+, im Livestream auf DAZN und im Liveticker bei tennisnet.com). Ein Grund, warum der 23-jährige Österreicher in dieser Saison in die Top Ten vorgestoßen ist, zeigt sich im Blick auf eine besondere Statistik. Thiem ist der Dreisatzkönig im Jahr 2016, wie Jeff Sackmann von "tennisabstract.com" durchleuchtet.

Nur drei Niederlagen

Thiems Dreisatzsieg gegen Gael Monfils beim Saisonfinale in London war bereits sein 22. Sieg in einem Entscheidungssatz in diesem Jahr, darunter sind Siege gegen Roger Federer und Rafael Nadal auf dessen Lieblingsbelägen. Nur Novak Djokovic (am Sonntag bei den ATP World Tour Finals),Alexander Zverev (in der ersten Runde in Peking) und Philipp Kohlschreiber (im Finale in München) konnten gegen den Österreicher gewinnen, wenn es über die volle Distanz ging. Die Erfolgsquote bei Thiem in Entscheidungssätzen im Jahr 2016 liegt demnach bei 88 Prozent. Zum Vergleich: Vor dieser Saison gewann er nur die Hälfte seiner 40 Entscheidungssätze auf der ATP-Tour. Jeff Sackmann wollte es genauer wissen und hat alle Spieler seit den 70ern analysiert, die in einer Saison mindestens 20 Matches bestritten haben, die in einen entscheidenden Satz gingen.

Knapp 1000 solcher Saisons wurden seit den 70ern gespielt, und Thiem liegt in dieser Statistik auf Platz fünf. Zum Vergleich: Andy Murray, der in diesem Jahr die Nummer eins wurde, hat eine Bilanz von 18:6. Welche Spieler waren prozentual besser? Die Grand-Slam-Sieger Roger Federer (18:2 im Jahr 2016), Tom Okker (18:2 im Jahr 1974) und Ilie Nastase (21:2 im Jahr 1971). Auf Platz eins liegt ein Spieler, den man in dieser Statistik nicht zwingend oben erwartet hätte. Der Kroate Mario Ancic gewann 2006 in seiner besten Saison 22 von 24 Dreisatzmatches - macht eine Erfolgsquote von 91,7 Prozent.

Thiem, der Vielspieler im Jahr 2016

Thiem ist der einzige aktive Spieler, der in einer Saison mindestens 22 Entscheidungssätze gewonnen hat. Das liegt auch daran, dass der Österreicher in diesem Jahr zu den Vielspielern zählte und fast jede Woche im Einsatz war. Eine gute Entscheidungssatz-Statistik bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man Titel am Fließband gewinnt. Von den 27 Spielern, die in dieser Statistik eine Saison mit 80 Prozent oder mehr abgeschlossen haben, konnte keiner im folgenden Jahr diese Leistung wiederholen. Wie immer geht es auch darum, die richtigen Matches zu gewinnen. Pete Sampras hatte 1996 mit 20 Siegen in 24 Matches seine beste Quote mit 83 Prozent. Ein Jahr später sank sein Wert auf 56 Prozent. Trotzdem gewann Sampras die Australian Open und Wimbledon und schloss das Jahr als Nummer eins ab.

Sollte es heute zwischen Thiem und Raonic in einen entscheidenden Satz gehen, ist der Österreicher statistisch gesehen im Vorteil. Der Kanadier hat in diesem Jahr eine Bilanz von 12:5. In der Statistik mit der bester Quote bei Entscheidungssätzen würde Thiem auch im Falle von drei weiteren Siegen in drei Sätzen, was dann den Titel bei den ATP World Tour Finals bedeuten würde, nicht weiter nach oben klettern. Er würde dann auf eine Quote von 89,3 Prozent kommen. Verliert Thiem in drei Sätzen gegen Raonic, fällt seine Quote auf 84,6 Prozent ab und er rutscht in dieser Statistik aus den Top Ten.

von Christian Albrecht Barschel

Donnerstag
17.11.2016, 00:00 Uhr