Anti-Doping-Reform – „Silent Ban“ soll verschwinden

Die International Tennis Federation will eine „proaktivere“ Politik gegen Doping machen und transparenter werden.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 26.05.2016, 16:27 Uhr

MELBOURNE, AUSTRALIA - JANUARY 27: ITF President David Haggerty speaks to the media in a press conference ahead of play on day 10 of the 2016 Australian Open at Melbourne Park on January 27, 2016 in Melbourne, Australia. (Photo by Michael Dodge/Get...

Die Kritiker der sogenannten „Silent Ban“ – provisorische, mitunter nicht öffentlich bestätigte Dopingsperre der ITF – haben durch denFallVarvara Lepchenkowieder Wasser auf die Mühlen bekommen. Die US-Amerikanerin mit usbekischen Wurzeln steht im Verdacht, bei den diesjährigen Australian Open positiv auf das verbotene Herzmittel Meldonium getestet worden zu sein. Die Weltranglisten-64. spielte in den Monaten März und April kein Turnier auf der WTA-Tour – offiziell wegen einer Knieverletzung. Allerdings soll ihr Vater Peter gegenüber russischen Medien einen positiven Dopingtest bestätigt haben, der die Zwangspause bedingen könnte.

Nach Wimbledon soll mehr Klarheit herrschen

Dieser und weitere undurchsichtige Dopingfälle aus der Vergangenheit dürften den Tennisdachverband dazu bewegt haben, seine Anti-Doping-Politik zu überdenken.So wurde Andre Agassi 1997 positiv auf das Methamphetamin Crystal Meth getestet, allerdings nicht gesperrt. Der US-Amerikaner log die ATP damals an, worauf die Spielerorganisation von einer Sperre absah. Diese dubiosen Verschleierungen sollen der Vergangenheit angehören, glaubt man David Haggerty. Der ITF-Präsident sagte dem „Daily Telegraph“ am Dienstag: „Ich denke, wir müssen so transparent wie möglich werden. Und das bedeutet, dass wir provisorische Sperren umgehend bekannt machen.“ Haggerty wäre nicht überrascht, wenn schon nach Wimbledon eine entsprechende Verlautbarung öffentlich gemacht wird, denn „Geheimnisse und Ratespiele“ sollen mehr Klarheit weichen.

Die neue Richtlinie müsse aber von allen sieben großen Tennisorganisationen (ITF, ATP, WTA sowie vier Grand-Slam-Turniere) getragen werden, bemerkte der Funktionär. Beim sogenannten „Leadership Meeting“ herrschte am Dienstag in Paris Einigkeit unter den Verbänden. „Tennis steht zusammen in diesem Punkt“, bestätigte der 58-jährige US-Amerikaner. Bisher war es provisorisch gesperrten Spielern möglich, mitunter monatelang der Tour fernzubleiben, um ihre Dopingsperren zurückzudatieren. Wie derFall Sharapovabestätigt, finden die offiziellen Anhörungen oft erst Monate nach dem positiven Dopingbefund statt – das soll sich demnächst ändern.

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Donnerstag
26.05.2016, 16:27 Uhr