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Dominic Thiem – „Ich habe mir das wirklich erarbeitet“

Österreichs klare Nummer eins nach dem Einzug ins Achtelfinale von Roland Garros in der Pressekonferenz.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 28.05.2016, 16:13 Uhr

Dominic Thiem

Mit seinem dritten Sieg, einem6:7 (4), 6:3, 6:3, 6:3gegen den deutschen TeenagerAlexander Zverev, hatDominic Thiembei den French Open in Paris am Samstag das erste Mal in seiner Laufbahn das Achtelfinale erreicht. Was der 22-jährige Niederösterreicher zu seinem starken Auftritt zu sagen hatte und wie er dem nächsten entgegenblickt, bei dem jaüberraschend nicht Rafael Nadal wartet, lest ihr hier, in der nachfolgenden Aufzeichnung seiner Pressekonferenz.

Dominic, du stehst zum zweiten Mal in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers. Wie fühlt sich das an?

Es waren drei schwere Matches, und ich habe mir das wirklich erarbeitet. Es war in den ersten drei Runden auch eine relativ unangenehme Auslosung. Ja, es ist erst das zweite Mal, dass ich bei einem Grand Slam in der zweiten Woche stehe, also das freut mich sehr.

Heute hat man im ersten Satz ein bisschen das Gefühl gehabt, du spielst eine Taktik, mit den vielen Rückhand-Slices, die du dann einfach reduziert hast. War das irgendwie eine Taktik oder einfach Unsicherheit zu Beginn? Oder wie kann man das beschreiben?

Ich denke, wir waren beide am Anfang ein bisserl nervös. Natürlich, mit ihm von hinten hin und her schießen ist sehr, sehr schwer. Dadurch, dass er so groß ist, versucht man natürlich, ihn ein bisschen nach vorne zu holen, ihm ein bisserl tiefere Bälle zu geben. Das hat nicht so gut funktioniert im ersten Satz, aber die Taktik wäre eigentlich die richtige, würde ich sagen. Ich habe gewusst, dass das jetzt keine glatte Drei-Satz-Partie für mich wird, und deshalb war es für mich kein großes Drama, dass ich den ersten Satz verloren habe.

Du hast jetzt zum zweiten Mal hier in einem großen Stadion gespielt, nach dem Nadal-Match(in der zweiten Runde 2014; Anmerkung). Fühlt sich das für dich ganz anders an, auch von der Geschwindigkeit auf dem Platz her?

Das ist schon anders, ganz klar. Viel mehr Auslauf, das Netz ist ein Single-Netz. Aber von der Atmosphäre her ist es natürlich ein Traum. Es war fast voll, es war echt gut zum Spielen.

Ab welchem Zeitpunkt hast du denn gemerkt, dass Zverev ein bisserl nachlässt? Als Zuschauer hat man schon den Eindruck gehabt, dass der erste Aufschlag bei ihm zwar gekommen ist, aber nicht mehr so scharf wie zu Beginn. Gab es da irgendeinen Zeitpunkt, als du das gemerkt hast?

Eigentlich nicht wirklich. In Nizza habe ich es extrem gemerkt, aber heute nicht. Ich habe gewusst, dass ich bis zum Schluss hochkonzentriert sein muss. Er hat auch echt nicht nachgelassen. Ich habe auch nicht wirklich viele Chancen gehabt, um den Sack vielleicht schneller zuzumachen, weil er einfach immer drangeblieben ist. Natürlich hat er vielleicht nicht mehr den Fitnesslevel vom ersten Satz gehabt, aber ich finde, dass er jetzt nicht sehr viel nachgelassen hat.

Dominic, man hat wirklich das Gefühl, du kommst immer relativ schwer in die Gänge. Ich glaube, du hast es eh selber schon mal erwähnt. Kann man daran arbeiten oder wie ist das? Vielleicht tut das bei solchen Matches noch nicht so weh, als wenn man dann gegen einen Stärkeren spielt, wo dann vielleicht schon die Partie dahin ist.

Also heute war es echt okay. Ich kann jetzt auch nicht bei jedem Match 3:0, 4:0 in Führung gehen, das geht nicht. In den ersten zwei Matches war es natürlich ein Fehlstart, kann auch deshalb sein, weil ich gegen die beiden(Inigo Cervantes HuegunundGuillermo Garcia-Lopez; Anmerkung)noch nie gespielt habe. In Nizza war ich dafür in jedem Match 3:0, 4:0 vorne. Man muss auch bedenken, dass es hier Best-of-Five ist, also man sollte sein Pulver nicht von Anfang an verschießen. Von dem her war der Start echt okay. Solange man mal seinen Aufschlag hält, ist alles gut.

Vor allem hast du jetzt schon 23 Matches auf Sand in diesem Jahr gewonnen. Du wirst schon von manchen Medien als der „neue Sandkönig“ bezeichnet. Was sagst du dazu?

(Lächelt)Es ist das ganze Jahr – ich glaube, es war mein 39. Matchsieg, drei mehr schon als im ganzen letzten Jahr. Also die Saison läuft bis jetzt echt sehr gut. Aber es gilt da einfach dranzubleiben und den hohen Level zu halten, und dann schauen wir, was passiert.

„Das ist das nächste große Ziel, dass ich dieses Match gewinne.“
Dominic Thiem hat das Viertelfinale im Visier

Dieses angesprochene große Ergebnis(im englischsprachigen Teil der Pressekonferenz; Anmerkung), das könnte ja jetzt eigentlich schon passieren – auch wenn es jetzt „nur“ gegenGranollersist, der auch kein Nichtskönner ist. Ist das Viertelfinale nun das große Ziel? Damit könntest du höchstwahrscheinlich auch die Top Ten knacken.

Auf jeden Fall. Jetzt bin ich mal wachgerannt. Das ist das nächste große Ziel, dass ich dieses Match gewinne – egal, gegen wen, ob Nadal oder Granollers. Ich kann nichts für die Auslosung, von dem her werde ich jetzt einfach mein Bestes gegen Granollers geben und hoffen, dass das reicht.

Es ist schon fast zwei Jahre her, dass du gegen ihn gespielt hast. Er hat in letzter Zeit wieder sehr gut gespielt, auchGoffinin Monte Carlo geschlagen. Hast du ihn einmal gesehen jetzt auch? Möglicherweise in Nizza, denn dort hat er gegen ‚Sascha’(Zverev; Anmerkung)gespielt.

Genau das Match habe ich gesehen. Er ist einfach ein bisschen ein unorthodoxer Spieler, hat einen sehr guten Touch, sehr gute Volleys, spielt viel Aufschlag/Volley. Also er weiß, wie er es mir sehr unangenehm machen kann. Körperlich fit ist er sowieso, aber jetzt ist er noch frischer, weil er heute eben nicht gespielt hat. Von dem her wird das alles andere als einfach.

Glaubst du, dass du, wenn du jetzt tiefer im Turnier drinnen bist, immer gefährlicher wirst, weil du auch immer lockerer wirst, weil du schon Dinge erreicht hast, die du dir vorgenommen hast?

Nicht wirklich. Ich habe bei dem Turnier eigentlich von Anfang an gut gespielt. Es war jetzt nicht so wie bei anderen Turnieren, dass ich in den ersten Matches irgendwie ein bisschen langsamer begonnen habe oder so, sondern ich habe da von Anfang an einen guten Level gespielt. Also von dem her ist das für mich jetzt kein großer Unterschied.

Dominic, morgen ist für dich mal ein spielfreier Tag. Wirst du auch mal was anderes machen können außer nur am Tennisplatz zu sein? Willst du dir auch mal was anschauen?

Nein, während des Turniers nicht. Die Tage sind eh schnell vorbei. Morgen werde ich aufstehen, dann um 12 oder 1 trainieren, dann noch ein bisserl dableiben, dann habe ich Behandlung beim Physio, dann ist es eh schon wieder 6 oder 7. Dann Abendessen, dann ist eh schon wieder fast übermorgen, also da ist wirklich sehr wenig Zeit.

Schaust du dir das Finale(der Fußball-Champions-League; Anmerkung)an? Und wenn ja, gibt es einen Favoriten für dich?

Ich weiß nicht. Es sind zurzeit ein paar Leute bei mir, die Fußball nicht so interessiert.(Gelächter)

Du kennst Alex ja wirklich sehr gut. Was würdest du denn sagen, ist im Moment noch das, wo du besser als er bist? Wenn man das Match von heute zum Beispiel nimmt: Wo fehlt es da noch bei ihm ein bisschen?

Es fehlt ein bisserl an der Fitness, glaube ich, aber ich meine, das ist mit 19 ganz normal. Ich war mit 19 noch viel dünner als er. Er hat sich im Vergleich zum letzten Jahr eh schon extrem verbessert, und das ist echt unfassbar, wie er mit 19 spielt. Dass man da jetzt nicht für zwei Wochen den ganz hohen Level bei einem Grand Slam spielen kann – außer man schaut aus wie Nadal mit 19, dann ist das natürlich schon möglich. ‚Sascha’ schaut für mich echt aus wie 19, er ist einfach auch wie 19, und von dem her ist das für mich ganz normal, dass er den Fitnesslevel, den es jetzt wirklich benötigt, noch nicht erreicht hat. Ich befürchte für mich, ich hoffe für ihn, dass er spätestens im nächsten Jahr den nächsten großen körperlichen Schritt macht. Und dann wird es ganz, ganz schwierig gegen ihn.

Nervt es eigentlich in irgendeiner Form, wenn etwa alte Tennislegenden immer wieder gefragt werden, wer ist jetzt aus der sogenannten neuen Generation – du bist ja auch nochmal drei Jahre älter als „Sascha“ – eigentlich der Talentierteste? Dann sagtJohn McEnroezum Beispiel: „Zverev ist der Talentierteste, den sehe ich noch vorCoric.“ Dass solche Fragen immer und immer wieder kommen, nervt das oder habt ihr euch da dran gewöhnt und das ist in Ordnung?

Das ist ganz normal, glaube ich. Das Schöne und das Gute dran ist, dass wir alle dabei sind. Wenn wir jetzt gar nie erwähnt würden, dann wär’s schlimm. Aber wenn jetzt irgendwer sagt, der ist talentierter als ich, aber wir sind alle in der guten, neuen Generation, dann kann ich sehr gut damit leben.

Aufgezeichnet von Jens Huiber, transkribiert von Manuel Wachta.

Hier Auszüge der englischsprachigen Pressekonferenz von Dominic Thiem.

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Samstag
28.05.2016, 16:13 Uhr