Dominic Thiem und die Nachwehen der Australian Open: "Hart, ein anstrengendes Grand Slam hinter einem zu haben"

Dominic Thiem kehrte vergangene Woche nach seiner Australian-Open-Finalniederlage wieder auf die ATP-Tour zurück. In Rio de Janeiro konnte der Österreicher nicht an seine Leistungen anknüpfen, schied überraschend im Viertelfinale aus. Wohl auch, weil die Nachwirkungen des kräftezehrenden Grand Slams noch immer zu spüren sind. 

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 24.02.2020, 15:44 Uhr

Dominic Thiem enttäuschte bei seinem Antreten in Rio de Janeiro - wohl auch, weil er die Nachwehen der Australian Open noch immer zu spüren hatte
Dominic Thiem enttäuschte bei seinem Antreten in Rio de Janeiro - wohl auch, weil er die Nachwehen der Australian Open noch immer zu spüren hatte

Wenn man den Dominic Thiem, der im Finale der Australian Open den wohl aktuell besten Tennisspieler der Welt, Novak Djokovic, an den Rande einer Niederlage brachte mit jenem Dominic Thiem, der am gestrigen Tage völlig zurecht gegen den Weltranglisten-128., Gianluca Mager, den Kürzeren zog, vergleicht, dann könnte man meinen, es lägen zumindest mehrere Monate dazwischen. Tatsächlich waren es etwas weniger als drei Wochen, die die beiden Auftritte des Österreichers auseinanderlagen.

Natürlich, die Spiele fanden auf vollkommen anderen Belägen statt und natürlich ist es auch vermessen, eine Leistung im Finale eines Grand Slams mit der Leistung im Viertelfinale eines mäßig besetzten ATP-500-Events zu vergleichen. Aber - den spielerischen Aspekt außen vor gelassen - es wirkte insgesamt nicht rund beim Österreicher: Angefangen vom Bewegungsapparat, über die Härte der Grundschläge bis hin zum Returnspiel - alles wirkte weniger überzeugend, als es das noch in Melbourne tat. Und spätestens nach dem mehr als halbherzigen Comebackversuch, nachdem die Partie gegen Gianluca Mager am zweiten Satz fortgesetzt worden war, stellte sich insbesondere die Frage, wie es denn um den Fitnesszustand des Österreichers bestellt sei. 

Keine Verletzungsgefahr 

Entwarnung, dass hinter den dürftigen Leistungen keine ernsthafte Verletzung steckte, gab der Österreicher gleich im Anschluss an sein Ausscheiden: "Grundsätzlich ist alles in Ordnung", meinte der Österreicher, nur um zu ergänzen: "Aber natürlich ist es sehr hart, ein anstrengendes Grand Slam hinter dir zu haben und der Körper danach runter kommt." Es sei schwierig gewesen, auf einem völlig anderen Untergrund auf der anderen Seite der Welt wieder an das Topniveau heranzukommen, erklärte der 26-Jährige nach seiner Viertelfinalniederlage. "Oft passiert es, dass ich im Laufe einer Woche immer besser werde, diesmal war das leider nicht der Fall." 

Das große Ziel, auf Platz drei der Weltrangliste vorzudringen, hat Dominic Thiem ohnehin erreicht. Doch nicht, weil er in Rio de Janeiro die nötigen Punkte erspielen konnte, sondern weil Roger Federer kommende Woche die Punkte für seinen Vorjahressieg in Dubai aus der Wertung fallen. Die Freude am neuen Karrierehoch schmälere dieser Umstand keinesfalls: "Um ehrlich zu sein, mache ich mir darüber im Moment keine großen Sorgen, denn in ein paar Wochen werde ich sowieso die Nummer drei sein. Ich bin traurig, weil ich dieses Spiel verloren habe", zitierte Ubitennis.com den Österreicher. 

Projekt Titelverteidigung in Indian Wells

In den kommenden Wochen hat Dominic Thiem nun erneut Zeit, seinem Körper die nötige Regenerationszeit zu geben. Wie im Vorjahr, will Dominic Thiem zehn Tage vor Turnierstart in Kalifornien eintreffen, um dort zusammen mit Dr. Michael Reinprecht intensiv an der körperlichen Fitness zu arbeiten. Denn Indian Wells wird auch in Sachen Weltrangliste ein wichtiger Termin für den Österreicher, hat er doch die vollen 1000 Punkte von seinem Vorjahrestriumph zu verteidigen. "Ich werde versuchen, mich an die einzigartigen Bedingungen dort zu gewöhnen und etwas Ähnliches wie im letzten Jahr zu machen, was erstaunlich gut geklappt hat. Ich hoffe, dass ich dort wieder mein bestes Tennis spielen kann."

Von 12. bis zum 22. März wird Dominic Thiem also beim ersten ATP-Masters-1000-Event aufschlagen. Wie schon die Australian Open wird auch dieses auf Hartplatz gespielt werden - fast alle Topspieler ersparten sich den kurzzeitgen Wechsel auf Sandplatz. Dominic Thiem hingegen ließ die europäische Hartplatztournee aus und gab sich beim ATP-500-Event die Ehre. Ein Schachzug, der auf den ersten Blick durchaus aufzugehen schien, dem Österreicher wären auf dem Weg zum Titel keine ganz großen Brocken im Weg gestanden. Für den Triumph reichte es bekanntermaßen aber nicht. Ob des anstehenden Wechsels auf Hartplatz war es aber sicher ein Turnier, das man keineswegs überbewerten sollte. 

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