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Achtelfinale! Dominic Thiem gewinnt das Duell der „Zebras“

Österreichs aktuelle Nummer eins zieht in Paris dank eines verdienten Vier-Satz-Erfolgs in die Runde der letzten 16 ein.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 28.05.2016, 11:20 Uhr

Dominic Thiem

„‚Saschas’ größte Stärke ist, dass er eigentlich keine Schwächen hat“, dies hatte erim Vorfeld der mit großer Spannung erwarteten Drittrunden-Partieangemerkt. Die zumindest kleinen und wenigen doch vorhandenen Schwachpunkte seines Gegners, die hatDominic Thiemaber auch im dritten Duell der beiden gnadenlos aufzudecken gewusst. Der Österreicher hat am Samstag zu Mittag nach seinenErfolgen im München-Semifinaleundim Nizza-Finaleneuerlich gegenAlexander Zverevgewonnen und ist dadurch bei den French Open in Paris zum ersten Mal ins Achtelfinale eingezogen. Der auf 13 gesetzte Niederösterreicher (ATP 15) zwang den erst 19-jährigen Deutschen (ATP 41) nach 2:52 Stunden mit 6:7 (4), 6:3, 6:3, 6:3 in die Knie.

Der 22-Jährige bekommt nun das zweite Mal nach den US Open 2014, wo er in der Runde der letzten 16 am TschechenTomas Berdychgescheitert war, die Chance, bei einem Grand-Slam-Event ins Viertelfinale einzuziehen. Dasverletzungsbedingte Aus von Rafael Nadalsollte ihm hierbei in die Karten spielen, denn der Schützling von Günter Bresnik bekommt es stattdessen mit dessen 30-jährigen spanischen LandsmannMarcel Granollers(ATP 56) zu tun, gegen den er eine bis dato makellose 3:0-Bilanz aufweist und klar zu favorisieren ist. Die drei bisherigen Begegnungen (Barcelona, Hamburg und Kitzbühel 2014) fanden außerdem auf Sand statt, auf dem auch in Roland Garros gespielt wird. Die Chance auf mehr sollte also bestens stehen.

In Slice-Duellen verzettelt, Satz verspielt

Das Duell der „Zebras“ – beide traten auch bei ihrem dritten Match im schwarz-weißen Look, den sich ihr Ausrüster Adidas für die French Open einfallen hatte lassen, an – war sogleich für 11:00 Uhr MESZ auf dem Court Suzanne Lenglen angesetzt worden. Auf dem sich den vielen Fans schon mal ein Vorgeschmack darauf bot, was es wohl noch weitaus öfter zu sehen geben wird: ein Kräftemessen dieser beiden vielversprechenden Jungstars, die in wenigen Jahren das Geschehen im Welttennis bestimmen könnten, mit unerhörter Schlaggewalt, Präzision, ebenso allerdings mit unbändigem Biss und Willen, mit dem derzeit noch größten Unterschied bei der mentalen Stärke. Seine Vorteile in dem Bereich vermochte Thiem auch diesmal auszuspielen.

In der auf sehr gutem Niveau befindlichen Konfrontation wussten sich zunächst beide in ihren Aufschlaggames schadlos zu halten und keine Chancen zuzulassen – bis zur ganz spannenden Schlussphase. Thiem erspielte sich bei 5:5 und 0:40 die ersten drei Breakbälle und sofort noch drei weitere, die Zverev zuerst dank starker Aufschläge abwehren konnte, dann dadurch, dass sich der Österreicher viel zu oft in Slice-Duellen verzettelte. Die gegen den großgewachsenen, 1,98 Meter langen Deutschen aber nicht den gewünschten Erfolg brachten, nämlich auch nicht in weiterer Folge. Für die häufig zu abwartend gespielten Rallys, in denen Zverev zumeist das bessere Ende für sich hatte, sollte der Lichtenwörther zunächst auch die Rechnung bezahlen.

Thiem hebt Level an – und lässt nicht mehr locker

Die Konsequenz dessen war: Nach siebenmaligem Einstand hielt Zverev sein Service, eilte im Tiebreak gleich auf 4:0 davon und ließ sich seine Führung trotz Thiems Aufholjagd zum Ende hin nicht mehr nehmen. Der bereits sechsfache ATP-Pokalgewinner lernte jedoch sehr schnell seine Lektion aus diesem Verlauf des Spiels, war fortan vermehrt am Drücker – und sollte das Zepter bis zuletzt auch nicht mehr abgeben. Zu null breakte er Zverev am Anfang des zweiten Satzes zum 2:0, musste diesen Vorteil noch postwendend zurückgeben. Ein weiteres Break im sechsten Game leitete doch den Satzausgleich ein. Bei 0:1 im richtungsweisenden dritten Satz musste Thiem dann drei Breakmöglichkeiten abwehren, später im Abschnitt drei weitere.

Die größere Coolness und Reife machte es bei den Big Points aus. Während Thiem den einzig nennenswerten Wutausbruch nach dem Rebreak zum 2:1 im zweiten Durchgang verzeichnete, daraufhin sein Level jedoch deutlich steigerte, haderte Zverev viel zu oft mit seinem Spiel und engen Bällen, stand sich selbst im Weg. So machte der Österreicher alle sechs Chancen seines Gegners als Rückschläger in der Phase zunichte, schlug seinerseits bei 1:1 und 5:3 zu und bog auf die Siegerstraße ein. Ein Break zum 3:1 reichte im vierten Satz – den letzten Breakball für Zverev wehrte er bei 4:2 ab. Kurz darauf musste ihm der Hamburger ein drittes Mal zum Sieg gratulieren, was abermals mit freundlicher Umarmung zwischen den guten Freunden geschah.

Große Chance, „aber ich habe nicht darüber nachgedacht“

Auch diesmal hat Thiem den norddeutschen Teenager also erfolgreich zermürbt. Das freut die Kontos für Preisgelder und ATP-Punkte: 173.000 Euro sowie 180 Zähler sind seine drei Siege in Roland Garros bisher wert. Gegen Granollers geht’s um 173.000 weitere Euro und nochmal 180 Punkte – und hiermit womöglich den erstmaligen Sprung unter die Top Ten der Welt, der bei günstigem weiterem Turnierverlauf möglich ist. Der großen Chance, im Achtelfinale nicht gegen den in Paris fast unzerstörbaren Nadal antreten zu müssen, sei er sich natürlich bewusst gewesen, „aber ich habe nicht darüber nachgedacht“, sagte Thiem im Siegerinterview auf dem Platz. Und wünschte sogleich „alles Gute an ‚Rafa’. Ich wünsche keinem, dass er verletzt ist – und ich hoffe, dass er sehr schnell zurückkommt.“

Die Partie gegen Zverev erlebte Thiem als „wirklich schwer, aber das habe ich schon vor dem Beginn gewusst. Ich finde, es war ein sehr gutes Spiel und eine sehr physische Schlacht.“ Und mit dem jungen Niederösterreicher letztlich als hochverdientem Sieger. Dies soll sich auch am Montag (erneut live auf ORF SPORT+ und im Livestream auf tv.orf.at) freilich nicht ändern.

Hier die Ergebnisse von den French Open:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.

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Samstag
28.05.2016, 11:20 Uhr