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Ex-ÖTV-Vizepräsident Raimund Stefanits - „Unsere Sportart lebt von den Hobbyspielern“

Wenn die Tennisgemeinde nicht bald die Möglichkeit bekommt, wieder in der Halle zu spielen, ist Tennis als Ganzjahressport in Gefahr, meint Raimund Stefanits, Ex-ÖTV-Vizepräsident und Hallenbetreiber in Wien.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 22.01.2021, 14:59 Uhr

Die Plätze in den Hallen stünden bereit
© La Ville GmbH
Die Plätze in den Hallen stünden bereit

Tennis müsse in Österreich mit den ersten Lockerungen nach dem Lockdown wieder möglich sein. Das hat der Präsident des Österreichischen Tennis Verbandes, Magnus Brunner, vor ein paar Tagen in einem Interview mit dem Kurier erklärt. Aber hätten die Tennishallen in Österreich überhaupt schließen müssen?

Raimund Stefanits, Geschäftsführer der La Ville Sport- und Freizeit Betriebs GmbH in Wien und ehemals selbst als Vizepräsident im ÖTV tätig, hat dazu eine klare Meinung. „Wir haben im Sommer zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, wie etwa Landesmeisterschaften", so Stefanits, dessen Anlage im Winter vier überdachte Sandplätze, einen Hardcourt und neun Teppichplätze bietet. „Auf unserer Anlage waren pro Woche unter strengen Hygenieauflagen bis zu 4.000 Leute - und es hat keine Infektionen gegeben.“

Zwar sei es dem ÖTV hoch anzurechnen, dass in Wien etwa 180, österreichweit insgesamt 700 Spieler auch im Lockdown in die Hallen dürfen. „Aber unsere Sportart lebt von den Hobbyspielern“,  so Stefanits weiter. Und die Hobbyspieler seien es schließlich auch, die im Einzelhandel ganze Sparten am Leben erhielten.

Wer in keinem Kader steht, darf nicht Tennis spielen
© La Ville GmbH
Wer in keinem Kader steht, darf nicht Tennis spielen

Ohne Ranking kein Training

„Mich hat vor kurzem ein Trainer angeschrieben, der viele Jahre lang Trainer in der Akademie von Nick Bollettieri war“, erzählt Stefanits weiter. „Der betreut gerade ein zwölfjähriges Mädchen, das eigentlich trainiert wie eine Berserkerin. Aber sie haben es so gemacht, dass sie das Augenmerk zunächst auf die Technik, die Grundlagen, die körperliche Entwicklung, etc. gelegt haben. Und deshalb keine Turniere gespielt haben. Wodurch das Mädchen natürlich kein Ranking hat und seit Monaten nicht trainieren kann.“

Die Folge, nicht nur für diesen spezifischen Fall, ist für Stefanits klar: Länder wie Tschechien oder die Slowakei, in denen bis vor kurzem die Tennishallen offen hatten, haben ihren Spielern deutlich mehr Möglichkeiten gegeben, sich weiterzuentwickeln. Auch eine Frage der Priorisierung: „Für die Tschechen ist Tennis nach dem Eishockey die zweitwichtigste Sportart.“

Tennis als Ganzjahressport in Gefahr

Zur von ÖTV-Präsident Brunner ins Spiel gebrachten Unterstützungen für Hallenbetreiber meint Stefanits, dass die genannte Höhe von bis zu 800.000.- Euro für sich und seine Kollegen nicht zutreffend sei. In dieser Größenordnung würden höchsten große Möbelhäuser unterstützt. Die Ausfälle seien vor allem im Oktober enorm gewesen, in Summe würde man im besten Fall wohl nur 30 Prozent der Verluste ersetzt bekommen.

Die Quintessenz: Tennis als Ganzjahressport ist in Gefahr. Weshalb Stefanits mit einigen Kollegen zur Interessensvereinigung ÖTR zusammengetan hat. „Bis Ende Januar werden wir 60 Mitglieder haben. Unser größtes Anliegen ist es, dass wir einen vollständigen Abo-Ersatz bekommen.“ Denn die Unsicherheit betrifft ja mehrere Ebenen: Die Hallenbetreiber, die um das finanzielle Überleben kämpfen - und die Hobbyspieler, die sich womöglich in Richtung eines anderen Sports bewegen.

Aus seiner zweieinhalbjährigen Zeit als ÖTV-Vizepräsident weiß Raimund Stefanits, dass man als Verband etwas bewegen kann. „Wir haben die Austria Challenge ins Leben gerufen, Wild-Card-Turniere veranstaltet, hatten so viele Futures wie zuvor noch nie in Österreich. Und das, obwohl es kein harmonisches Präsidium war.“ Deutlich mehr Initiative würde sich Stefanits auch vom aktuellen ÖTV-Präsidenten wünschen.

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22.01.2021, 18:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 22.01.2021, 14:59 Uhr