tennisnet.comATP › Grand Slam › French Open

Entfesselter Andy Murray beendet Stan Wawrinkas Titelverteidigung

„Man muss anerkennen, wenn der andere Spieler einfach besser war“, befindet „Stan, the Man“ nach seinem Halbfinal-Aus.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 03.06.2016, 15:35 Uhr

Stan Wawrinka - Andy Murray

Als der amtierende Champion geschlagen war, hatten die French Open auf einmal das nominell logische Endspiel im Herren-Wettbewerb. Lange schon hatte sichNovak Djokovic, der Capitano der Branche, an einem herbstkalten Freitagnachmittag ins ultimative Pokalmatch vorgekämpft, mit einemüberzeugenden 6:2,-6:1,-6:4-Siegüber den jungen ÖsterreicherDominic Thiem, da starb auf dem Centre Court schließlich noch der Traum der Titelverteidigung vonStan Wawrinka(31). Bestmögliche Anstrengungen unternahm Wawrinka, wenig war auszusetzen an seiner Einstellung, an seiner Leidenschaft, an seiner Mentalität, doch einem überragenden, teils wie entfesselt aufspielenden Murray war er an diesem Tag nicht gewachsen. „Man muss anerkennen, wenn der andere Spieler einfach besser war“, sagte Wawrinka später, nach seinem4:6,-2:6,-6:4,-2:6-Knockoutim letzten Halbfinal-Match des 13. Turniertags.

Fest stand damit auch eins: Am Sonntagabend würde es einen neuen French Open-Champion geben – obwohl die Nummer eins und die Nummer zwei der aktuellen Weltrangliste aufeinandertreffen, Djokovic und Murray. Djokovic stand bisher zwar schon drei Mal im Roland-Garros-Endspiel, doch er verlor sie allesamt, zwei Mal gegen Nadal und bekanntlich im Vorjahr gegen Wawrinka. Murray ist ein neues Gesicht im alles entscheidenden Turnierduell, dem letzten Fall für Zwei: Er rückte überhaupt als erster Brite seit 1937 (Bunny Austin) in das Pariser Endspiel vor, hatte damit als zehnter Spieler der modernen Tennis-Ära nun auch mindestens einmal bei jedem Grand Slam das Finale erreicht. „Ich bin unheimlich stolz auf mich. Aber die Mission ist noch nicht zu Ende“, sagte Murray nach dem vielleicht besten Sandplatz-Match seines Lebens. Kurios genug: In der Auftaktrunde dieser grimmigen, verregneten French Open 2016 hatte Murray die beiden ersten Sätze gegen den 37-jährigen TschechenRadek Stepanekverloren,einmal fehlten nur noch zwei Punkte zum ganz frühen Abschied des Schotten.

Nur kurz Hoffnung bei den Schweizer Tennisfreunden

Im Sturm und Drang des 29-jährigen Murray, dem der heiße Siegerwille förmlich ins Gesicht geschrieben war, stand Wawrinka schnell in der Defensive – meistens der Getriebene, nicht der, der selbst das Diktat des Spiels in den Händen hält. Rasch holte sich der Olympiasieger von 2012 den Auftaktsatz mit 6:4, noch glatter besorgte er mit einem 6:2 die 2:0-Zwischenführung. Dann keimte kurzfristig Hoffnung bei den Schweizer Tennisfreunden auf, als Wawrinka den dritten Durchgang im Endspurt 6:4 gewann. Doch ein Break Murrays gleich zum 1:0 im vierten Satz wirkte wie eine Ladung kaltes Wasser im Gesicht – eine einzige Ernüchterung. Murray ließ sich den Sieg unter den wachsamen Augen von Hollywood-Star Leonardo di Caprio nicht mehr nehmen, zog weg von Wawrinka, ging nach zwei Stunden und 34 Minuten als Finalist durchs Ziel. Er, nicht Wawrinka, kann sich nun am Sonntag zum Sandkönig von Paris krönen, eine vor Jahren noch kühne Vorstellung – schließlich galt Murray viele Jahre als ausgewiesener Rasen- und Hartplatz-Spezialist.

„Ich weiß nicht, ob heute irgendjemand Murray hätte schlagen können. Er spielte wie im Rausch.“
Pat Cash über Andy Murray

Wawrinka kann Paris gleichwohl mit hocherhobenem Haupt verlassen, gescheitert erst auf der vorletzten Etappe des langen Marsches zum erhofften neuen Titelruhm. „Ich weiß nicht, ob heute irgendjemand Murray hätte schlagen können. Er spielte wie im Rausch“, sagtePat Cash, Australiens ehemaliger Superstar, bei der „BBC“, „Wawrinka muss sich nicht viel vorwerfen. Er hat insgesamt ein sehr überzeugendes Turnier gespielt.“ Rund eine Woche hat der Romand nun, dann wird er nach London übersiedeln, hinein in die Rasensaison. Er wird wie gewohnt beim ATP-Wettbewerb im Queen’s Club an den Start gehen, ab 27. Juni beginnt dann der traditionelle Saison-Höhepunkt im All England Lawn Tennis and Croquet Club zu Wimbledon.

Djokovics zwölfter Anlauf von Erfolg gekrönt?

Djokovic, im letzten Jahr im Finale kalt von „Stanimal“ Wawrinka erwischt, hat am Sonntag einen anderen potentiellen Spielverderber vor Augen – seinen Freund und Generationsgenossen Murray, der genau sieben Tage älter ist als er. 2016, das ist der zwölfte Anlauf zum Paris-Titel für Djokovic, inzwischen der einzige Grand-Slam-Pokal, der ihm noch fehlt. Gegen den Österreicher Thiem wirkte er wie der große Souverän, trotz vier Tagen Dauereinsatzes im grauen Paris. „Ich bin sehr glücklich, wie alles läuft für mich“, sagte er später. Zwölf der letzten 14 Partien hat er gewonnen gegen Murray, oft genug war er sein Spielverderber, allein drei Australian-Open-Titel holte er gegen den Kumpel. Aber der letzte von insgesamt 33 Vergleichen (23:10) ging an Murray,beim letzten großen Vorbereitungsturnier in Rom, auf Sand.

Hier die Ergebnisse von den French Open:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.

von tennisnet.com

Freitag
03.06.2016, 15:35 Uhr