„Die jungen Spieler sollen ihre Strafen zahlen”

Auch im Alter von fast 70 Jahren hat Ilie Nastase nur wenig von seinem Biss verloren.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 28.05.2016, 07:38 Uhr

SHANGHAI, CHINA - APRIL 15: Laureus World Sports Academy member Ilie Nastase during a media interview at the Shanghai Grand Theatre prior to the 2015 Laureus World Sports Awards on April 15, 2015 in Shanghai, China. (Photo by Ian Walton/Getty Image...

Von Jens Huiber in Paris

Ilie Nastasedirigiert einen Tennisplatz immer noch – selbst, wenn man den rumänischen Bonvivant fast gar nicht sieht. Nastase sitzt ganz außen auf den Presseplätzen des engen Court 2. Seine LandsfrauIrina-Camelia BegubespieltAnnika Beck, und sie tut sich schwer. Es ist der erste richtig warme Tag in Roland Garros, die ehemalige Nummer eins der Welt hat dennoch einen dunklen Anzug als Outfit gewählt. Nicht jeder kann im Alter von 69 Jahren einen Ohrstecker tragen, aber Ilie Nastase ist beileibe nicht jeder. Seine Geduld reicht gerade mal für den ersten Satz, verbal macht er aber das meiste aus der Eröffnungssequenz.

Es brodelt nach wie vor in jenem Mann, der sich Anfang der 1970er-Jahre zwei Grand-Slam-Titel geholt, so nebenbei aber auch Schiedsrichter knapp an den Spielabbruch, zumeist aber in den Wahnsinn getrieben hat. „Als Nummer eins durfte man sich damals mehr leisten, die Regeln waren nicht so strikt“, erklärt Nastase im Gespräch, buchstäblich zwischen Tür und Angel. Es kommt nicht gut bei ihm, dass ein deutscher Zuschauer „Come on, Annika!“ skandiert. „Shut up“, schnauzt Nastase zurück, dann ist auch Ruhe, Ex-Branchenführer eben.

Kein Grund für eine Verwarnung

Die Damen dieser Tage spielen schneller als der Sieger der French Open 1973, das hatte Letzterer vor ein paar Wochen beim Laureus Sports Award erklärt. Trotzdem darf angenommen werden, dass eben jener Champion einen Weg gefunden hätte, seine Landsfrau Begu mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln zu bezwingen. Begu wandelt indes ein kleines bisschen in den Spuren des großen Ilie, wird von der Schiedsrichterin kostenpflichtig verwarnt.

„Das ist einfach nur lächerlich.“ Hat sich die Spielerin möglicherweise gedacht, Nastase spricht es aus. „Weil sie ein, zwei Sekunden zu lange gebraucht hat?“ Begu lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, zieht gegen die letzte verbliebene Deutsche in das Achtelfinale ein, Nastase macht das in den letzten Wochen gewonnene Selbstvertrauen dafür verantwortlich. Vielleicht noch ein Wort zu Simona Halep, der er durchaus auch manchmal Kritik ins Stammbuch schreibt? Sie müsse von Match zu Match denken, das nächste gibt es am Sonntag gegen Samantha Stosur.

Ilie Nastase hat es eilig, ein TV-Team begehrt ein Interview. Eines will er den jungen Spielern wieNick KyrgiosoderAlexander Zverevdennoch mit auf den Weg geben: „Die sollen ihre Strafen zahlen. Ich habe meine auch immer beglichen.“ Wenn es dem Spiel der extrovertierten Youngsters helfe, dann müsse eben alles raus, auch wenn es finanziell kitzelt. Spricht es, schließt die Tür, die sich aber gleich wieder öffnet. Eintritt jetzt: Ion Tiriac, die zweite rumänische Legende. Der hat aber nur Zeit für zwei Ballwechsel. Zu gut ist sein Sitzplatz auf dem Court Philippe Chatrier.

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Samstag
28.05.2016, 07:38 Uhr