Die Andrey-Rublev-Erfahrung

Andrey Rublev trifft im Viertelfinale des ATP-Tour-500-Turniers in Hamburg auf Dominic Thiem. Der Russe ist bekannt für sein kompromissloses Spiel.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 26.07.2019, 10:58 Uhr

Andrey Rublev kennt nur ein Tempo
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Andrey Rublev kennt nur ein Tempo

Beim Sport kommen die Leute zusammen. Das gilt auch für die Journalisten, die den Tenniszirkus begleiten, von denen manche leutseliger sind als andere. Das verbindende Element ist indes die Liebe zum ehemals weißen Sport, was für einige den alpinen Skilauf mit einschließt. Manche Turnierveranstalter versuchen also, das Gemeinschaftsgefühl im Pressezentrum ein wenig zu schärfen - etwa mit einem Journalisten-Turnier. In Kitzbühel wurden diese Versuche ebenso gestartet wie in München.

Eben dort hat auch der Verfasser dieser Zeilen in diesem Jahr unvorsichtigerweise seine Zusage gegeben. Man geht nicht fehl in der Annahme, dass eben jener Autor nicht in der Lage ist, zwei gerade Bälle hintereinander über das Netz zu spielen. Immerhin aber einen Rückhand-Slice, der an guten Tagen fast ein Zehntel so giftig ist wie jener der Nummer 653 der ATP-Weltrangliste. Aber gut: Zwölf Spieler hatten sich gefunden, einige Kollegen auch, die extrem kompetent mit dem Tennisschläger umgehen können.

Rublev trainiert mit Kukushkin

Jeweils sechs Doppelpaarungen waren zu bilden und also drei Plätze gleichzeitig zu bespielen, für eine weitläufige Anlage wie den MTTC Iphitos ein leicht zu stemmende Aufgabe. Die ersten beiden Journalisten-Turnier-Courts waren direkt neben Show-Court Nummer vier gelegen, der dritte allerdings dahinter. Der Autor wurde mit drei Spielkameraden auf letzteren Platz geschickt, der räumlich allerdings nicht von einem zweiten Court abgetrennt ist. Und natürlich hat sich eben dort Andrey Rublev für die Qualifikation warmgespielt.

Warm geprügelt trifft es allerdings besser - Rublev kennt nur ein Tempo, das allerhöchste zumal. Die andere Seite des Netzes hat unser Foursome kaum beachtet, mit Mikhail Kukshkin stand aber auch dort ein Mann, der nicht zufällig unter den besten 100 Spielern der Welt rangiert. Alle Augen waren indes auf Rublev gerichtet, der ganz offensichtlich eine andere Sportart betrieben hat als die übrigen Anwesenden. Zugegeben: Mindestens die Hälfte der Bälle sind hinter der Grundlinie gelandet - aber mit einem Abdruck, der uns staunen ließ.

Dominic Thiem ist gewarnt

Mittlerweile scheint es so zu sein, dass wieder mehr Bälle innerhalb der erlaubten Zone einschlagen. Rublev hat sich nach seinen Verletzungsproblemen auf einen zweistelligen Ranglisten-Platz verbessert, steht jetzt in Hamburg im Viertelfinale. Und trifft dort auf Dominic Thiem, der innerhalb weniger Monate exakt dasselbe an seinem Gegner beobachten durfte: im Herbst 2017 schoss sich Andrey Rublev noch selbst aus der Wiener Stadthalle, im Frühjahr 2018 war der aktuell immer noch erst 21-Jährige in Monte Carlo schon ganz knapp an einem Sieg gegen Thiem dran.

Der Österreicher geht natürlich dennoch als Favorit in dieses Match. Thiem wirkte in seinen ersten beiden Matches gegen Pablo Cuevas und Marton Fucsovics überaus konzentriert und motiviert, gegen das druckvolle Spiel Thiems wird Rublev einen Sahnetag benötigen. Den er übrigens in der Qualifikation für München ebenso wenig hatte wie der Autor im Journalisten-Turnier: Rublev ging in Runde zwei gegen Thiago Monteiro raus. Der Verfasser durfte nur aufgrund des großzügigen Reglements ein zweites Mal aufschlagen.

von Jens Huiber

Freitag
26.07.2019, 12:35 Uhr
zuletzt bearbeitet: 26.07.2019, 10:58 Uhr