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Guy Forget wehrt sich – „Wir wollten so lange spielen lassen wie möglich“

Finanziellen Motive seien demnach nicht für den Spielabbruch vor zwei Tagen entscheidend gewesen. Die Profis reagieren mit Unverständnis.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 02.06.2016, 11:17 Uhr

Guy Forget

Zwei Stunden und eine Minute– diese Zeitangabe erlangte in Roland Garros am verregneten Dienstag zweifelhaften Ruhm. Exakt so lange wurden die Profis bei konstantem Nieselregen auf die seifigen Plätze geschickt, bis 16:45 Uhr der letzte Ball geschlagen wurde. Diese zynisch anmutende Entscheidung sorgte vor allem bei den Ticketinhabern für Verärgerung. Wäre vor der Zwei-Stunden-Marke abgebrochen worden, hätten die betroffenen Zuschauer immerhin die Hälfte ihres Eintrittsgeldes zurückerhalten. Die verantwortliche Federation Francaise de Tennis ließ noch am Dienstagabend verlauten, dass es für die Center-Court-Besucher keinen einzigen Cent zurückgibt. Die gewaltige Protestwelle in den sozialen Netzwerken baute einen so großen Druck auf die Organisatoren der French Open auf, dass Turnierdirektor Guy Forget diesbezüglich vor die Presse trat.

Bedeutungsschwanger verkündete der 51-jährige Ex-Profi, „dass der Respekt für das Spiel immer im Vordergrund steht.“ Demnach habe sich die Turnierorganisation nicht an etwaigen Rückzahlungen orientiert, sondern daran, den Spielbetrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. „Auch wenn wir dafür kritisiert werden, das Spielen bei schwierigen Bedingungen zugelassen zu haben, es war unser Ziel, möglichst lange Tennis spielen zu lassen“, bemerkte der französische Turnierchef. Guy Forget verstehe zwar die aufgebrachten Besucher, stellte aber die Frage in den Raum: „Können wir wirklich die Regeln inmitten der Veranstaltung ändern? Wir wissen alle, dass die Wetterbedingungen sehr ungewöhnlich waren – letztmalig gab es so etwas im Jahr 1873.“

Erboste Profis sprechen von Zwängen, Schmerzen und Respektlosigkeit

Die betroffenen Spieler reagierten mit Unverständnis auf die umstrittene Entscheidung und nahmen kein Blatt vor den Mund.David Ferrer, der an diesem Tag nur drei Spiele gegenTomas Berdychabsolvierte und am Folgetag ausschied, sagte gegenüber der spanischen Webseite „El Español“: „Es war eine Maßnahme, den Tag zu retten, Geld zu verdienen und den Ticketinhabern nichts zurückzuzahlen – das war nicht korrekt.“ Ferrers Landsmann Roberto Bautista Agut klagte über Schmerzen im Ellbogen aufgrund der schweren mit Wasser aufgeschwemmten Bälle. Für Tomas Berdych war die Maßnahme ein Beispiel dafür, dass es hier nicht mehr um die Spieler geht, sondern das Turnier an sich. „Ohne uns Spieler würde ein großes Event wie die French Open aber niemals existieren“, fügte der verärgerte Tscheche an.

Auch David Goffin und Ernests Gulbis hatten es als „zwanghaft“ empfunden, bei diesen gefährlichen Bedingungen auf den Platz gehen zu müssen. „Es war nicht spielbar. Wir sollten nicht angesetzt werden, wenn es regnet“, erklärte der Lette. Die Nummer eins der Herren-Weltrangliste sprach von einer „delikaten Situation“. „Die Gesundheit der Spieler müsse immer an erster Stelle stehen“, unterstrichNovak Djokovic. Der Serbe setzte sich dafür ein, dass alle Seiten bei einer solchen Entscheidung Gehör finden. Es gäbe so viele Interessen, dass eine neutrale Betrachtungsweise hilfreich wäre.

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Donnerstag
02.06.2016, 11:17 Uhr