Die Gnade der Selbstironie

Madison Keys scheint mit den Erfolgen von Rom wieder in die Spur gefunden zu haben.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 25.05.2016, 08:14 Uhr

PARIS, FRANCE - MAY 24: Madison Keys of the United States plays a backhand during the Women's Singles first round match against Donna Vekic of Croatia on day three of the 2016 French Open at Roland Garros on May 24, 2016 in Paris, France. (Photo by...

Madison Keyshat noch etwas mitzuteilen, nicht den wenigen Journalisten, die sich zur Pressekonferenz nach ihrem Auftakterfolg gegen Donna Vekic in Raum 2 eingefunden haben, sondern via Textnachricht. Das Handy ist ständiger Begleiter der jungen US-Amerikanerin wie so vieler der Haupt- und Nebendarsteller im Tenniszirkus. Bis vor zwei Wochen hatte Keys im Jahr 2016 eher für Schlagzeilen an der Peripherie des Sports gesorgt, hauptsächlich durch den Abbruch kürzerer (Mats Wilander) oder etwas längerer (Jesse Levine) Trainerbeziehungen.

In Rom allerdings, da hat die 21-Jährige mit einem Finaleinzug recht unerwartet auch sportlich wieder auf sich aufmerksam gemacht, erst gegenSerena Williamsmusste Keys klein beigeben. Erfolge auf Sand werden von der aktuellen Nummer 17 der WTA-Rangliste nicht als Pflicht vermerkt, Keys sieht sich vor allem bei der Schlagauswahl öfters mit Problemen konfrontiert. „Ich weiß natürlich sofort, dass ich genau diesen Ball hätte nicht spielen sollen“, sagt Keys und daraus will sie lernen, sie, die mit einem ausnehmend geradlinigen, fast spinfreien Spiel zum Erfolg kommen will.

Keine Grenzen nach oben

Die Erwartungen an Madison Keys sind seit spätestens zwei Jahren nicht limitiert, damals hatte sie in Eastbourne ihren ersten und bis dato einzigen Titel auf der Tour gewonnen. Brad Gilbert, so etwas wie das Orakel des US-amerikanischen TV-Senders ESPN, attestiert seiner Landsfrau das Potenzial zur Nummer eins, viele Fans ebenso. Die damit aber offenbar auch Ansprüche verbinden, die nachdenklich stimmen, einige davon. „Ich bekomme fast nach jeder Niederlage Morddrohungen über soziale Netzwerke“, bestätigt Keys auf Nachfrage, die Kommentarleiste zeitigt oft nichts Gutes.

Eine Belastung, klar, aber es scheint in der Natur von Madison Keys zu liegen, sich davon nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Fast entspricht sie dem Klischee des amerikanischen Mädchens, das immerzu positiv denkt, pragmatisch handelt, dann eben digitale Kanäle für ihre Statusmeldungen nutzt, die nicht kommentiert werden können.

Alles klar mit Serena

Das Gespräch mit der Presse mutiert dennoch zur Plauderei, Keys nimmt weder ihren Sport noch sich selbst zu ernst. „Nachdem ich ja eine Veteranin bin“, das klingt aus ihrem Munde genau so, wie es wahrscheinlich gemeint ist, Madison Keys hat auf viele Fragen des Lebens noch keine Antwort, die meisten wohl noch auf dem Tennisplatz. Weder sie noch das Auditorium finden das indes schlimm, Selbstironie ist ein eher selten gehandeltes Gut in den Pressesälen des Turnierbetriebs.

Noch thront Serena Williams über der Damen-Tour, die Kräfteverhältnisse werden auch von Keys akzeptiert, natürlich. Das Verhältnis zur Branchenprima sei ausgezeichnet, hilfreich vor allem gemeinsame Erlebnisse beim Fed Cup, auch mit SchwesterVenus. „Die Beiden haben mich integriert, mich zum Teil eines Teams gemacht.“ Sportliche Treffen mit den Geschwistern Williams sind in Paris erst in den späteren Runden vorgesehen, jetzt wartet erstmal Mariana Duque-Marino.

von tennisnet.com

Mittwoch
25.05.2016, 08:14 Uhr